Trebgast
Gemeinderat

Windpark - Fluch oder Segen?

Die Münchner Firma Green City Enercy will auch den Trebgaster Gemeinderat für die geplante Anlage Himmelkron/Lanzendorf gewinnen. Doch im Gremium ist die Skepsis groß.
Artikel drucken Artikel einbetten
Vier Räder sind für den Windpark Himmelkron/Lanzendorf geplant. Der Trebgaster Gemeinderat ist skeptisch. Foto: Symboldbild/dpa
Vier Räder sind für den Windpark Himmelkron/Lanzendorf geplant. Der Trebgaster Gemeinderat ist skeptisch. Foto: Symboldbild/dpa
Nach Himmelkron war jetzt das Trebgaster Rathaus Ziel der Münchner Firma Green City Enercy AG, deren Vertreterin dem Gemeinderat die Vorteile des geplanten Windparks Himmelkron/Lanzendorf nahe bringen wollte. "Am Anfang steht die Information." Dieses Ansinnen von Mariella Schubert vom Bayreuther Regionalbüro ist prinzipiell zu begrüßen. Mit ihrer Vorstellung, Bürger und Kommunen als Investoren und Betreiber mit ins Boot zu nehmen, um damit die Gewinne und eventuell auch Gewerbesteuereinnahmen in der Region zu generieren, versuchte sie, das Gremium für dieses Projekt zu begeistern. Auch die Möglichkeit, den vor Ort erzeugten Strom auch vor Ort zu verbrauchen, müsse in die Überlegungen einfließen. Ab 2017 könne das der Betreiber entscheiden.

Beabsichtigt ist der Bau von vier Windkraftanlagen von 200 Meter Höhe am Lanzendorfer Berg, genau an der Grenze zu Trebgast. Die Standorte sind etwas mehr als 800 Meter von Michelsreuth und Oberlaitsch entfernt. Der Abstand zum Neubaugebiet in Himmelkron beträgt 1800 Meter.

Den Räten war deutliche Skepsis anzumerken. Herwig Neumann (CSU/NWG) befürchtete eine "Salami-Taktik": "Erst sind es vier, dann sechs, dann acht Anlagen. Diese leidvollen Erfahrungen mussten bereits Bürger in anderen Orten machen", gab er zu bedenken. Die Fläche gebe nicht mehr als vier Anlagen her, hielt Mariella Schubert dem entgegen.

Gesamtkosten: 20 Millionen Euro

Werner Köstner (SPD-WG) interessierten die Kosten und wer letztendlich "den Ton angibt". "Die Gesamtkosten betragen 20 Millionen Euro. Wir streben ein Eigenkapital von 30 Prozent an, das durch die Bürger vor Ort, Kommunen oder Stadtwerke gezeichnet wird, damit eine größtmögliche Wertschöpfung in der Region verbleibt", versuchte Mariella Schubert die Angst vor einem Großinvestor zu nehmen.

Mark Ständner (CSU/NWG) sieht die großen (Strom-)Verbraucher in den Himmelkroner Gewerbegebieten. "Bevor hier ein Privatmann fünf- oder zehntausend Euro investieren kann, ist der Kuchen längst verteilt." Sein Widerstand sei grundsätzlicher Natur: "Ich sehe nicht ein, unsere schöne Landschaft zuzupflastern. Das passt auch gar nicht in das Image des Markgrafen- und Bischofslandes."

Nach dem Harsdorfer Gemeinderat sollen in mehreren Veranstaltungen die Bürger informiert werden. Probleme, die die Durchführung des Projekts erschweren, gibt es genug. Da ist zunächst die 10H-Regelung, die am 21. November 2014 in Bayern in Kraft getreten ist. Danach dürfen Anlagen nicht näher an einer Wohnbebauung errichtet werden, als zehn Mal die Gesamthöhe der Anlage ausmacht. Ein weiteres Manko ist die Tatsache, dass nach diesem Gesetz nur noch 0,01 Prozent der bayerischen Landesfläche für eine Bebauung übrig geblieben sind und davon die Hälfte für die Windkraftnutzung gar nicht geeignet ist. Vorher waren es noch etwa 1,5 Prozent. "Die Energiewende, wie sie sich die bayerische Staatsregierung noch vor vier, fünf Jahren auf die Fahnen geschrieben hat, ist so nicht mehr möglich", ist Mariella Schubert überzeugt.

Keine Vorrangfläche

Und dann wäre da noch der Regionalplan Oberfranken-Ost, der seit Oktober 2014 rechtsgültig ist. Er listet die Vorrangflächen für Windenergie auf. Der Lanzendorfer Berg ist darin nicht enthalten.

Eine Unterschreitung des Mindestabstands ist nur möglich, wenn die Bürger und Gemeinden vor Ort mit dem Bau einverstanden sind und die Gemeinde bereit ist, einen Bebauungsplan zu erstellen. Eine der Voraussetzungen dafür, die Flächensicherung, ist seit Herbst 2014 immerhin abgeschlossen. Das heißt, die Grundstückseigentümer haben bereits ihre Zustimmung signalisiert.

Bürgermeister Werner Diersch (SPD-WG) zum weiteren Prozedere: "Wir sind erst wieder am Zug, wenn die Gemeinde Himmelkron einen Bebauungsplan erstellt und wir dazu Stellung nehmen müssen.
Das Thema wühlt auf. Die Reaktionen sind noch nicht abzuschätzen. Einige Michelsreuther Bürger haben die Gelegenheit genutzt, sich aus erster Hand zu informieren. Man konnte allerdings den Eindruck gewinnen, dass sie das Rathaus mit eher skeptischen Mienen verließen. Mariella Schubert wird noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren