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Kulmbach
Prozess

Was ist wirklich passiert?

Vorwurf der Unterschlagung und Körperverletzung: Wegen zweier Verfahren steht ein 24-Jähriger vor dem Amtsgericht Kulmbach.
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Hat er seine Exfreundin körperlich angegriffen oder nicht? Selbst das Amtsgericht konnte das nicht herausfinden. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Hat er seine Exfreundin körperlich angegriffen oder nicht? Selbst das Amtsgericht konnte das nicht herausfinden. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Körperverletzung in zwei Fällen sowie der Vorwurf der Unterschlagung: Ein 24-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Kulmbach gestern gleich wegen zweier Straftatbeständen rechtfertigen. Gleich bei der ersten Zeugin zeigte sich, dass die Wahrheitsfindung nicht gerade einfach werden würde.

Die 20-jährige Geschädigte beschuldigte ihren Exfreund, dass er sie zwei Mal körperlich angegriffen habe. Sie habe beide Male lediglich mit ihm reden wollen. "Doch er kann das nicht. Er rastet immer gleich aus", erzählte die 20-Jährige vor Gericht. Der 24-jährige Beschuldigte wollte selbst keine Angaben zu den Vorwürfen machen, dafür redete sein Verteidiger, Frank Stübinger. "Wir bestreiten das", sagte dieser. Sein Mandant sei zu beiden Zeitpunkten, an denen es laut der Geschädigten zu den Vorfällen kam, nicht in ihrer Nähe gewesen. Der 24-Jährige erinnere sich noch genau, da an dem einen Tag die Mutter des Freundes in Berlin gewesen sei, und er seinem Freund bei der Pflege der Großmutter geholfen habe. Beim zweiten Mal sei er zuhause gewesen. Sein Vater könne dies bestätigen. Die Zeugen dafür hatte der Verteidiger geladen.

Doch als erstes wollte Richterin Sieglinde Tettmann die Geschädigte hören. Nach den allgemeinen Angaben zu ihrer Person brach die 20-Jährige in Tränen aus. "Dieser Mensch hat mich so kaputt gemacht", sagte sie. Sie habe jetzt sogar Termine bei einem Psychotherapeuten vereinbart, da sie alleine nicht mit den Folgen zurecht komme. Sie legte der Richterin ein Schreiben ihres Arztes vor, in dem er den Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörungen und Panikattacken attestierte. In der zweijährigen Beziehung mit ihrem damaligen Freund sei es immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen, weil er mit anderen Frauen Kontakt gehabt haben soll. "Ich wollte mich längst trennen, aber er hat mich nie gelassen und immer wieder eingesperrt", erzählte sie.


Schwierige Verhältnisse

Die 20-Jährige hatte zu dieser Zeit gemeinsam mit dem Angeklagten im Haus seines Vaters gewohnt. Warum sie nicht einfach gegangen ist, als der Angeklagte auf Arbeit war, wollte die Richterin wissen. Wegen schwierigen familiären und beruflichen Verhältnissen sei das nicht gegangen, entgegnete die Zeugin. Als die Angeklagte von blauen Flecken am Hals erzählte, wollte die Richterin wissen, wie es dazu kam. Sie fragte immer wieder nach.

Die 20-Jährige wich jedes Mal aus. Auch auf Nachfrage des Verteidigers ging sie nicht darauf ein. Sieglinde Tettmann unterbrach die Verhandlung, da nichts mehr voran ging. "Wir machen jetzt erst einmal wegen Unterschlagung weiter", sagte Tettmann, als sie nach der Besprechung mit dem Verteidiger sowie dem Rechtsreferendar der Staatsanwaltschaft Bayreuth, Johannes Müller, und Staatsanwalt Holger Gebhardt wieder in den Richterstuhl trat.

Der 64-jährige Geschädigte erzählte von seinem Besuch in der Spielothek in Himmelkron, bei dem ihm sein Geldbeutel mit 700 Euro abhanden kam. Wie das genau geschah, konnte er nicht sagen. "Ich will hier auch keinen verdächtigen. Es kann auch sein, dass ich ihn verloren oder liegengelassen habe", teilte er gleich zu Beginn seiner Aussage mit.

Nachdem der 64-Jährige für eine halbe Stunde an einem Automaten gespielt hatte und zur Toilette gegangen war, fiel ihm im Auto auf, dass sein Geldbeutel fehlte. Auch der Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt in der selben Spielothek. Den Geldbeutel hatte er sich laut seinem Verteidiger jedoch nicht angenommen. "In welcher Hosentasche war er denn? Hätte er da vielleicht rausfallen können?", fragte die Richterin. "Ja, er ist mir auch schon öfters rausgefallen", antwortete der Geschädigte viel leiser als zuvor.


Sehr dünne Beweislage

Nach kurzem Blickkontakt mit Richterin Tettmann und einem längeren Schweigen aller Beteiligten teilte Staatsanwalt Holger Gebhardt mit, dass er über eine Einstellung des gesamten Verfahren nachdenkt. Dazu gehört neben der Unterschlagung auch das Verfahren wegen Körperverletzung. Richterin Tettmann und Verteidiger Stübinger waren einverstanden. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Die insgesamt neun Zeugen, die vor der Tür warten mussten, wurden nicht mehr gebraucht und von der Richterin entlassen. "Wenn wir mit der Beweislage so weiter verhandelt hätten, hätten wir wahrscheinlich trotzdem keine strafbare Handlung nachweisen können", erklärte Sieglinde Tettmann. Deswegen wurde das Verfahren eingestellt.

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