Stadtsteinach

Ein kleines medizinisches Wunder: Yusef (3) aus Stadtsteinach kann laufen

Niemals auf eigenen Beinen stehen können - dieses Schicksal drohte dem kleinen Jungen aus Stadtsteinach. Doch zum Glück kam es anders.
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Es grenzt an ein Wunder: Yusef kann ohne Hilfe laufen. Der Junge ist inzwischen schon sehr selbstständig. Foto: Dagmar Besand
Es grenzt an ein Wunder: Yusef kann ohne Hilfe laufen. Der Junge ist inzwischen schon sehr selbstständig. Foto: Dagmar Besand
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Es klingelt. Erster an der Haustür ist Yusef. Der Dreijährige lacht fröhlich, lässt den Besuch herein und saust ins Wohnzimmer, um der Mama Bescheid zu sagen, wer gekommen ist. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Schritte des Kindes etwas steif und ungelenk sind.

Dass der Junge überhaupt laufen kann, grenzt an ein Wunder. Noch vor wenig mehr als zwei Jahren glaubten Ärzte, beide Beine müssten amputiert werden. Sie waren von Geburt an extrem deformiert, es fehlten Knochen und Muskeln. Eine Rekonstruktion schien utopisch.

Eltern und Freunde der Familie wollten das nicht akzeptieren. Sie suchten und fanden ein Spezialistenteam in Münster, das den Versuch wagen wollte.

Viele Spenden ermöglichten Therapie

Viele Leser der Bayerischen Rundschau und inFranken.de berührte das Schicksal des Kindes. Sie spendeten 2017 großzügig an unsere Initiative "Franken helfen Franken" und ermöglichten damit die Finanzierung der vielen Zusatzkosten, die Yusefs Therapie mit sich brachte.

"Wir sind sehr dankbar dafür, dass uns so viele Menschen geholfen und Mut gemacht haben", sagt Yusefs Mutter Yasmin Mohamad. "Ich hätte vor zwei Jahren niemals gedacht, dass Yusef so schnell so große Fortschritte macht. Wir sind unendlich glücklich darüber!"

Eine Folge des Krieges

Rückblick: Die Familie Mohamad stammt aus Syrien und ist 2015 nach Deutschland geflohen, als Yasmin mit Yusef, dem jüngsten ihrer drei Kinder, schwanger war. Das Baby kam im April 2016 in Kulmbach zur Welt - geistig gesund, aber mit schweren Deformationen beider Beine und Füße. Ärzte gehen davon aus, dass die Behinderung eine unmittelbare Folge des Krieges ist: Yusefs Mutter war in Syrien Giftgast ausgesetzt. In ihrer Heimatregion teilen viele kleine Kinder Yusefs Schicksal.

Ein Spezialistenteam des Universitätsklinikums Münster machte der Familie Hoffnung und letztlich das Unmögliche möglich. In mehreren Operationen haben die Chirurgen die Beine korrigiert, fehlende Gewebestrukturen ergänzt. Ein aufwendiger und langwieriger Prozess.

Schmerzhafte Therapie mit "Fixateur externe"

Mit einem "Fixateur externe", einem äußerlich getragenen Haltesystem, wurden die Beine gestreckt und begradigt. Es folgten Wochen im Liegegips, bis mit Hilfe passender Orthesen erste Steh- und Gehversuche möglich wurden.

Die stützenden Beinhüllen gehören nach wie vor zu Yusefs Alltag: Lange musste er üben, bis er sich vor einem Jahr tatsächlich erstmals allein auf den Beinen halten konnte.

Yusef macht schnelle Fortschritte

Heute ist von dieser Unsicherheit kaum noch etwas zu sehen. Flink wuselt der Kleine durch die Wohnung: "Ich komme gar nicht hinterher", lacht Mama Yasmin. Die 34-Jährige kann kaum glauben, wie schnell ihr Jüngster Fortschritte macht. Yusef geht seit einem halben Jahr in den katholischen Kindergarten in Stadtsteinach. Er ist ein aufgewecktes Kind, findet leicht Anschluss und lernt schnell.

Für seine Mama ist dadurch vieles einfacher geworden: "Yusef ist viel selbstständiger geworden, spricht auch schon gut und kann endlich sagen, wenn ihm etwas weh tut."

Doch auch auf diesem Gebiet ist das Schlimmste vorerst ausgestanden. Im November war er wieder zur Kontrolle in Münster. Die Ärzte sind zufrieden mit Yusefs Entwicklung. Im März 2020 steht der nächste Termin an.

Weitere Operationen sind nötig

Yusef wird noch einige Operationen über sich ergehen lassen müssen, damit seine Beine mit seiner allgemeinen körperlichen Entwicklung Schritt halten können. Doch die Perspektiven für Yusefs Zukunft sind gut!

Auch sonst hat sich das Leben für Familie Mohamad positiv entwickelt. Yusefs ältere Geschwister sprechen perfekt Deutsch und sind gute Schüler. Die zehnjährige Asya ist Klassensprecherin ihrer vierten Klasse, mag Mathe und Kunst und tanzt in der Prinzengarde. Rashid geht in die dritte Klasse. Das Lieblingsfach des Neunjährigen ist Mathe, und er liebt Sport, trainiert Fußball, Karate und Tischtennis. Vater Samir hat in seinem gelernten Beruf als Fliesenleger Arbeit gefunden.

Mutter Yasmin will bald eine Ausbildung machen

Yasmin nutzt ihre Erfahrungen, um andere syrische Familien mit kranken Kindern zu unterstützen und zum Beispiel bei Arztbesuchen zu übersetzen. Mit großem Ehrgeiz widmet sie sich der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse und hat in kurzer Zeit bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Aktuell lernt sie fleißig für die B2-Prüfung, denn sie hat ein Ziel: Eine Ausbildung machen - als Krankenschwester oder Altenpflegerin. Um das Familieneinkommen aufzubessern, hat sie einen Minijob angenommen, außerdem den Führerschein gemacht.

"Ich bin so stolz auf die Familie", sagt Sonja Birner aus Wonsees, die sich als ehrenamtliche Patin um die Familie kümmert und sie seit ihrem Start in ein neues Leben im Landkreis Kulmbach begleitet. Auch sie dankt allen Spendern unserer Franken-helfen-Franken-Aktion. "Die Familie hat diese Hilfe wirklich verdient. Ohne die Spendengelder wäre das alles nicht so einfach möglich gewesen", betont sie. Es sind vor allem die Zuzahlungen für Hilfsmittel, Liegendtransporte und Reisekosten für Begleitpersonen, die sich auf Dauer summieren und das kleine Budget der Mohamads sprengen würden. Dank der Spenden sind diese Kosten auch für noch folgende Therapieschritte abgesichert.

Ein Auto fürs Tierheim

Die Weihnachtszeit nutzen die Bayerische Rundschau und der Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken "Franken helfen Franken" wieder, um gemeinsam mit unseren Lesern einen guten Zweck zu unterstützen. Das Geld geht diesmal an den Tierschutzverein. Nachdem das alte Fahrzeug des Vereins ausbrannte, ist eine Neuanschaffung dringend nötig. Ohne Auto könnte der Betrieb des Tierheims in Heinerseuth nicht aufrecht erhalten werden. Spendenverein Seit 2009 gibt es "Franken helfen Franken". Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an gemeinnützige Organisationen und in Not geratene Menschen in der Region.

Spendenkonto Alle Spenden sind steuerlich absetzbar. Geld spenden kann jeder per Überweisung auf das Konto DE 62 7705 0000 0302 1945 01, BIC BYLADEM1SKB bei der Sparkasse Bamberg (Verwendungszweck: Tierschutzverein Kulmbach).

Information Alles Wissenswerte über unseren Spendenverein finden Sie auf www.franken-helfen-franken.de.

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