Waffenhammer
Abschied

Waffenhammer steht zum Verkauf

Doris Richter und Gerhard Marek wollen das Steinachtal verlassen. Das Till-Eulenspiegel-Museum bleibt zurück.
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"Aus Altersgründen wollen wir uns vom Waffenhammer trennen und das Anwesen verkaufen", sagen Doris Richter und Gerhard Marek. Und man merkt, dass dem Ehepaar dieser Entschluss nicht leicht gefallen ist. Denn sie haben nicht nur ihr gesamtes Vermögen, sondern auch viel Herzblut in das Anwesen im Steinachtal gesteckt.
Doris Richter und Gerhard Marek haben vor neun Jahren damit begonnen, das Anwesen zu einem Schmuckstück zu machen "Wir renovieren eigentlich unaufhörlich", sagt Doris Richter, die derzeit noch als Altenpflegerin immer zwei Wochen am Stück in Pforzheim arbeitet. Obwohl sie fit ist und noch einige Jahre berufstätig sein möchte, merkt sie, dass sie nicht ewig weiterbuckeln kann und möchte. "Ich weiß, wie es im Alter ist."
Vor der Arbeit hatte das Ehepaar mit dem Sinn fürs Besondere keine Scheu. Im Gegenteil: Beide schwärmen von dem, was aus dem Waffenhammer geworden ist. Ein Kleinod, mitten im Steinachtal, das vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel ist. "Aber ich arbeite als Altenpflegerin und ich möchte im Alter nicht alles Mögliche an der Backe haben. Wir wollen uns verkleinern", sagt Doris Richter.

Keine Sekunde bereut


Natürlich ist Gerhard Marek und Doris Richter klar, dass der Waffenhammer mit seinen vier Hektar Grund eine sehr spezielle Immobilie ist, die sicherlich nicht von heute auf morgen einen Käufer findet. "Deshalb kümmern wir uns auch jetzt darum, frühzeitig - und wenn der Verkauf ein paar Jahre dauert, ist das auch kein Problem", sagt Richter. Als das Ehepaar das Anwesen erstanden hat, wussten beide, dass sie nicht für immer bleiben würden. "Aber wir haben keine Sekunde hier bereut. Das ist ein Traum", schwärmt Doris Richter.
Das Anwesen ist von Grund auf saniert: Der Waffenhammer ist mit neuen Fenstern und mit einem neuen Dach ausgestattet. Insgesamt zwanzig Zimmer gibt es - viele kleine Zimmerchen, die ideal geeignet sind als Gästezimmer, Büros oder ähnliches.

Herzstück des Waffenhammers sind die Küche im klassischen Stil und die gemütliche Wohnstube im Erdgeschoss - beides mit Holzöfen geheizt. Der Waffenhammer hat zwei Marmorbäder und einen großen Saal mit Bücherei - ideal für größere Veranstaltungen.

Bunter, uriger, spezieller


Bei der Sanierung haben Doris Richter und Gerhard Marek darauf geachtet, mit viel Fingerspitzengefühl ans Werk zu gehen. Alles ist ein bisschen anders als in anderen Häusern. Bunter, uriger - spezieller. "Aber es gibt eben keine Zentralheizung. Wir heizen nur mit Holzöfen", betont Richter und sagt offen, dass nicht alle Zimmer beheizbar sind. Eben nur die, die auch einen Kaminanschluss haben. Doch das ließe sich ändern.
Zum Haus, das in etwas 250 Quadratmeter Wohnfläche bietet, gehört das mit mehr als hundert Figuren ausgestattete Eulenspiegel-Museum. "Die Figuren sind alle Vollguss-Bronze", erzählt Marek. Der 70-Jährige hat einige Figuren in Peru oder auf den Philippinen gießen lassen, doch die meisten sind aus Indien. "Die sind am besten", erklärt der ehemalige Lehrer mit dem Faible für Eulenspiegel. Etliche Figuren sind noch gar nicht aufgestellt, schlummern in Kisten oder liegen auf dem Boden. Auch in der Scheune steht noch eine fast lebensgroße Eulenspiegel-Figur.

Das gesamte Interieur soll im Haus bleiben - schwebt dem Ehepaar vor. Es besteht aus vielen seltenen Thronsitzen mit Eulenspiegel-Symbol und urigen Tischen mit Platten aus Afrika oder Indien. Und auch in der sanierten Scheune schlummert noch so manches Schätzchen: Thronsitze, Tische, ein alter Webstuhl, eine riesige Eulenspiegel-Figur und mehr. "Wir sind hier eigentlich Wohnmillionäre. So schön wie wir wohnen, das kann man nicht mit Geld bezahlen", urteilt Gerhard Marek, dem der Abschied nicht leicht fällt.
Doch jetzt möchten Doris Richter und Gerhard Marek ganz persönlich die Weichen für die Zukunft stellen. Denn auch ihre drei Söhne haben kein Interesse, das Museum einmal weiterzuführen: Ein Sohn lebt im Allgäu, einer ist als Bühennbauer immer unterwegs und einer macht Business in Berlin, verrät das Ehepaar. "Aber sie kommen natürlich manchmal zu Besuch, denn der Schönheit des Ortes kann sich niemand entziehen", sagt Doris Richter.




Weitere Bilder finden sich unter


www.inFranken.de



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