Kulmbach
Burggeflüster

Abschied ist ein scharfes Schwert

Wenn Gewohntes schwindet, ist das traurig. Aber auch eine Chance.
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Jan Woitas/dpa
Jan Woitas/dpa

Uns erreichen häufig Leserbriefe zu diversen Themen. Aber kein Thema ließ die Zuschriften in jüngster Zeit so zahlreich in die Redaktion flattern, wie das Aus des "Frühschoppens" mit Rainer Ludwig. Auf manch einem Leserbrief konnte man beinahe schon die Tränen erkennen, die geflossen sind, als der Brief geschrieben wurde.

Ich kann das gut verstehen, wenn eine geliebte Sendung plötzlich von der Bildfläche beziehungsweise von der Radiowelle verschwindet. Vor allem eine, die jahrzehntelang Bestand hatte. War es doch sonntags für viele schon Normalität, die Klöße im Takt zu den Kastelruther Spatzen oder den Wildecker Herzbuben zu rollen. Auch hat das Marmeladenbrötchen den meisten nur zum Klang der Stimme von Stefanie Hertel und Karel Gott geschmeckt.

Eine noch größere Welle der Empörung wurde sicherlich im November 2018 ausgelöst, als bekannt gegeben wurde, dass die Lindenstraße im März 2020 das letzte Mal ausgestrahlt wird. Ein Leben ohne Mutter Beimer und die Irrungen und Wirrungen im Münchener Kiez? Unvorstellbar, aber tatsächlich möglich!

Genau wie beim "Frühschoppen" ist es wohl einfach die Macht der Gewohnheit, die vielen das Gefühl gibt, ein Teil von ihnen würde von nun ab fehlen. Nicht zuletzt ist es aber so, dass den Programmchefs, sei es von Radio Plassenburg oder der ARD, ihre Entscheidung wohl nicht spontan sonntags beim Frühstück oder abends vor der Tagesschau in den Sinn kam, sondern sicher gut durchdacht wurde und alle Pros und Contras, die vielen Hörern oft auch gar nicht bekannt sind, abgewogen wurden.

Und ist es nicht auch schön, mal neue Wege zu gehen, die man von selbst gar nicht eingeschlagen hätte?

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