Sanspareil
Kultur

Windräder bedrohen die Burg Zwernitz

Sabine Henze-Döhring befürchtet, dass der Bau von Windrädern rund um Sanspareil dem Denkmal schaden könnte. Die Professorin verweist auf die Bedeutung als "Weltkulturerbe-Satellit". Unterstützung gibt es von der Schlösserverwaltung.
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Sabine Henze-Döhring will nicht, dass die Aussicht vom Wachturm der Burg Zwernitz durch Windräder "ruiniert" wird. Foto: Jürgen Gärtner
Sabine Henze-Döhring will nicht, dass die Aussicht vom Wachturm der Burg Zwernitz durch Windräder "ruiniert" wird. Foto: Jürgen Gärtner
Windräder vom Wachturm der Burg Zwernitz aus beobachten? Nein, das wäre ein Unding für Sabine Henze-Döhring. Sie kämpft für eine Schutzzone von neun Kilometern rund um Burg Zwernitz. In diesem Bereich dürften keine Windräder stehen, sagt sie. So wie es für ein Weltkulturerbe vorgeschrieben ist. Und wie es für den "Weltkulturerbe-Satelliten Sanspareil" selbstverständlich auch gelten sollte.

Denkmäler erlebbar machen

Dass dem nicht so ist, treibt ihr die Sorgenfalten auf die Stirn. Seit 15 Jahren beschäftigt sich die Professorin und Studiendekanin des Fachbereichs "Germanistik und Kunstwissenschaften" an der Universität in Marburg mit der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Genauer gesagt mit der Erlebbarkeit der Denkmäler der Markgräfin.

Darunter falle auch der Felsengarten Sanspareil, die Burg Zwernitz, der Morgenländische Bau und das Felsengebiet in unmittelbarer Umgebung. "Und die Erlebbarkeit dieses Geotops würde durch den Bau der geplanten Windräder in der näheren Umgebung tatsächlich schwerwiegend beeinträchtigt", sagt sie.

Seit dem Mittelalter bedeutsam

Rückendeckung erhält sie dabei von Peter Krückmann von der Bayerischen Schlösserverwaltung. Der Museumsdirektor hat Sabine Henze-Döhring in einem Schreiben bestätigt, dass "diese seit dem Mittelalter historisch bedeutsame Situation durch die Windräder ins Niedliche relativiert werde".

Zugleich verweist Peter Krückmann auf die Restaurierung der Burg in den vergangenen Jahren und die Pläne für Morgenländischen Bau und Felsengarten. Deren Attraktivität soll in den nächsten Jahren deutlich gesteigert werden. Ziel sei es, Sanspareil zu einem gewichtigen kunst- und kulturhistorischen Zentrum zur Markgrafenzeit zu machen. Das sei eine einzigartige Chance für die Regionalentwicklung.

Für Sabine Henze-Döhring ist das Wasser auf den Mühlen. Denn diesen Pläne laufe die Errichtung der Windparks zuwider.

"Der Blick auf die Plassenburg muss frei bleiben", sagt sie und verweist darauf, dass die Verbauung der Sichtachse vom Wehrturm hin zur Plassenburg geradezu den Ruin des mit sehr viel Geld verwirklichten museumspädagogischen Lehrprojekts Burg Zwernitz darstelle. Zumal der Blick von Burg Zwernitz in die Weite der Fränkischen Schweiz durch Windräder bereits leicht beeinträchtigt sei.

Die Professorin weiß wohl, dass Sanspareil kein Weltkulturerbe ist. Aber wie die Eremitage sollte es als "Weltkulturerbe-Satellit" dennoch Schutz genießen.

Nur einseitige Veranstaltungen

Dass es seitens der Nachbar-Gemeinden Thurnau und Kasendorf nach wie vor Bestrebungen gibt, auf ihrem Hoheitsgebiet Windräder zu errichten - dafür macht sie die Bürgermeister Dietmar Hofmann (Thurnau) und Bernd Steinhäuser (Kasendorf) verantwortlich. Die hätten nur einseitige Veranstaltung pro Windkraft durchgeführt. Die Gemeindeoberhäupter hätten sich "mit den Investoren verbündet".

Die Bedenken der Professorin teilen auch Vorsitzender Hans-Peter Zahner und sein Stellvertreter Edwin Bergmann vom Verein "Pro Heimat Fränkischer Jura".

Ziel: Alle Windräder verbannen

Erklärtes Ziel der beiden Männer ist es, die Windräder komplett aus dem Umfeld der Burg zu verbannen. Ursprünglich seien rund 75 Windräder geplant gewesen, durch den Druck über Unterschriftensammlungen seien schon viele Flächen herausgenommen worden.

Kasendorfs Bürgermeister Bernd Steinhäuser hat kein Verständnis für die Kritik von Sabine Henze-Döhring wegen der geplanten Windräder auf Thurnauer und Kasen dorfer Gebiet und deren Auswirkungen auf Burg Zwernitz.

"Wenn die Windräder direkt neben der Burg gebaut würden, wäre das was anderes ..." So müsse man sich schon fragen, "wo geht's los. Sonst darf man ja im Umkreis von 50 Kilometern nichts aufstellen".

Den Vorwurf, die Bürger nicht ausreichend informiert zu haben, weißt er ebenfalls zurück. Im Juni 2011 sei das Thema Windkraft erstmals im Gemeinderat auf der Tagesordnung gestanden. Seitdem habe man sechs oder sieben Mal darüber beraten. Auch am heutigen Mittwoch ist das wieder der Fall.

Auch sein Thurnauer Kollege Dietmar Hofmann hält an der Windkraft fest. "An die Windräder wird man sich ebenso gewöhnen müssen wie an Biogas- und Photovoltaik-Anlagen", sagt er. Für ihn sei es Verpflichtung, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Bedenken, dass die Windkraftanlagen dem Tourismus schaden können, teilt er nicht und verweist auf die Nordseeinseln, die seit Jahrzehnten trotz Windrädern die Besucher lockten.

Selbst wenn man vom Turm der Burg Zwernitz die Windräder in der Ferne sehen würde, so glaubt Hofmann nicht, dass dass das Landschaftsbild zerstören würde.

Den Vorwurf, nur die Industrie zu unterstützen, weist er von sich. "Windkraft ist mir lieber als Atomkraft. Und auch Frau Henze-Döhring braucht Strom", sagt er mit Blick auf die Kritikerin.
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