Wirsberg
Starkoch aus Franken

Alexander Herrmann im Interview: Warum der fränkische Fernsehkoch das Landleben so genießt

Wir haben uns mit Sternekoch Alexander Herrmann getroffen und dabei im Interview erfahren, dass für den 48-Jährigen Genuss mehr als nur gutes Essen ist.
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Eines der kulinarischen Aushängeschilder Frankens: Alexander Herrmann.  Foto: Peter Dörfel Fotodesign
Eines der kulinarischen Aushängeschilder Frankens: Alexander Herrmann. Foto: Peter Dörfel Fotodesign

Alexander Herrmann gehört zu den kulinarischen Aushängeschildern Frankens. Der Fernsehkoch und gebürtige Kulmbacher betreibt mehrere Restaurants in der Region. Das Gourmet "Restaurant Alexander Herrmann" by Tobias Bätz in Wirsberg darf sich auch 2019 mit zwei Michelin-Sternen schmücken.

Im Interview verrät Herrmann, welche "reduzierten" Gerichte er privat liebt und was er am Landleben so schätzt.

Was ist für Sie ein kulinarischer Genuss?

Alexander Herrmann: Da gibt es zwei Sichtweisen. Die eine ist die berufliche: Genuss ist, wenn wir in der Küche etwas kreieren, so dass nicht nur ein Gericht die Attitüde "weltklasse" hat, sondern dass ein ganzes Menü in sich so stimmig ist, dass du sagst: Das ist der Wahnsinn.

Dann gibt es die private Seite: Ich freue mich über sehr reduzierte Gerichte wie Pasta mit Tomatensoße und Parmesan. Und ich bin ein absoluter Brot-Fan. Ich liebe einfach Schnittlauchbrot mit einer g'scheiten Butter und frisch geschnittenem Schnittlauch. Das ist ein Traum. Dazu ein Seidla Bier.

Hat man eigentlich noch Lust, privat zu kochen, wenn man den ganzen Tag mit Essen zu tun hat?

Schon. Wenn du den ganzen Tag für Andere kochst, dann freust du dich darauf, auch mal was für dich selbst zu machen. Wenn du zu Hause bist, möchtest du dich ja auch verwöhnen. Die Sachen, die man zuhause macht, sind aber Dinge, die man in 15 bis 30 Minuten schafft. Im Restaurant sind es stundenlange Vorbereitungen. Richtig aufwändig zuhause zu kochen, darauf hab ich keinen Bock mehr.

Beim Genuss geht es ja auch ums Ambiente. Wie genießt das Auge beim Essen mit?

Wenn der Gast nur den Teller anschaut - egal ob das in unserem Zwei-Sterne-Gourmet-Restaurant oder in unserem Bistro ist -, dann musst du dich in das Gericht verlieben, wenn du es siehst. Wer will schon sein Kartoffelpüree à la Knastkantine auf den Teller geknallt haben? Die Ästhetik spielt eine große Rolle. In unserem Zwei-Sterne-Restaurant sind es kleine Kunstwerke, deren Gestaltung dem Geschmack folgt.

Das bedeutet?

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn eine Jeans ansprechend verpackt ist, fällt sie schneller ins Auge. Bei uns ist es aber genau andersherum: Die Leute kommen zuerst wegen des Geschmacks, und dann sind sie fasziniert von der Optik, wie das Essen präsentiert wird.

Das Ambiente im Raum spielt aber auch eine Rolle, oder?

Das Ambiente ist sehr entscheidend. Ich möchte jetzt nicht das Wort Feng Shui benutzen, aber in einem Raum müssen die Dinge stimmig sein. Ganz vorne dran ist die Beleuchtung. In einer Neonbeleuchtung fühlst du dich unwohl. In unserem Gourmet-Restaurant ist der Tisch perfekt ausgeleuchtet. Der Gast sitzt in einer dezenten, atmosphärischen Beleuchtung.

Ist es für einen Starkoch, der auch im Fernsehen auftritt, ein Genuss, im Rampenlicht zu stehen?Oder ist es nur ein Job?

Als ich das Konzept von "The Taste" gehört habe, habe ich sofort gewusst: Das ist meine Sendung. Das heißt: Es gibt Dinge, die ich im Rampenlicht gerne tue, auf die ich mich freue. Das Größte ist es aber für mich, auf der Bühne zu stehen. Ich habe ja diese Live-Tour, bei der ich auch am 28. Februar 2020 nach Kulmbach komme.

Was kann man bei der Tour erwarten?

Ich erzähl' aus meinem Leben. Das wird sehr unterhaltsam. Und ich koche ein paar Dinge und gebe kleine Tipps, die lebensverändernd sind. Wenn einer bei mir in der Halle war, dann geht der nach Hause und weiß für immer, wie man ein Steak brät - und zwar auf den Punkt rosa.

Die Motivation hinter der Live-Tour ist, mit dem Publikum zu arbeiten. Wenn 80 Prozent rausgehen und sagen, das hätten wir so nicht erwartet, und die anderen 20 Prozent waren schon mal da und sagen, das ist genauso geil wie das letzte Mal, dann ist das einfach ein toller Moment.

Auf einer Bühne zu sein, ist etwas Besonderes. Jamie Oliver war der erste Koch, der das gemacht hat, Tim Mälzer der zweite. Dann komme schon ich. Und es gibt noch Steffen Henssler und Horst Lichter. Nur wir fünf machen so etwas. Aber so etwas kann man nicht ewig schaffen. Man muss da von Jahr zu Jahr denken.

Sie sind ja jetzt schon 20 Jahre im Fernseh-Geschäft. Es sieht nicht so aus, als würde es sich totlaufen.

Das Koch-Fernsehen hat sich in den vergangenen Jahren in mehrerlei Hinsicht geändert. Mit Kerners Köche wurde die Koch-Szene Prime-Time-tauglich. Das war ein Knackpunkt. So wie Biolek im Grunde den Markt in den 90ern geöffnet hat. Bei Kerner war es so, dass die Leute ganze Gerichte nachgekocht haben.

Das ist nicht mehr so. Heute ist es wie bei der Live-Tour: Man erklärt, wie man perfekt ein einzelnes Gericht zubereitet. Diese Entwicklung konnte ich gut mitmachen. Das Koch-Fernsehen hat sich außerdem von einer Informations-Sendung weg entwickelt zu Infotainment, also zu einer Mischung aus Unterhaltung und Information. Ich bin ja kein klassischer Moderator, sondern würde mich eher als Gastgeber sehen.

Was ist für Alexander Herrmann eigentlich privat ein Genuss?

Das Schönste ist, ganz klar, wenn du nichts machen musst, keine Termine hast. Ich bin ein absoluter Couchpotato. Dann hab ich aber auch so Phasen, in denen ich mehr Sport mache und das Rumliegen auf der Couch danach noch schöner ist. Einen Film schauen oder Freunde treffen - das ist für mich Genuss. Und es ist für mich Genuss, nicht in der Stadt zu wohnen. Nicht nur wegen der wahnsinnigen Mieten, sondern auch wegen der dauernden Baustellen, unzähligen Ampeln und fehlenden Parkplätzen.

Öffentliche Verkehrsmittel sind ein Drama. Das geht zu den Hauptzeiten, aber fahr einmal um 23 Uhr in Berlin mit der U-Bahn, ein sicheres Gefühl stellt sich da bei mir nicht ein. Und wenn du am Sonntag frei hast und willst spazieren gehen, dann musst du dich ins Auto hocken und rausfahren - wie 7000 andere auch. Das Leben auf dem Land hat dagegen einfach eine hohe Qualität. Deshalb ist Genuss für mich Landleben.

Das heißt, Sie bleiben hier.

Freilich. Ich bin oft in München, zum Beispiel, wenn ich "The Taste" drehe. Nach drei Wochen ist mein Stadt-Soll aber erfüllt.

Sie betreiben aber ein Lokal in Nürnberg.

Nürnberg ist nicht vergleichbar mit München oder Berlin. In Nürnberg bin ich in 55 Minuten. In meinem Parkhaus ist immer was frei. Nürnberg passt.

Wie läuft denn Ihr Freibad-Kiosk?

Super (lacht). Man muss es so sehen: Am 26. Februar haben wir den zweiten Stern für unser Restaurant bekommen. Natürlich ist es was anderes, wenn ein Zwei-Sterne-Koch einen Kiosk eröffnet. Das ist auf ein Rieseninteresse gestoßen. Was mich sehr freut, ist, dass er sehr gut angenommen wird, dass es sogar Schlangen vor einem Kiosk gibt.

Ich muss mich bei der Gemeinde bedanken, die uns unterstützt hat. Zwei Dinge sind für mich dabei wichtig: Im Freibad bin ich aufgewachsen, und es hat deshalb einen emotionalen Wert für mich. Und: Es gibt in ganz Bayern ein Schwimmbad-Sterben. Es ist deshalb ein wichtiges Zeichen, zu zeigen, wir stehen zu dieser Einrichtung. Ich finde auch, dass das Bad durch den Kiosk gewonnen hat. Da kannst du hingehen und ein paar gescheite Pommes essen. Wir machen eine sensationelle Currywurst und auch unsere Soßen selber. Mehr Handwerk geht eigentlich kaum.

Es gibt sogar eine Candy-Bar, wo du wie früher für ein paar Cent deine Tüten mit Süßigkeiten selbst packen kannst. Wir haben auch drei Salate im Angebot, aber Salat geht nicht so gut. Klar: Schwimmbad ist einfach Pommes und Currywurst.

Wenn Sie Lust bekommen haben, in Alexander Herrmanns Posthotel in Wirsberg zu übernachten: Das Hotel ist eine unserer Empfehlungen für Unterkünfte in Kulmbach und Umgebung.

 

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