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Stadtsteinach
Aufgabe

Wegen Umgehung: Schachmatt für Salem in Stadtsteinach

Die Tage des Lindenhofs sind gezählt. Samuel Müller sieht durch den Bau der Ortsumgehung in Stadtsteinach keine Zukunft für Gästehaus und Restaurant.
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Schach matt für das Gästehaus Salem in Stadtsteinach. Wegen der geplanten Umgehungsstraße, die einmal direkt unterhalb des Gästehauses vorbeiführen soll, wird der Lindenhof sein Kurprogramm nicht fortsetzen. Foto: Sonny Adam
Schach matt für das Gästehaus Salem in Stadtsteinach. Wegen der geplanten Umgehungsstraße, die einmal direkt unterhalb des Gästehauses vorbeiführen soll, wird der Lindenhof sein Kurprogramm nicht fortsetzen. Foto: Sonny Adam
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Der Lindenhof Salem ist ein Idyll: Hier sieht man Kurgäste und Erholungssuchende, die die Natur und die Ruhe lieben. Nicht nur Seminargäste fühlten sich hier wohl, auch Kinder nahmen an Freizeiten teil und machten ADHS-Kuren mit Alpakas.


9000 Gäste zu Spitzenzeiten


In den besten Jahren verzeichnete der Lindenhof mehr als 9000 Übernachtungen pro Jahr. Salem war damit Spitzenreiter in Stadtsteinach. Doch die Zahlen bröckeln. Vor drei Jahren kamen noch etwa 5000 Gäste, inzwischen sind es etwas mehr als 3000.

"Wir haben eine stabile touristische Situation in Stadtsteinach. Insgesamt sind die Übernachtungszahlen in den letzten zehn Jahren gleichgeblieben. Wenn Salem verloren hat, konnten andere zulegen", sagt Bürgermeister Roland Wolfrum.


Nach der Saison 2017 ist Schluss


Jetzt zieht Salem die Reißleine. "Die Saison 2017 wird unsere letzte sein. Durch den Bau der geplanten Umgehungsstraße, die direkt unterhalb des Gästehauses vorbeiführt, wird der Lindenhof seine Aufgaben nicht fortsetzen können", sagt Geschäftsführer Samuel Müller und betont, dass er explizit auch im Namen seiner Mutter Ursula spricht. Die hatte mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Gottfried Müller Salem in Stadtsteinach groß gemacht.

Die Ortsumgehung Stadtsteinach würde durch den jetzigen Kräutergarten führen. Als Lärmschutz war zunächst eine 230 Meter lange und drei Meter hohe Wand geplant, die Stadt hatte dann eine Einhausung gefordert. Doch die wurde aus Kostengründen abgelehnt. Stattdessen soll es eine andere Lösung geben, die Lärmbelastung klein zu halten.


Viele Gäste sind verunsichert


"Die Diskussion um den Bau der Umgehungsstraße hat seit Jahren Gäste verunsichert. Auch Gruppen und Seminarveranstalter waren auf dieser Grundlage nicht mehr zu finden", erklärt Müller. "Wir haben uns mit allen Möglichkeiten gegen den Bau der Umgehungsstraße eingesetzt, wir haben uns gewehrt und gehofft. Doch mit dem bevorstehenden Abschluss des Planfeststellungsverfahrens ist der Bau nicht mehr zu verhindern." Aus diesem Grund werde Salem im Sommer noch ausgiebig sein 60-jähriges Bestehen feiern, dann sei Schluss mit den touristischen Angeboten.

"Es ist schwer, diese Entscheidung nach so vielen Jahren mitzuteilen", so Müller. "Aber Salem ist mehr als nur der Lindenhof." Schon jetzt stehe fest, dass die Schließung auch Auswirkungen auf etliche Mitarbeiter haben wird. "Es werden aber weniger als zehn Personen von einer Kündigung betroffen sein", sagt Müller. Derzeit werde geprüft, ob einige Mitarbeiter in anderen Bereichen eingesetzt werden können. Einige gingen in Ruhestand.


Am 27. Juni ist klar, wie es weitergeht


Die Verwaltung für Salem international bleibt laut Müller weiterhin in den Gebäuden des ehemaligen Posterholungsheimes. "Was wir aus den frei werdenden Gebäuden machen, darüber werden wir am 27. Juni Auskunft geben", erklärt der Geschäftsführer. Zuvor müsse noch einiges abgeklärt werden.

Bürgermeister Roland Wolfrum bedauert den Entschluss. "Es ist grundsätzlich schade, wenn eine Einrichtung in einer Kommune schließt." Allerdings habe die Entscheidung nicht die Bedeutung, um jetzt noch einmal neu über den Bau der Umgehung zu diskutieren. "Es ist schade, wenn Salem keine Zukunft sieht, aber die Umgehung ist trotzdem wichtig für uns", betont Wolfrum. Er könne sich eine gewerbliche Nutzung der Gebäude vorstellen. "Die Bauten werden sicherlich nicht leerstehen. Es gibt ja schon eine kleine Druckerei."

Ganz anders beurteilt Umgehungsgegner Knud Espig von Pro Stadtsteinach die Situation: "Logisch ist, dass kein Unternehmer der Tourismus- und Gesundheitsbranche notwendige Investitionen vornimmt, wenn ein solches Damoklesschwert über ihm schwebt. Dies ist umso bedauerlicher, da sich Stadtsteinach genau im touristischen Bereich sehr positiv entwickelt", so Espig.


Zeulner zweifelt an Zusammenhang


Auch CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner bedauert die Schließung des Lindenhofs. Sie stehe bereits mit der Agentur für Arbeit in Verbindung, um den von Kündigung Betroffenen helfen. Aber Zeulner bezweifelt, dass die Planungen der Umgehung für einen Rückgang der Gästezahlen verantwortlich sind: "Das hält einer objektiven Betrachtung nicht stand."

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