Kulmbach

Agentur für Arbeit gegen Fachkräfte-Mangel: Ausbildung ist zentrales Thema

Mit gezielten Maßnahmen will die Arbeitsagentur Bayreuth-Hof dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
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In der Pflege fehlen Fachkräfte. Die Arbeitsagentur will nun verstärkt auch im Ausland nach solchen Mitarbeitern suchen. Symbolbild: Daniel Bockwoldt, dpa
In der Pflege fehlen Fachkräfte. Die Arbeitsagentur will nun verstärkt auch im Ausland nach solchen Mitarbeitern suchen. Symbolbild: Daniel Bockwoldt, dpa

"Der Wirtschaft fehlen die Fachkräfte." Diese Klage ist nicht neu, und dass die Konjunktur derzeit schwächelt und so manches Unternehmen Mitarbeiter entlassen hat, hat nichts daran geändert, dass sich manches andere schwer damit tut, gut ausgebildetes Personal zu finden.

Grund genug für die Agentur für Arbeit im Bezirk Bayreuth-Hof, die Suche nach Fachkräften zu einem Schwerpunkt-Thema des Jahres 2020 zu machen. Dabei wird es nicht nur darum gehen, deutsche Arbeitnehmer durch Aus- und Weiterbildung fit zu machen für qualifizierte Arbeitsplätze. Man will vielmehr auch im Ausland Fachkräfte anwerben, um dort Stellen zu besetzen, wo der Mangel besonders groß ist.

Zum Beispiel in der Pflege. Wie Sebastian Peine, Chef der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof, und Udo Kolb, Geschäftsführer für den operativen Bereich, erläuterten, kann der Bedarf hier allein mit Kräften aus dem Inland nicht mehr gedeckt werden. Dem trägt das noch relativ neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz Rechnung, das die Akquise im Ausland erleichtern soll.

Mitarbeiter aus dem Ausland

Derzeit versuchen die Arbeitsagenturen, Fachkräfte vor allem aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, von den Philippinen und aus Mexiko nach Deutschland zu holen. "Triple Win", also "dreifachen Gewinn" verspreche dies, so Peine. In jenen Ländern gebe es einen Überhang an geeigneten Arbeitnehmern, die dort keine Stelle finden. Sie erhalten die Chance, sich weiter zu qualifizieren und tragen damit dazu bei, den Bedarf in Deutschland zu decken.

Freilich beschränkt sich das Engagement der Agentur für Arbeit nicht allein auf die Anwerbung von Fachkräften für die Pflege. Gut ausgebildete Mitarbeiter fehlen in vielen Branchen - so zum Beispiel auch im Elektro-Bereich oder in der Metallverarbeitung.

Freie Stellen nicht zu besetzen

Konkurrierten im Jahr 2007 noch mehr als 7000 Fachkräfte um nur gut 1000 geeignete Stellen, so verzeichnete man Ende des letzten Jahres 4125 Fachkräfte ohne Beschäftigung und 3550 freie Stellen. "Bei einem solchen Verhältnis ist es nicht mehr möglich, alle freien Stellen zu besetzen", betont Udo Kolb.

Bei den künftigen Aktivitäten der Agentur für Arbeit werden Aus- und Weiterbildung eine große Rolle spielen. Bislang machen Menschen ohne Berufsabschluss, die in der Arbeitswelt eigentlich in der Minderheit sind, knapp die Hälfte (45,1 Prozent) der Arbeitslosen aus.

Prävention ist wichtig

Das wird für die Agentur einer von möglichen Ansatzpunkten sein. Udo Kolb: "Wir wollen nicht warten, bis so jemand zu uns kommt, sondern präventiv tätig werden." Soll heißen: Diese Menschen sollen, auch mit Unterstützung der Arbeitgeber, dazu animiert werden, sich weiterzubilden mit dem Ziel, einen Abschluss zu machen.

"Prävention statt Reaktion" ist deshalb auch das Motto, unter dem die Agentur für Arbeit vor allem in drei Bereichen agieren wird. Zum einen will man junge Leute noch vor dem Eintritt ins Berufsleben beraten - auch Gymnasiasten, denen man mehr als bisher Alternativen zu einen Hochschulstudium aufzeigen will. Zum anderen will man, wie schon erwähnt, Arbeitgeber und Beschäftigte beraten und über Fördermaßnahmen für Aus- und Weiterbildung informieren.

Und letztlich will man auch im klassischen Bereich der Beratung und Vermittlung das Thema Aus- und Weiterbildung noch weit stärker als bisher in den Focus nehmen.

Ein Teil dieser Maßnahmen hat schon im abgelaufenen Jahr Erfolge gezeigt. Insgesamt hat die Arbeitsagentur 2019 für solche Maßnahmen im Jahr 2019 rund 10 Millionen Euro ausgegeben.

Millionen-Budget

2020 soll das Budget mindestens genauso hoch sein. Zu den Maßnahmen zählen dann auch die Integration von Flüchtlingen auf dem ersten Arbeitsmarkt, die erwähnte Anwerbung ausländischer Fachkräfte und eine lebensbegleitende Berufsberatung. "Wir wollen Arbeitslose und Beschäftigte zukunftsfähig machen."

Erfreulich wenig Menschen ohne Job

Wenn die Konjunktur schwächelt, wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt aus. Auch in Kulmbach. Dennoch: "Die Arbeitslosenzahlen bewegen sich hier auf einem erfreulich niedrigen Niveau." Das sagt Sebastian Peine, Chef der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof. Zahlen verdeutlichen das: Im Agenturbezirk beträgt die Arbeitslosenquote derzeit 3,6 Prozent. Das ist zwar mehr als im oberfränkischen (3,2) oder im bayerischen (2,8) Schnitt, aber weniger als im Bundesdurchschnitt mit einer Quote von 4,9 Prozent. Kulmbach weise mit nur 3,1 Prozent einen bemerkenswerten Wert auf. Insgesamt waren hier Ende letzten Jahres 1307 Menschen ohne Beschäftigung, deutlich weniger als vor zehn Jahren als bei einer Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent noch 2336 Menschen eine Arbeit suchten.

Potenziale ausgeschöpft

In den letzten 15 Jahren hat die Region ihren Abstand zum bayerischen Durchschnitt merklich verringert. Registrierte man 2005 im Agenturbezirk noch eine Arbeitslosenquote von 10,5 Prozent und bayernweit eine von 7,3 Prozent, liegt der Agenturbezirk heute um nur 0,8 Prozentpunkte über der Landesquote von 2,8 Prozent.

Peine zufolge gibt es trotz eines Bevölkerungsrückgangs heute deutlich mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse als 2005: "Da werden einfach Potenziale ausgeschöpft. Es arbeiten unter anderem mehr Frauen und mehr Ältere. Und mehr Ausländer."

Die übrigens sind, entgegen mancher Vorurteile, durchaus bereit, zu arbeiten. Jeder dritte Flüchtling hat nach den Berechnungen der Arbeitsagentur einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz

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