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Landwirtschaft

Wie geht es weiter mit dem Hof?

Auch Bauern müssen mit der Zeit gehen und ihren Betrieb attraktiv halten. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass ein Kind Hofnachfolger wird. Gerhard Reif und Werner Reichel haben unterschiedliche Erfahrungen.
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Gerhad Reif aus Gößmannsreuth ist stolz auf seinen Sohn Maximilian, der den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern übernehmen wird. Foto: Adriane Lochner
Gerhad Reif aus Gößmannsreuth ist stolz auf seinen Sohn Maximilian, der den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern übernehmen wird. Foto: Adriane Lochner
Für Maximilian Reif (22) aus Gößmannsreuth ist Landwirt ein Traumberuf. "Schon als Kind hat es mir Spaß gemacht, mit Tieren zu arbeiten. Der Alltag ist abwechslungsreich, und ich bin viel an der frischen Luft", schwärmt er. Dass man wenig Freizeit hat, stört ihn dabei nicht, denn er hat sein Hobby zum Beruf gemacht.
An die dreijährige Ausbildung zum Landwirt hat er noch die Meisterprüfung gehängt. Die schloss er im Frühjahr erfolgreich ab und ist seither gleichberechtigter Geschäftsführer des Familienbetriebs.

Mitgearbeitet hat er schon sein ganzes Leben, seit 2008 mit vollem Einsatz. Maximilian kümmert sich um die Schweinezucht, während sein Vater Gerhard (49) hauptsächlich die Felder bestellt, auch für andere Landwirte, als Agrardienstleister. Gerhard Reif: "Als ich so alt war wie Max, hatten wir zehn Kühe und 20 Hektar Ackerland.
Seitdem haben wir uns spezialisiert, neue Ställe gebaut und Maschinen angeschafft." Jetzt habe der Betrieb etwa 130 Hektar Futteranbaufläche und 180 Zuchtsauen, die im Jahr knapp 5000 Ferkel bekommen.

Wenn Gerhard Reif nicht mehr kann, wird alles an seinen Sohn übergehen. Er sagt: "Max soll sich erst mal einarbeiten, dann ist vielleicht irgendwann an eine Erweiterung zu denken. Man muss ja den Anschluss halten und gesund wachsen."

Vater Gerhard steht der Stolz ins Gesicht geschrieben. Der Sohn mache zwar vieles anders, sei damit aber sehr erfolgreich. Vor allem Maximilians PC-Kenntnisse seien hilfreich für die Schreibarbeiten. Er habe auch sein Smartphone immer dabei. "So eine Wetter-App ist schon etwas Nützliches", gibt der Vater zu.
Gezweifelt hat Gerhard Reif an der Hofnachfolge nie. Dass bei Kindern Interesse am eigenen Hof besteht, ist nicht selbstverständlich. Das weiß Reif, der als stellvertretender BBV-Kreisobmann viele Berufskollegen kennt, bei denen die Situation unklar ist. "Wenn einer seinen Hof aufgibt, weil keine Nachfolger da sind, dann ist das ein schleichender Prozess. Die Eltern verpachten den Betrieb an die Kinder, arbeiten aber selbst weiter. Die Kinder machen hauptberuflich etwas anderes, und wenn der Vater nicht mehr kann, dann wird der Hof anderweitig verpachtet."


Antragsteller werden weniger

Klaus Schiffer-Weigand ist Sachgebietsleiter für Beratung am Landwirtschaftsamt in Kulmbach. Er weiß: "Jährlich stellen etwa zwei Prozent weniger Betriebe Antrag auf Betriebsprämien, bei den Milchquoten sind es etwa genauso viele. Man kann davon ausgehen, dass diese Betriebe den Ackerbau beziehungsweise die Milchviehhaltung aufgegeben haben." Laut Schiffer-Weigand haben die Jungen entweder die Möglichkeit, zu investieren, oder betreiben nur noch Ackerbau.

Aber welche Möglichkeiten haben Landwirte, wenn es keinen Hofnachfolger gibt? Diese Frage musste sich auch Werner Reichel (63) aus dem Marktschorgaster Ortsteil Rohrersreuth stellen. Sein Betrieb hat 90 Hektar Fläche mit Getreide- und Rapsanbau, 90 Mastschweinen, 100 Rindern und 60 Milchkühen. Keines der drei Kinder hatte Interesse daran: "Es wäre traurig, wenn der Hof irgendwann leer stünde. Immerhin ist er seit 1870 im Familienbesitz", so Reichel, der deshalb im Landwirtschaftlichen Wochenblatt eine Chiffre-Anzeige aufgegeben hat: "Vollerwerbsbetrieb sucht Hofnachfolger".

Mehr als 20 Bewerber haben sich gemeldet. Einer davon war Florian Graf aus Bruckberg bei Ansbach. Das Ehepaar Graf war den Reichels sofort sympathisch, umgekehrt ebenso. Im Winter 2012 kam Graf für ein paar Tage zum Probearbeiten, im Frühjahr zog er mit seiner Frau nach Rohrersreuth.

Der 31-Jährige hat nicht nur eine Ausbildung zum Landwirt absolviert, sondern auch Agrarwissenschaften studiert. In Bruckberg war er stellvertretender Geschäftsführer des Maschinenrings, ein Job mit guten Karrierechancen. Graf erklärt seine Entscheidung: "Den Beruf habe ich nicht gelernt, weil ich im Büro sitzen wollte. Ich kann zwar gut mit Zahlen umgehen, trotzdem will ich jeden Tag sehen, was ich gemacht habe."
An der Landwirtschaft, so Graf, der in Nürnberg aufgewachsen ist und als Kind seine Ferien bei der bäuerlichen Verwandtschaft auf dem Land verbracht hat, interessiere ihn "das ganze Drumherum" und die Vielfältigkeit der Aufgaben. "Man ist alles: Manager, Mechaniker, Handwerker. Mein Steckenpferd ist die Arbeit mit den Tieren." Von einem eigenen Betrieb habe er immer geträumt.

Freilich sei es ein großer Schritt gewesen, das gewohnte Umfeld aufzugeben und mehr als 200 Kilometer weit weg zu ziehen. Anschluss gefunden haben die beiden trotzdem schnell.

Auch die Zusammenarbeit harmonierte von Anfang an. Graf hat im Kuhstall freie Hand, während sich Werner Reichel hauptsächlich um den Acker kümmert. "Wir denken beide öfters: Das würde ich anders machen. Aber wir verfolgen ja das gleiche Ziel. Ich rede ihm wenig rein, lasse ihn Fehler machen", sagt Reichel. Mit seinen Kindern gehe er ja genauso um.

Ihm zufolge steht jeder Landwirt irgendwann vor der Frage "Wie geht es mit meinem Hof weiter?", unabhängig davon, wie groß der Betrieb ist. Es sei wichtig, sich rechtzeitig darüber Gedanken zu machen und zu investieren, sagt Reichel.
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