Kulmbach
Kriminalität

Waren es Gramm oder Kilogramm?

Ein 33-Jähriger soll im großen Stil Haschisch und Marihuana bezogen haben. Vor Gericht gab es Widersprüche und Ungereimtheiten bei den Aussagen, also wurde der Drogenprozess erst einmal ausgesetzt .
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Marihuana  Symbolfoto: Christopher Schulz
Marihuana Symbolfoto: Christopher Schulz
Am Ende lagen die Angaben doch zu weit auseinander, so dass alle Beteiligten eines Drogenprozesses vor dem Kulmbacher Amtsgericht mit einer Aussetzung des Verfahrens einverstanden waren. Nun sollen erst einmal weitere Zeugen aus der örtlichen Drogenszene geladen werden, um Licht ins Dunkel zu bringen, ehe die Verhandlung noch einmal von vorne beginnen kann.
Während die Staatsanwaltschaft von insgesamt 2,4 Kilogramm Haschisch und Marihuana ausgeht, sprach der Angeklagte, ein 33-jähriger arbeitsloser Handwerker, der mittlerweile vom Landkreis Kulmbach nach Niederbayern gezogen ist, von einigen wenigen Käufen in Höhe von vier bis fünf Gramm. Lieferant war einmal mehr der 34-Jährige, den das Landgericht in Bayreuth vor einem Jahr rechtskräftig zu über sechs Jahren verurteilt hatte.
Wie schon in einigen anderen Verfahren, war sich dieser Mann auch jetzt wieder ziemlich sicher, die in der Anklageschrift bezeichneten Mengen
annähernd an den Angeklagten aus dem Kulmbacher Landkreis verkauft zu haben.
Das Geschäftsmodell des Zwischenhändlers bestand darin, Haschisch von szenebekannten Großdealern für 4,50 Euro pro Gramm einzukaufen und dann plattenweise für sieben Euro pro Gramm weiter zu veräußern. Im grammweisen Weiterverkauf können bis zu zwölf Euro erzielt werden, hatte ein Polizeibeamter kürzlich vor Gericht bestätigt. Bei Marihuana sind die Preise sogar noch höher einzustufen.
Staatsanwalt Matthias Eichels dörfer warf dem Angeklagten vor, in den Jahren 2008 und 2009 monatlich jeweils 100 Gramm Haschisch und auch Marihuana gekauft zu haben. Ob das Rauschgift tatsächlich ausschließlich zum Eigenverbrauch war, ließ die Anklage offen. Angeklagt waren 24 Einzelfälle des Erwerbs von jeweils 100 Gramm.
Zu Beginn der Hauptverhandlung ließ der Angeklagte seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Karsten Schieseck aus Bayreuth, sprechen. Es sei richtig, dass sein Mandant 2008, nicht 2009, geringe Mengen zum Eigenkonsum gekauft habe. Schieseck sprach von 20 Gramm Marihuana pro Monat, nur zwei bis drei Mal soll sein Mandant versucht haben, auch Haschisch zu beziehen. Der Angeklagte habe zu keinem Zeitpunkt etwas weiterverkauft und habe mittlerweile längst mit dem Konsum aufgehört.
So weit so gut. Ohne Umschweife hatte nun der Zwischenhändler das Wort. Der berichtete von ganz anderen Mengen. Der Angeklagte sei regelmäßig in seiner Wohnung aufgetaucht und habe dann immer gleich größere Mengen gekauft. "Wegen fünf Gramm ist er nicht gekommen", war sich der Zeuge sicher. Er sprach von mindestens fünf bis sechs Fällen im Jahr 2008 und weiteren drei bis vier Fällen im Jahr 2009.
Das wollte Verteidiger Schieseck so nicht stehen lassen. Als Händler habe der Zeuge damals mindesten 15 Kunden gehabt, wie könne er es dann heute noch so genau wissen, wem er wieviel verkauft habe. Wie es genau logistisch abgelaufen sei, wollte der Anwalt wissen. "Naja, feste Öffnungszeiten hatte ich nicht", so der Händler. Der räumte schließlich auch ein, dass er bei seiner Vernehmung schon ein wenig von den Polizeibeamten unter Druck gesetzt worden sei. "Die haben so lange gebohrt, bis es gepasst hat", so der Zeuge.
Daraufhin blieb auch der Angeklagte weiter bei seiner ursprünglichen Einlassung: "Kein Geschäft über vier bis fünf Gramm und schon gar nicht 50 oder 100 Gramm und das wiederum lange nicht so oft, wie es in der Anklageschrift steht."
In Absprache mit Staatsanwalt Eichelsdörfer und Verteidiger Schieseck setzte Richterin Sieglinde Tettmann das Verfahren aus, ein neuer Termin wird bestimmt. Dazu sollen dann mehrere Personen aus der damaligen örtlichen Drogenszene und auch die vernehmenden Polizeibeamten geladen werden.
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