Stadtsteinach

Zwei Meinungen und doch ein gemeinsames Ziel

Am Bau der Ortsumfahrung von Stadtsteinach scheiden sich die Geister. Doch im Grunde wollen Befürworter und Gegner dasselbe. Eine Analyse.
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So sieht die Planung des Straßenbauamts für die Umgehung aus. Im Bereich von Salem (links) führt sie unter der Alten Pressecker Straße hindurch. Für die Lärmschutzwand wird noch eine Alternative gesucht. Repro-BR
So sieht die Planung des Straßenbauamts für die Umgehung aus. Im Bereich von Salem (links) führt sie unter der Alten Pressecker Straße hindurch. Für die Lärmschutzwand wird noch eine Alternative gesucht. Repro-BR
Braucht Stadtsteinach eine Ortsumgehung? Diese Frage beschäftigt Stadtrat, Bürger und Regierungsbehörden schon seit vier Jahrzehnten. Richtig Schwung in die Debatte gekommen ist aber erst, seit das Projekt in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen ist. Nun besteht erstmals die Chance, dass dem Wunsch Taten folgen.

Es liegt in der Natur des Projekts, dass es sowohl leidenschaftliche Befürworter als auch vehemente Gegner gibt. Die Verkehrsprobleme müssen dringend gelöst werden, echte Alternativen sind nicht in Sicht. Andererseits ist der Straßenneubau ein gewaltiger Eingriff in die Landschaft. Ein schönes Stück Natur wird dem Straßenbau zum Opfer fallen.

Das lässt sich nicht schönreden und macht auch die Befürworter nicht glücklich.
Doch vor die Wahl gestellt, weiter mit den Problemen leben zu müssen oder sie endlich beseitigen zu können, wählen sie das für sie kleinere Übel.

Der Leidensdruck ist nämlich groß. Das wurde bei der Bürgerversammlung deutlicher als bei jeder anderen bisher öffentlich geführten Debatte. Lärm und Erschütterungen der Häuser durch den Schwerverkehr sind nur ein Teil des Problems. Es ist gefährlich, über die Hauptstraße zu gehen. Es ist sogar schon riskant, nur auf dem - ohnehin schmalen - Gehweg zu stehen, auf den Lastwagen im Begegnungsverkehr ausweichen (müssen).
Angesichts dieser Probleme sprachen sich viele Bürger am Donnerstagabend klar für die Umgehung aus und bekamen viel Beifall aus dem Publikum. Sind also fast alle Stadtsteinacher für die Umgehung?

Die jüngste Unterschriftenaktion von Pro Stadtsteinach hatte einen anderen Eindruck erweckt. Doch von den 692 Unterschriften stammen nur 200 von Stadtsteinachern. Das Ergebnis spiegelt folglich zu mehr als zwei Dritteln die Meinung auswärtiger Arbeitnehmer oder Touristen wider und nicht die der betroffenen Bürger. Das gibt der Aktion einen schalen Beigeschmack.

Nun können die Initiatoren nichts dafür, wenn sich Menschen doppelt auf Listen eintragen, und es ist legitim, auch Nicht-Stadtsteinacher zu befragen. Ehrlich und jedem Fall klug wäre es allerdings gewesen, wenn sie die Sammlung vor der Übergabe an den Bürgermeister selbst kritisch angeschaut und analysiert hätten, statt dies dem Rathaus zu überlassen. Dann hätten sie sich den Vorwurf bewusster Stimmungsmache ersparen können.

Tatsächlich wollen nämlich Gegner und Befürworter der Umgehung im Kern dasselbe: Eine schnelle Lösung der Verkehrsprobleme. Nur am Weg zum Ziel scheiden sich die Geister: Die Gegner wünschen sich eine schnelle Alternative, die sofort greift und eine Umgehung überflüssig macht, die Befürworter sehen im Straßenneubau die einzige Chance.

Tatsache ist: Selbst im günstigsten Fall wird es mindestens zehn Jahre dauern, bis die Umgehung fertig ist. Eine sehr lange Zeit. Und auch hier sind sich eigentlich alle einig: Es muss schon vorher etwas passieren, um die Situation abzumildern. Der Stadtrat wird da hartnäckig sein und die Regierungsbehörden so lange nerven müssen, bis das Ziel erreicht ist. Denn von allein passiert nichts.
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