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Kulmbach
Gericht

Wo ist das ganze Geld aus der Tankstelle geblieben?

Recht kompliziert gestaltete sich am Freitag eine Verhandlung am Kulmbacher Amtsgericht. Ein 26-Jähriger musste sich wegen Diebstahls verantworten. Er stritt die Tat vehement ab.
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Aus der Kasse einer Kulmbacher Tankstelle sind mehrere tausend Euro verschwunden. Foto: Archiv/Matthias Beetz
Aus der Kasse einer Kulmbacher Tankstelle sind mehrere tausend Euro verschwunden. Foto: Archiv/Matthias Beetz
Äußerst verzwickt gestaltete sich gestern eine Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Kulmbach. Ein 26-Jähriger wurde beschuldigt, im Juli vergangenen Jahres aus der Kasse einer Kulmbacher Tankstelle einen vierstelligen Betrag entwendet zu haben.

Der Angeklagte, der zur Tatzeit als Aushilfskraft in der Tankstelle arbeitete, wies die Anschuldigungen zurück. Er erklärte, die Scheine und Münzen im Wert von gut 2600 Euro wie sonst auch in einen Korb gelegt zu haben, der immer neben dem Tresor stand. Er habe an besagtem Morgen wie üblich Nachtdienst gehabt und auf die Ablösung durch die Stationsleiterin gewartet, die dann Kassensturz machen wollte.


Streit um den Lohn


Als die Frau eintraf, verließ der Beschuldigte nach eigener Angabe die Tankstelle.
Auf dem Außengelände geriet er mit seiner Vorgesetzten in einen lauten Streit, da sie ihm Lohn vorenthalten hatte. Vor Gericht gab sie gestern an, dass sie ihm "einen Denkzettel verpassen" wollte. Auslöser seien Differenzen über die Arbeitsweise des Angeklagten gewesen.

Er habe bereits bei Schichtantritt mit seiner Vorgesetzten über den vorenthaltenen Lohn sprechen wollen, doch sie sei alkoholisiert und daher "nicht mehr zurechnungsfähig" gewesen, sagte er gestern. Deshalb habe er sich entschieden, das Gespräch erst am nächsten Tag zu führen.


Auch Umschläge weg


Nach dem Streit am nächsten Morgen, bei dem er auch mit Kündigung drohte, verließ der Beschuldigte die Tankstelle, da eine weitere Aushilfe als Ablösung eingetroffen war. Diese und die Stationsleiterin stellten kurz darauf fest, dass ein Kassenfehlbetrag vorhanden war und aus einer Schublade Umschläge mit abgezähltem Geld für Lieferanten fehlten.

Als die zwei Frauen auch im Tresor nicht fündig wurden, versuchten sie, Kontakt zu dem 26-Jährigen aufzunehmen. Als dies erfolglos blieb, verständigten sie den Pächter der Tankstelle und die Polizei.


Um Mitternacht beginnt ein neuer Zähltag


Bei der Befragung der Stationsleiterin kam gestern heraus, dass bereits seit längerer Zeit keine Kassenzählung bei Schichtwechsel mehr stattfindet. Statt dessen läuft die Kasse automatisch durch.

Um Mitternacht muss sich der Nachtdiensthabende mit einem Passwort abmelden, dann zählt die Kasse automatisch die Einnahmen des Tages. Danach muss der Angestellte sich wieder anmelden, da um 0 Uhr ein neuer Zähltag beginnt.

Nach Klärung der Funktionsweise der Kasse musste das Gericht noch erörtern, wie sich die Fehlbeträge zusammensetzten. In der Kasse befindet sich stets ein Päckchen mit Wechselgeld, das nach besagter Nachtschicht fehlte. Zudem wird hin und wieder eine so genannte Abschöpfung vorgenommen, wenn zu viel Geld in der Kasse ist. Laut Angaben der Stationsleiterin geschah dies in der fraglichen Nacht zwei Mal. Die insgesamt 1000 Euro seien aber nicht im Tresor gelandet. Neben diesem Geld fehlte noch einer der besagten Umschläge für die Lieferanten. Bei dieser Aufschlüsselung ergaben sich dann Ungereimtheiten sowohl in den Zeugenaussagen als auch bei der Darlegung der Buchführungs- und Personaleinstellungsmodalitäten.


Nicht erreichbar


Eine weitere Zeugin berichtete, sie habe den Streit zwischen dem Angeklagten und der Stationsleiterin auch mitbekommen. Die Frau war damals ebenfalls Aushilfe an der Tankstelle und als Schichtablösung gekommen. Sie konnte sich erinnern, dass der Beschuldigte erst nach ein paar Tagen wieder erreichbar gewesen sei.


Verhandlung wurde ausgesetzt


Während die Stationsleiterin davon sprach, dass 500 Euro Wechselgeld aus der Kasse verschwunden waren, konnte sich die Aushilfe nur an 400 Euro erinnern. Zudem erklärte sie, nie etwas von Schwierigkeiten zwischen dem Angeklagten und der Stationsleiterin mitbekommen zu haben, obwohl sie ihn regelmäßig abgelöst und sich auch die Stationsleiterin meist zur selben Zeit in der Tankstelle aufgehalten habe.

Richterin Sieglinde Tettmann bestand zur weiteren Klärung des Falles auf Einsicht in alle Dokumente der Tankstelle, vor allem in die die Finanzen betreffenden. Die Verhandlung wurde ausgesetzt, ein neuer Termin ist noch nicht bestimmt.

Völlig unklar ist weiterhin, ob und wieviel Geld tatsächlich fehlt, und vor allem, wo es geblieben ist.
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