Kulmbach
Entwicklungshilfe

Afrika-Abend in Kulmbach: Wenn Hilfe eher schadet

Beim Afrika-Abend in Kulmbach wurde deutlich, dass der schwarze Kontinent Wertschöpfung statt Ausbeutung braucht.
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Der Swahili-Chor aus Bayreuth umrahmte den Afrikaabend im Martin-Luther-Haus musikalisch. Foto: Sonny Adam
Der Swahili-Chor aus Bayreuth umrahmte den Afrikaabend im Martin-Luther-Haus musikalisch. Foto: Sonny Adam
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Entwicklungshilfe ist gut gemeint, doch die Auswirkungen sind nicht immer positiv. Dies machte Ibukun Koussemou aus Benin beim Afrikaabend im Martin-Luther-Haus klar.

Im Mittelpunkt standen jedoch Forschungen von Professor Martin Doevenspeck vom Lehrstuhl für politische Geografie an der Universität Bayreuth. Er kennt den schwarze Kontinent, hat in vielen Ländern geforscht. "Ein Afrika" gebe es nicht, sagte er. Zwischen den Ländern lägen Welten. Es gebe Regionen, in denen bewaffnete Milizen die Herrschaft in Händen halten, aber auch sichere Länder, in denen deutsche Firmen investieren. So baue Volkswagen in Ruanda ein Werk. " Im Sicherheitsranking liegt Ruanda auf Platz 9, Deutschland wegen der Terroranschläge nur auf Rang 51", machte Doevenspeck klar. Eines hätten alle afrikanischen Ländern gemein: Die Demokratisierung sei verbesserungswürdig.

Angst vor mehr Migration

Afrika sei ein Kontinent, der kontinuierlich wachse. "Aktuell leben 1,2 Milliarden Menschen in Afrika, bis 2050 wird die Bevölkerungszahl auf 2,5 Milliarden anwachsen. Das wäre eine Chance, um das Bruttosozialprodukt zu steigern", so der Experte. Doch genau das Gegenteil sei der Fall, eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sei nicht zu erkennen. Zudem sei die Jugendarbeitslosigkeit ein Sicherheitsrisiko.

In den vergangenen Jahren hat sich die medizinische Versorgung laut Doevenspeck überall verbessert. Dass das Wohl Afrikas im Interesse Deutschlands und Europas liege, habe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erkannt. Es gebe bereits einen Marshallplan. Motivation sei jedoch vor allem die Angst vor stetig zunehmender Migration gewesen.

Die Industrienationen müssten ihre "Gebermentalität" beiseitelegen. "Afrika braucht echtes Interesse, mehr Ehrlichkeit, Demut. Afrika ist viel mehr als ein Problem, deshalb sollte man autokratische System auch nicht unterstützen. Auch nicht, um Migration einzudämmen", betonte der Bayreuther Professor.

Noch deutlicher wurde Ibukun Koussemou. Er wurde im Benin geboren und hat in Deutschland studiert. Jetzt sammelt "Ibu" medizinische Ausrüstung, Betten und Geld für sein Heimatland.

Kinder werden verstoßen

Die Organisation "Ifede" will Hilfe zur Selbsthilfe leisten, stattet Krankenhäuser aus und baut Schulen auf. Außerdem wird ein Waisenhaus unterstützt. In der Einrichtung leben viele Kinder, die verstoßen wurden, weil sie durch eine Steißgeburt auf die Welt kamen. Dies bringe Unglück. "Durch unser Fußballprojekt werden die jungen Mädchen nicht so schnell schwanger", erklärte der Afrikaner. Entwicklungshilfe wirke sich in der Praxis nicht immer positiv aus. So verhindere der Import von Hähnchenfleisch, dass die eigenen Bauern ihre Erzeugnisse verkaufen können, erklärte Koussemou. Manchmal sorge ausgerechnet die Entwicklungshilfe dafür, dass sich eine Region eben nicht entwickeln kann.

Den Afrikaabend veranstalteten das Bündnis für Begegnung und Bildung, das evangelische Dekanat mit Dekan Thomas Kretschmar und die Koordinierungsstelle für Bildungsangebote für Neuzugewanderte. Auch Peter Müller und Bildungskoordinatorin Souzan Nicholson waren gekommen.

Ein Höhepunkt bei der Auftritt des Swahili-Chors aus Bayreuth. Am Ende herrschte Einigkeit dass Wertschöpfung statt Ausbeutung das Ziel sein muss.



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