Kulmbach
Entdecker-Tour (128)

Ab 1572 ging in Kulmbach der Backofen nicht mehr aus

Eine kleine Inschrift am Kulmbacher Anwesen Oberhacken 12 weist auf eine lange Bäcker-Tradition hin.
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Das Fachwerkhaus Oberhacken 12 beherbergte seit dem 16. Jahrhundert Bäckereien. Foto: Erich Olbrich
Das Fachwerkhaus Oberhacken 12 beherbergte seit dem 16. Jahrhundert Bäckereien. Foto: Erich Olbrich
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Einen vergleichbaren Firmenstammbaum, wie ihn die ehemalige Bäckerei Schnirring im Oberhacken 12 hatte, dürften in Kulmbach nur wenige Gewerbebetriebe vorweisen können. Über 400 Jahre lang wurde hier Brot gebacken.

1572 kaufte der "Bek Killian die Behausung an der Eck gelegen" - und ab diesem Zeitpunkt ging der Backofen nicht mehr aus. Wahrlich ein Traditionshandwerk, das leider immer mehr aus unserem Alltag verschwindet.

Brot ist eines der ältesten und bedeutendsten Lebensmittel der Menschheit, zu dessen Herstellung vor allem Mehl und Wasser erforderlich sind. Wasser gibt es im Oberhacken immer und reichlich aus Brunnen und aus dem durchfließenden Kohlenbach. Deswegen sind die vielen einst ansässigen Gewerbebetriebe, die Badhäuser und das Kommun-Brauhaus auch dort errichtet worden.

Besondere Haustüren

Ebenso befanden sich hier das Frauenhaus, das Judenquartier und die Henkerswohnung. Besonders gestaltete Haustüren als Eingang in ein Geschäftshaus, ein Bauernhaus oder einen Landsitz folgten Vorbildern an Häusern des Adels. Hausnummern, Wappen und Monogramme demonstrieren, dass derartige Privilegien um 1750 nicht mehr nur dem Adel zustanden.

Über dem Eingang des Hauses Oberhacken 12 befindet sich die Inschrift "1788 CFW". Ein Hinweis auf diese Inschrift finden wir im Häuserbuch von Richard Lenker. Demnach erwarb der Bäckermeister Christian Felix Weith das Gebäude 1779 für 450 Gulden von seinem Schwiegervater Johann Christian Maurer und richtete darin auch eine Bierschenke ein. Zum Ausschank kam der Gerstensaft der Brauerei Haberstumpf aus dem Kressenstein.

Diese Bierschenke kommt auch in den Beschreibungen unseres Kulmbacher Ehrenbürgers Johann Peter Apollonius Weltrich (1781-1850) vor. Weltrich war königlicher Rentamtmann in Kulmbach. Er entdeckte bei Veitlahm die nach ihm benannte Pflanzenversteinerung Weltrichia mirabilis.

Ehrenbürger Weltrich

Auch der Bau des Aussichtsturms "Schau-dich-um" auf dem Patersberg wurde von ihm veranlasst und finanziell unterstützt. Seit 1843 ist Weltrich Ehrenbürger der Stadt Kulmbach.

Nächste Woche erfahren Sie, was ihn mit dem Haus Oberhacken 12 verband.

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