Kulmbach
Gesundheit

Zecken-Gefahr: Gesundheitsamt rät zum Impfen

Zecken haben nun Hochsaison, sie können schwere Krankheiten übertragen. Zum Schutz vor der Hirnhautentzündung (FSME) rät das Gesundheitsamt zum regelmäßigen Impfen.
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Im Gras lauert die Gefahr: Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Foto: dpa
Im Gras lauert die Gefahr: Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Foto: dpa
Die kreisrunde Rötung in der Kniekehle bereitete Peter Martens (Name geändert) zunächst kein Kopfzerbrechen. Sie juckte leicht, mehr nicht. Vielleicht ein Mückenstich, oder er war an einer Brennnessel entlang gestreift. Der 44-Jährige joggt viel, auch über Wiesenwege und im Wald. Da kann das schon mal vorkommen. Ein wenig gekratzt, dann war's wieder gut, und der Kulmbacher vergaß die Angelegenheit.

Als sich jedoch an der Stelle zwei Tage später die Rötung merklich ausgebreitet hatte, bat er seine Frau Anja, mal genauer hinzuschauen. Inmitten der kreisrunden Verfärbung entdeckte sie einen schwarzen Punkt. Peter Martens wollte den vermeintlichen Dreck schon wegwischen, aber Anja Martens hielt ihren Mann davon ab, ging ins Haus und suchte nach einer Pinzette. Sie hatte bemerkt: Der Punkt war eine Zecke - besser gesagt: der Rest davon. Der 44-Jährige hatte beim Kratzen unbemerkt den Hinterleib des Blutsaugers abgerissen, die Kauwerkzeuge aber steckten noch in seiner Kniekehle.


Wanderröte tritt nicht immer auf

Die Diagnose des Hausarztes kurz darauf: Lyme-Borreliose, übertragen durch den Zeckenstich. Eine mehrtägige Behandlung mit Antibiotika folgte. Der rote Fleck auf der Haut, die so genannte Wanderröte an der Stichstelle, war das untrügliche Zeichen für die Infektion mit Borrelien. "Diese Hautverfärbung tritt leider eben nicht bei allen Betroffenen als deutlich erkennbarer Hinweis auf", erklärt Dieter Weiss, Leiter des Kulmbacher Gesundheitsamts.

Wer eine Borreliose zu spät oder gar nicht behandelt, dem drohen Spätfolgen. Borrelien können alle Organe befallen, können zu Lähmungen führen, weil die Nerven befallen werden können, oder schwere Gelenkerkrankungen mit heftigen Schmerzen verursachen. Im ersten Stadium können die Beschwerden noch indifferent sein: Kopf- und Gliederschmerz, Müdigkeit, Schwindel.


Symptome wie bei leichter Grippe

Derlei Symptome wie bei einer leichten Grippe - sie sind auch typisch für die zweite schwere Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird: FSME. Das Kürzel steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Es handelt sich um eine schwere Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks. Anders als bei der Borreliose, lässt sich die FSME nicht ursächlich behandeln - allerdings gibt es seit den 1980er-Jahren einen Impfstoff zur Vorbeugung. "Meine Frau und ich sind seit 30 Jahren geimpft", sagt Dieter Weiss. Er empfiehlt die regelmäßige Vorbeugung vor allem für Menschen, die sich beruflich und/oder privat viel im Freien aufhalten. "Die Impfung ist gut verträglich und bietet den nötigen Schutz."

In Kulmbach gab es in diesem Jahr noch keinen (meldepflichtigen) FSME-Fall, sagt Hygienekontrolleur Joachim Steiß. "In den vergangenen Jahren hatten wir im Schnitt etwa fünf Menschen mit der Diagnose. Allerdings beginnt die Gefahrenzeit erst dann, wenn das Gras wächst, denn dort halten sich Zecken bevorzugt auf." Der gemeine Holzbock ist aber das gesamte Jahr über aktiv.

Eine stetige Zunahme der FSME-Fälle registriert die Patientenvereinigung FSME-Netzwerk Deutschland. Deren Angaben zufolge haben sich im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik die Erkrankungen verdoppelt, in Franken sollen sich die Zahlen sogar verdreifacht haben. In den drei fränkischen Regierungsbezirken gab es demnach 83 Neuerkrankungen. Zum Vergleich: In der ganzen Bundesrepublik waren es im Jahr 2013 insgesamt 420 Erkrankungen, so jedenfalls lauten die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin.

Dort haben die Mitarbeiter im vergangenen Frühjahr ganz Mittel-, Ober- und Unterfranken als FSME-Risikogebiete eingestuft. Insgesamt sind es aktuell 145 Kreise, drei mehr als 2014, erklärt das RKI. In Oberfranken zählt jetzt auch der bislang ausgenommene Landkreis Hof dazu."Die Zahl der bundesweit registrierten FSME-Fälle schwankt je nach Witterung deutlich von Jahr zu Jahr und nimmt tendenziell eher zu. Einen eindeutigen Trend gibt es aber nicht", sagt Ole Wichmann, Leiter des RKI-Fachbereichs Impfprävention. 2014 wurden bundesweit 265 Fälle gemeldet, die meisten davon in Bayern (123) und Baden-Württemberg (69); die anderen Länder folgten mit weitem Abstand. Statistisch gesehen tragen zwei bis fünf Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich. Experten empfehlen daher für Menschen in Risikogebieten eine Impfung.


Quoten stagnieren

Aber: Gerade in diesen Gegenden seien die Impfquoten stagnierend oder sogar rückläufig und daher nach wie vor unzureichend hoch, um eine starke Zunahme der FSME-Zahlen zu verhindern, resümiert das RKI. Die Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen geht von einer Impfquote von 30 Prozent aus.
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