Kulmbach
Trendwende

Weniger Müll im Landkreis Kulmbach

Der Landkreis musste im vergangenen Jahr 100 Tonnen weniger Hausmüll entsorgen als im Vorjahr. Doch noch immer finden sich darin viele recyclingfähige Wertstoffe. Die Bürger sollen deshalb motiviert werden, noch sorgfältiger zu sortieren.
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Der Hausmüll stellt die größte Fraktion bei der Müllbeseitigung. Zweimal im Monat werden die schwarzen Tonnen geleert, im Wechsel mit Papiertonne und gelbem Sack. Foto: Dagmar Besand
Der Hausmüll stellt die größte Fraktion bei der Müllbeseitigung. Zweimal im Monat werden die schwarzen Tonnen geleert, im Wechsel mit Papiertonne und gelbem Sack. Foto: Dagmar Besand
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Der positive Trend ist da: Nachdem in den vergangenen Jahren die Müllmengen im Landkreis leicht gestiegen sind, ist 2015 wieder eine Reduzierung spürbar. Dies ging aus der Bilanz hervor, die Günter Söllner, Sachgebietsleiter Abfallentsorgung am Landratsamt, am Donnerstag bei der Sitzung des Umweltausschusses vorlegte. "Weniger Müll, das bedeutet letztlich auch: geringere Kosten", sagte Landrat Klaus Peter Söllner. "Wir hoffen, dass sich das in Zukunft fortsetzt, denn im bayernweiten Vergleich sind unsere Abfallmengen noch relativ hoch."


Nur bedingt vergleichbar


Die Restmüllmenge (Haus-, Sperr- und Gewerbemüll) betrug im Landkreis insgesamt 15 434 Tonnen. Pro Einwohner und Jahr sind das 213 Kilogramm Restmüll, drei Kilogramm weniger als im Vorjahr. Der bayerische Durchschnitt lag im Jahr 2014 (für 2015 liegen die Zahlen noch nicht vor) bei nur 177 Kilogramm pro Einwohner. Allerdings sind nicht überall die Kommunen für die Entsorgung des Gewerbemülls zuständig, sodass die Zahlen nur bedingt vergleichbar sind.


Im Hausmüllbereich fielen 100 Tonnen weniger an als im Vorjahr, pro Einwohner entspricht das einem Minus von 1,13 Kilogramm. Hier gibt es noch viel Spielraum nach oben, machte Günter Söllner deutlich. Analysen hätten ergeben, dass vieles in die Tonne wandert, das dort nicht hineingehört. "Für die Entsorgung der Materialien, die eigentlich in den gelben Sack gehören, bezahlt der Bürger doppelt, wenn er sie in die Restmülltonne wirft - beim Einkauf und über die Müllgebühren."


Quiz als Ansporn


Die brennbare Sperrmüllfraktion ist um 195,7 Tonnen gesunken. Die Mengen bei Biomüll und Altpapier sind ebenfalls leicht rückläufig, ein Plus gibt's beim Gewerbemüll (siehe Grafik).

Um einen Anreiz dafür zu schaffen, dass die Bürger sich wieder intensiver mit der Mülltrennung beschäftigen, wurde mit dem aktuellen Abfuhrkalender ein Quiz verteilt. "Wir wollen das einfach noch mehr in die Köpfe der Leute bekommen", so Fachbereichsleiter Detlef Zenk.

Dieses Bemühen lobte Martin Weiß (CSU): "Es ist wichtig, das Verhalten der Bürger positiv zu beeinflussen. Wir dürfen da nicht nachlassen." Das sieht auch Dagmar Keis-Lechner (Bündnis 90/Die Grünen) so: "Möglichst viele Wertstoffe zu sammeln ist wichtig, denn ohne Recycling sind wir bald am Ende unserer Rohstoffe."


Vermarktung wird schwieriger


Einfluss auf die künftige Entwicklung der Abfallwirtschaft und der Müllgebühren im Landkreis werden zwei neue Gesetze haben, über die im Umweltausschuss gestern diskutiert wurde. Eines davon ist das neue Elektrogesetz, das Folgen für die Verwertung des Elektroschrotts haben wird. Gemäß der geteilten Produktverantwortung ist der Landkreis für die Sammlung zuständig, der Hersteller für die Verwertung.

Grundsätzlich hat der Landkreis die Möglichkeit zur Eigenvermarktung, von der er seit 2013 Gebrauch macht. Die Erlöse daraus tragen zu den günstigen Müllgebühren im Landkreis bei, so Detlef Zenk. Neue Rücknahmepflichten für den Handel und geänderte Regeln für die Eigenvermarktung werden es für den Landkreis künftig schwieriger machen, den Elektroschrott selbst zu Geld zu machen.


Resolution gegen Wertstoffgesetz


Ein noch größeres Problem könnte das geplante Wertstoffgesetz werden, das die Verpackungsverordnung ablösen sowie die Rücknahme und Verwertung von Verpackungen und sonstigen bei privaten Verbrauchern anfallenden Erzeugnissen aus Kunststoffen oder Metallen (sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen) regeln soll. Der Arbeitsentwurf für das Gesetz schränkt die Möglichkeiten und Rechte der Kommunen drastisch ein und würde ihnen den Zugriff auf die lukrativen Bestandteile des Abfalls entziehen, die stattdessen von privaten Unternehmen verwertet werden könnten.

Der Umweltausschuss stimmte einstimmig einer Resolution zu, mit der der Landkreis den Gesetzentwurf ablehnt, weil dieser das derzeitige kommunale Abfallwirtschaftssystem massiv schwächen würde.
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