Kulmbach
Einzelhandel

Weihnachten: An drei Tagen bleiben die Läden dicht

Wenn an Heiligabend nachmittags die Läden schließen, machen sie erst am Montagmorgen wieder auf. Diese besondere kalendarische Konstellation stellt sich heuer dem Einzelhandel. Wie richten sich Kulmbachs Metzger, Bäcker und Supermärkte auf mögliche Hamsterkäufe ein?
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Michael Seidl, Inhaber des E-Centers, muss vor allem bei Frischeartikeln klug kalkulieren. Fotos: Jochen Nützel
Michael Seidl, Inhaber des E-Centers, muss vor allem bei Frischeartikeln klug kalkulieren. Fotos: Jochen Nützel
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Diese kalendarische Konstellation gibt es so, rein rechnerisch jedenfalls, nur etwa alle sieben Jahre. An Weihnachten 2015 steht ein besonders langes Festtagswochenende bevor: Auf den zweiten Weihnachtstag folgt unmittelbar ein Sonntag. Das bedeutet: Die Geschäfte haben an drei aufeinander folgenden Tagen geschlossen.

"Das ist weniger für uns eine Herausforderung als wohl vielmehr für unsere Kunden", sagt Martin Kotschenreuther. Der Geschäftsleiter des Real-Marktes in Kulmbach weiß um die besondere Herausforderung, die das (Vor-)Weihnachtsgeschäft mit sich bringt. "Für uns bedeutet das eigentlich die normale Vorratshaltung wie immer kurz vor Weihnachten, wir können ja unsere Lagerkapazitäten nicht x-beliebig ausweiten, nur weil an drei Tagen in Folge geschlossen ist. Allerdings kommen die Lieferanten häufiger, damit wir so lange wie möglich das volle Sortiment anbieten zu können."

An Heiligabend ist der Markt bis 14 Uhr geöffnet - und so lange sind auch alle Mitarbeiter da. "Es sind alle zehn Kassen besetzt, um die Kunden nicht unnötig lange warten lassen zu müssen." Für Geschäftsleiter Kotschenreuther bleibt dann - so hofft er - noch Zeit, den Angestellten persönlich ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen. "Und wenn wir alle wieder kommen nach den Festtagen, beginnt schon die nächste heiße Phase: der Feuerwerksverkauf."


Eine Stunde früher geöffnet

Michael Seidl, Inhaber des gleichnamigen Edeka-Centers, reagiert auf den erwarteten Ansturm an Heiligabend mit einer Besonderheit: "Wir öffnen da eine Stunde früher, also bereits um 6 Uhr. Mancheiner nutzt das, denn zu dieser frühen Stunde hält sich erwartungsgemäß der Andrang noch in Grenzen." Auch bei Seidl sind alle seine 45 Mitarbeiter an Bord.

Bei der Disposition der Artikel gilt zu berücksichtigen, dass er letztmalig am 22. Dezember geliefert bekommt. Bei Frischeartikel hingegen kann er noch bis Mittwochnachmittag reagieren und nachbestellen für den Fall, dass bestimmte Warengruppen womöglich knapp werden. "Bei schnell verderblichem Obst und Gemüse wie etwa Salat besteht die Kunst darin, so vorausschauend wie möglich zu ordern, damit möglichst wenig übrig bleibt. Denn das können wir am Montag nach den Feiertagen nicht mehr verkaufen."

Ob die Kunden wegen der besonderen Konstellation mehr horten als sonst? Michael Seidl geht von seinem eigenen Kaufverhalten aus und sagt lachend: "Ich nehme es mir jedesmal vor, mich rechtzeitig einzudecken - immerhin habe ich die Sachen ja täglich vor Augen. Aber irgendwie besorge ich manches dann doch wieder auf den letzten Drücker."

Der Supermarkt-Inhaber weiß, dass sich die Einkaufssituation entzerrt, weil gewisse Waren wie die Weihnachtsgans und das Blaukraut, die sich kühl lagern lassen, auch schon jetzt im Einkaufskorb landen. "Vieles ist mittlerweile derart sicher abgepackt und haltbar gemacht, dass es sich sehr gut zu Hause bevorraten lässt."


Letzte Schlachtung am Montag

Florian Kleinheinz, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei, plant heuer zu Weihnachten nicht anders als in den Jahren davor. "Die ersten Kunden stehen bei uns morgens um 5 Uhr und wollen bestellte Waren abholen, deswegen fangen wir bereits am Abend vorher um 21 Uhr an mit der Produktion für den 24. Dezember." Letztmals geschlachtet vor dem Fest werde am Montag. "Das gibt uns der Schlachthof so vor." Verkauft wird an Heiligabend bis 13 Uhr. "Ich denke, die drei Tage sollten sich dann überbrücken lassen mit dem, was jeder zu Hause hat."


Bäckerei macht Sonntag auf

Eine etwas andere Ausgangsposition ergibt sich für Gaby Kreuzer, Chefin bei "Kreuzer's Backhäusla": "Wir haben am Sonntag nach Weihnachten ohnehin unsere Läden und Cafés geöffnet." An Heiligabend erwartet sie wie in jedem Jahr einen großen Ansturm. "Fleisch kann ich notfalls einfrieren - aber bei Brot und Brötchen greifen die Kunden natürlich zur frischen Ware." Die beiden Weihnachtsfeiertage sind neben Neujahr, Dreikönig und Karfreitag ohnehin die einzigen Tage, an denen die Bäckerei geschlossen hat. "Das sind 5 von 365 Tagen - an allen anderen sind wir wie gewohnt für unsere Kunden da. Und die wenigen arbeitsfreien Tage sollte man den Angestellten gönnen."


Verkaufsoffen als Lösung?

Offenbar sehen das nicht alle Geschäftsführer und -inhaber in Deutschland so. In Kassel beispielsweise regte die diesjährige Termin-Konstellation die Fantasie des Einzelhandels an. Die Idee: Warum nicht den 27. Dezember zum verkaufsoffenen Sonntag machen? Daraus ist jedoch nichts geworden, teilte die dortige Gemeinschaft der City-Kaufleute mit. Man habe sich nicht den Unmut der Belegschaften zuziehen wollen.
Was das vorweihnachtlich gestresste Verkaufspersonal sicherlich erfreuen dürfte, bedauern Inhaber und Manager des Einzelhandels. Die Begründung scheint eine rein monetäre: "Tausende feiertagsmüder Kunden mit ordentlich Geschenkgeld in der Tasche" würden doch sicher gerne am letzten Dezembersonntag shoppen gehen - was nicht unerhebliche Extraeinnahmen beschert hätte.
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