Kulmbach
Austausch

Wenn's Kulmbacher Schüler in die Ferne zieht

Zwei Kulmbacher Gymnasiasten sind auf den Sprung mit einem Stipendium für ein Jahr Chicago. Jennifer Zahl und Anja Ruckriegel waren schon weg.
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Jennifer Zahl hat viele Gelegenheiten genutzt, um Land und Leute kennenzulernen. Sie hat hunderte Fotos als Erinnerung mitgebracht (oben).
Jennifer Zahl hat viele Gelegenheiten genutzt, um Land und Leute kennenzulernen. Sie hat hunderte Fotos als Erinnerung mitgebracht (oben).
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Momentan steckt Jennifer Zahl (19) mitten im Abitur. Und eins ist klar: Vor der Englischprüfung braucht sie keine Bange haben. Denn sie steht mündlich zwischen eins und zwei, schriftlich zwischen zwei und drei. Das kommt nicht von ungefähr. Denn Jennifer Zahl war nach der zehnten Klasse ein Jahr in Chicago.

"Bei uns gab es ungefähr 20, die Interesse gehabt hätten. Ich kam dann zum Gespräch und hatte von Anfang an ein gutes Gefühl", berichtet Jennifer Zahl. "Heimweh hatte ich nicht, ich hatte einfach keine Zeit dafür. Am Anfang war alles so neu, manchmal hatte ich nicht einmal Zeit, um meine Familie zu Hause zu kontaktieren", sagt die 19-Jährige.

Natürlich gab es auch Momente, in denen man an Zuhause denkt: Weihnachten zum Beispiel. "Aber wir sind dann Weihnachten nach Panama geflogen, da war wieder alles neu. Und meine Gastmutter hat mich immer abgelenkt. Das Jahr in Chicago ging viel schneller rum als ich gedacht hätte", erinnert sich Jennifer Zahl.

Gute Erinnerungen hat die Kulmbacherin auch an die Schule. "Die Schule ist viel größer, die Schüler haben viel länger Unterricht. Aber es gibt jeden Tag den gleichen Stundenplan. Und was mir noch aufgefallen ist: In den USA hat man ein ganz anderes Verhältnis zu den Lehrern, viel freundschaftlicher."

Auch die 18-jährige Anja Ruckriegel aus Berndorf kann einen Auslandsaufenthalt ebenfalls nur empfehlen. Sie war im letzten Schuljahr über die Hetz-Stiftung in Chicago. "Ich würde das sofort wieder machen. Das bringt wirklich was - und ich bin sehr begeistert vom Schulsystem in den USA. Man hat so viele Zusatzangebote und man kann sich den Stundenplan sehr individuell zusammenstellen", schwärmt auch Ruckriegel.

Gut findet die Berndorferin, dass in den USA kein Unterschied zwischen Mittelschule, Realschule, Gymnasium und Förderschule gemacht wird: "Das ist alles zusammen und man geht irgendwie respektvoller miteinander um."


Denken auf Englisch

Schon nach drei Tagen hatte sich Anja Ruckriegel an Englisch als Umgangssprache gewöhnt. "Ich habe dann auch in Englisch gedacht - auch jetzt suche ich manchmal noch nach deutschen Wörtern", sagt die 18-Jährige.
Fabian Hahn (15) vom Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium ist derzeit auf den Sprung über den großen Teich. "Ich habe mich bei der Hetz-Stiftung mit einem Letter of Motivation beworben, weil ich gern andere Leute kennenlernen möchte und weil mich die Sprachen interessieren."

Fabian Hahn besucht am Gymnasium den sprachlichen Zweig, kann Englisch, Latein und Spanisch. Angst, dass er Heimweh bekommen könnte, hat er nicht. Außerdem ist Fabian Hahn nicht der einzige MGF-Schüler, der sich auf große Reise macht. Thomas Henning (15) ist ebenfalls in der zehnten Klasse. Er hat sich für ein parlamentarisches Austauschprogramm qualifiziert - Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner ist seine Patin.

"Aber ich weiß noch nicht, wohin ich geschickt werde - das könnte überall in den USA sein, von Alaska bis Hawaii ist alles möglich. Es kommt darauf an, wo eine Gastfamilie gefunden wird. Aber ich finde mich schon zurecht", sagt Thomas Henning und lässt sich überraschen.


Pädagogisch empfehlenswert

"Auf jeden Fall ist solch ein Aufenthalt eine enorme Perspektivenerweiterung", sagt der Schulleiter des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums, Horst Pfadenhauer. "Ich habe es schon oft erlebt, dass sich die Schüler freischwimmen, dass bei vielen, die solch ein Stipendium bekommen, der Knoten platzt", kann Pfadenhauer den Austausch nur unterstützen. Die Schüler gehen am Ende der zehnten Klasse, absolvieren in den USA ein Schuljahr und kommen dann wieder in die elfte Klasse im deutschen Schulsystem.



Bu
1 Den Ausflug in die Welt der Simpsons wird Jennifer Zahl nie vergessen: Jennifer Zahl ist jetzt in der zwölften Klasse des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums

2 Jennifer hat das Jahr im Ausland nie bereut - und ihrer Englischnote hat der Aufenthalt auch gut getan.

3 Jennifer Zahl hat viele Gelegenheiten genutzt, um Land und Leute kennenzulernen. Sie hat Hunderte von Fotos als Erinnerung mitgebracht

4 Thomas Henning (15) und Fabian Hahn (15) sind aktuell gerade auf den Sprung in die große weite Welt: Thomas Henning hat sich über das parlamentarische Partnerschaftsprogramm für ein Stipendium qualifiziert, weiß aber noch nicht, wohin er geschickt wird. Fabian Hahn hat ein Hetz-Stipendium und wird nach Chicago gehen

5 Jennifer Zahl (19): "Am Anfang war alles so neu, dass ich überhaupt keine Zeit für Heimweh hatte. Manchmal hatte ich nicht mal Zeit, um meine Familie zu kontaktieren."

6 Anja Ruckriegel (18) war im letzten Jahr in Chicago: "Ich finde das Schulsystem in den USA viel besser. Da sind alle an derselben Schule, Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten und auch Förderschüler. Man hilft sich und geht irgendwie respektvoller um."
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