Stadtsteinach
Naturschutz

Wer hat die Goldfische in der Steinach ausgesetzt?

Dieser Fisch gehört da definitiv nicht hin: Spaziergänger haben in der Unteren Steinach an einer seichten Stelle einen Schwarm Zierfische gesichtet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Spaziergänger staunten nicht schlecht, als sie am Montagnachmittag goldig-schimmernde Fische in der Unteren Steinach entdeckten. Die Vermutung: Jemand hat "überschüssige" Goldfische ausgesetzt. Fotos: privat
Spaziergänger staunten nicht schlecht, als sie am Montagnachmittag goldig-schimmernde Fische in der Unteren Steinach entdeckten. Die Vermutung: Jemand hat "überschüssige" Goldfische ausgesetzt. Fotos: privat
Die Gruppe Spaziergänger, die sich am Montag an der Fischtreppe hinterm Stadtsteinacher Sportplatz aufhielt, staunte nicht schlecht: In einem Abschnitt der Unteren Steinach, wo das Wasser mehr steht als fließt, schlängelten sich kurz unter der Wasseroberfläche tatsächlich Goldfische - annähernd 50 Stück. Die aufmerksamen Besucher fotografierten ihre Sichtung und informierten umgehend die Verwaltung.

Thomas Speierl, Bezirksfischereifachberater für Oberfranken, spricht von einem "Phänomen, das immer mal wieder auftritt". Der Bezirk betreibt selber Teiche bei den Lehranstalten für Fischerei. "Dort tauchen auch einige dieser Aquarienflüchtlinge und Migranten aus heimischen Teichen auf", sagt der Experte.
Goldfische gehören zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae), die wiederum mit annähernd 3000 Arten die größte Familie der Knochenfische bilden. Insofern legt auch der Goldfisch die für Karpfen typischen Verhaltensweisen an den Tag, sagt Speierl. "Er wird versuchen, sich im Schlick einzugraben, wenn die Wassertemperatur im Herbst zu sinken beginnt."

Wenn er es bis dahin überhaupt schafft, gibt der Fachmann zu bedenken. Die Steinach als Fließgewässer entspreche so gar nicht dem typischen Lebensraum. "Die Fische werden wohl abwandern. Oder die Natur regelt das auf ihre Art." Nichtsdestotrotz ist gezieltes Aussetzen einer solchen Spezies gesetzlich untersagt. Das regelt das bayerische Fischereigesetz in Paragraf 11.


Kaum ein Kraut gewachsen

Bei Teichwirten sind solche sogenannten Neozoen, also eingeschleppte Tierarten, gar nicht gerne gesehen. Aber auch Naturschützern ist das Ausbringen ein Dorn im Auge. Der Goldfisch, der ursprünglich aus China stammt, zeichne sich vor allem durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus und vermehre sich unter halbwegs günstigen Bedingungen rasant, zumal er kaum natürliche Feinde habe. Derlei Schwärme vertilgen Mengen an Nahrung und fressen vor allem auch die Brut heimischer Fische. Diese Eigenschaften haben ihm daher sogar den Titel "Wildschwein des Wassers" eingetragen.

Wie aber kommt diese Spezies überhaupt ins Freie? Besonders in den Wochen vor dem Einsetzen des ersten Frostes würden die Tiere oftmals aus kleineren Gartenteichen in größere Weiher und Tümpel umgesetzt, da diese aufgrund der Wassertiefe nicht so schnell zufrieren. Naturschützer aber warnen vor dieser falsch verstandenen Tierliebe, die stark zu Lasten der natürlichen Fauna der Gewässer gehen könne.

Aus den Weihern entfernen lassen sich Goldfischschwärme nur sehr schwer. Das Fangen mit dem Käscher sei ein fast aussichtsloses Unterfangen, heißt es von Seiten der Teichwirtschaft. Wenig Erfolg erziele man auch durch das Aussetzen von Raubfischen. So bleibt nur, auf einen strengen Winter zu setzen und darauf, dass in Tümpeln und kleineren Gewässern das Wasser bis auf den Grund durchfriert. Die Goldfische, die sich in den Bodenschlamm eingraben, um dort zu überwintern, gehen dann ein.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren