Neuenmarkt
Gebühren-Splitting

Abwasser: Viele Dächer, viele Fragen

Die Neuenmarkter Firmen, die große Gebäude und versiegelte Flächen haben, werden die Umsetzung des Abwasser-Beschlusses mit Argusaugen verfolgen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf rund 300 000 Quadratmetern Frei- und Lagerflächen betreibt Robert Gammisch fünf Firmen. Zwar leitet er Oberflächenwasser ins Rückhaltebecken ein, das Vorgehen der Gemeinde bei der Umsetzung der gesplitteten Abwassergebühr wird er aber genau beobachten.   Foto: Peter Müller
Auf rund 300 000 Quadratmetern Frei- und Lagerflächen betreibt Robert Gammisch fünf Firmen. Zwar leitet er Oberflächenwasser ins Rückhaltebecken ein, das Vorgehen der Gemeinde bei der Umsetzung der gesplitteten Abwassergebühr wird er aber genau beobachten. Foto: Peter Müller
+2 Bilder

Die Einführung der gesplitteten Abwassergebühr in Neuenmarkt ist beschlossene Sache. Künftig wird nicht nur nach dem Frischwasserverbrauch abgerechnet, sondern auch der Anteil des Niederschlagswassers berücksichtigt, der in die Kanalisation fließt. Das trifft vor allem Firmen, die Gebäude mit großen Dachflächen und versiegelte Grundstücke besitzen.

Wie Verwaltungsleiter Sven Schirner in der vergangenen Woche deutlich gemacht hat (siehe BR vom 14. November), wird der Beschluss des Werkausschusses unabhängig von der 12-Prozent-Regelung umgesetzt. Diese besagt, dass eine Ausnahme von dem seit 2003 per Gesetz angeordneten Gebühren-Splitting nur dann möglich ist, wenn die Kosten der Niederschlagswasserbeseitigung weniger als zwölf Prozent der Gesamtkosten der Grundstücksentwässerung in einer Gemeinde betragen.

Ein Kubikmeter Frischwasser kostet in der Gemeinde Neuenmarkt aktuell 1,35 Euro zuzüglich sieben Prozent Mehrwertsteuer. Für den Kubikmeter Abwasser, der in die gemeindliche Kanalisation eingeleitet wird, werden 2,06 Euro berechnet.

"Kein Liter ins Kanalnetz"

Robert Gammisch hat zwar noch keine offizielle Information über das Vorhaben der Gemeinde, wird den Vollzug des Beschlusses aber mit Argusaugen verfolgen. "Wir werden das genau beobachten. Wir leiten ja unser Oberflächenwasser in das Regenrückhaltebecken ein, es geht kein einziger Liter ins Kanalnetz. Wenn ich ausschließlich in den Kanal einleiten müsste, würde ich auf jeden Fall einen Teich bauen", sagt der Chef der Unternehmensgruppe, die im Gewerbegebiet Hegnabrunn-Süd mit Spedition, Logistikpark, Verwaltung, Gemmisch-Transportsystemen und Faserproduktion fünf Firmen betreibt. Die Frei- und Lagerflächen haben eine Größe von rund 300 000 Quadratmetern.

Gammisch hofft, "dass die Kirche im Dorf bleibt" und die Gebührenänderung nicht zu einer riesigen Verschiebung führt, zumal die Gemeinde Neuenmarkt schuldenfrei ist, was sie ohne die Industrie sicher nicht wäre. Er gibt außerdem zu bedenken, dass er 170 000 Euro investiert hat, um den Hochwasserschutz zu begleiten, und ist skeptisch, ob sich der riesige Aufwand der Flächenermittlung letztendlich lohnt.

"Außerdem: Was ist eine befestigte Fläche? Und wie wird diese berechnet? Es sind ja noch tausend Fragen offen", stellt der Unternehmer fest, dem momentan nichts weiter übrig bleibt als abzuwarten.

Einleitung in den Gütleinsbach

Eher gelassen sieht Matthias Förster vom gleichnamigen Autohaus an der Wirsberger Straße der kommenden Gebührenänderung entgegen. "Wir haben bereits das Trennsystem, denn unser Oberflächenwasser fließt in den Gütleinsbach." Dieser nehme auch das Niederschlagswasser auf, das von der B 303 komme. Die Durchbohrung habe die Firma auf eigene Kosten erledigen lassen.

Ob das Autohaus also am Splitting vorbeikommt? "Immerhin musste ich auch einen Herstellungsbeitrag für das Regenrückhaltebecken bei der Kläranlage zahlen. Und das, obwohl ich dort so gut wie nichts einleite", sagt Förster.

Eigene Rückhaltebecken

Wie der Chef des Autohauses hat auch Marko Möller von der Firma RK Landschaftsbau Neuenmarkt, die ebenfalls an der Wirsberger Straße angesiedelt ist, noch keine Informationen seitens der Gemeinde bekommen. "Das höre ich jetzt zum ersten Mal", sagte der Geschäftsführer, als er von der BR mit dem beabsichtigten Gebührensplitting konfrontiert wurde. Große Sorgen wegen einer zusätzlichen finanziellen Belastung hat Möller aber nicht, denn er kann auf die firmeneigenen Rückhaltebecken verweisen, in die das Oberflächenwasser von dem großen Firmengelände eingeleitet werden. "Die Becken werden ja nie voll."

Thomas Föhn, Geschäftsführer des Edeka-Marktes in der Wirsberger Straße, hat den Artikel in der BR zwar gelesen, kann zu dem Thema aber noch nichts sagen: "Sie sprechen mit einem Unwissenden."

Wie will die Gemeinde ihre Bürger und Wirtschaftsbetriebe nun informieren? Verwaltungsleiter Sven Schirner erläutert, dass es sicher eine Infoveranstaltung geben wird. Diese sei aber erst dann sinnvoll, wenn sich der Gemeinderat für ein bestimmtes Vorgehen entschieden hat. Bei der Flächenermittlung würden alle Hausbesitzer, Landwirte und Firmen dabei sein. Im Einzelfall müsse man dann natürlich schauen, durch welche Maßnahmen die gemeindliche Entwässerungsanlage entlastet wird.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren