Zettlitz
Technik

Von wegen altes Eisen...

Warum der Zettlitzer Willi Hohlweg mit seinem Mähdrescher sogar in Westfalen ein Begriff ist.
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Arbeiten seit 48 Jahren zusammen: Willi Hohlweg und sein Mähdrescher Claas Mercur. Foto: Matthias Beetz
Arbeiten seit 48 Jahren zusammen: Willi Hohlweg und sein Mähdrescher Claas Mercur. Foto: Matthias Beetz
Der eine ist 83, nach eigener Aussage wunschlos glücklich und schwört für die Arbeit unter der prallen fränkischen Sonne auf kalten Tee; der andere ist 48, sehr genügsam und trägt die Blessuren eines anstrengenden Arbeitslebens in einer Art, dass sie schon fast wie Trophäen wirken. Wenn Willi Hohlweg mit seinem Mähdrescher Claas Mercur im Rugendorfer Land auf Achse ist, sind nicht nur die Landwirte stolz auf den bäuerlichen Berufsstand und deutsche Wertarbeit.
2,65 Meter Schnittbreite, 70 PS und ein 20 Zentner fassender Körnertank - das sind die technischen Daten des Claas Mercur, den Willi Hohlweg 1964 für stolze 39 000 D-Mark erworben hat. Fünf Jahre lang hatte er zuvor einen Lanz-Drescher gefahren "Aber da hat man immer einen zweiten Mann zum Absacken des Getreides gebraucht. Das war nichts", erzählt er 83-jährige Zettlitzer. Mit dem Claas war das nicht mehr nötig.

1964 eine kleine Sensation


Während die Maschine im Vergleich zu den heutigen Geräten regelrecht zierlich aussieht, war der Claas 1964 eine kleine Sensation und weit und breit der größte Mähdrescher. Willi Hohlweg hat nicht nur auf den eigenen Flächen gearbeitet, sondern die für damalige Verhältnisse kostspielige Anschaffung durch Lohndrusch refinanziert. "Heute kostet ein Mähdrescher in der Größenordnung sicher um die 100 000 Euro", schätzt Hohlweg.
Dass die inzwischen 48 Jahre alte Maschine von ihrem Besitzer in der Manier von Auto-Oldtimern besonders gepflegt würde, will der Zettlitzer nicht behaupten. "Wir haben immer viel selbst repariert", sagt Willi Hohlweg, der zusammen mit Sohn Gerhard gerade ein Leck an der Ölschmierung beseitigt hat. Und Selbsthilfe ist umso nötiger, je älter der Claas Mercur wird. "Manche Ersatzteile gibt es gar nicht mehr", erzählt der Zettlitzer, hat aber offensichtlich keine Sorge, dass ein technisches Problem einmal das Schicksal der Maschine besiegeln könnte. Wohl auch deshalb, weil die Arbeit mit dem Gerät dem 83-Jährigen längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. "Das ist wie mit einer Frau: Wenn man fast 50 Jahre zusammenlebt, dann merkt man sofort, wenn sie einen falschen Ton macht."
Was andererseits nichts daran ändert, dass Schäden am Claas Mercur natürlich ärgerlich sind, weil sie Zeit und Geld kosten. So wie zum Beispiel damals, als Willi Hohlweg für einen Berufskollegen Lohndrusch erledigen sollte und besagter Kollege dummerweise eine Egge auf dem Feld vergessen hatte ...

Mit Brille und Gebläse


Wenn moderne Mähdrescher über Kabine, Klimaanlage und jede Menge anderen Komfort verfügen, so freut das den Zettlitzer Landwirt für die Kollegen. Er selbst muss darauf verzichten. Was ihn aber nicht ernsthaft stört. Außerdem, so verrät Willi Hohlweg, hat er seinen Claas im Laufe der Jahre selbst modernisiert. Denn vor den dicken Staubwolken beim Dreschen schützt ihn längst nicht mehr nur eine eng anliegende Brille, sondern zusätzlich ein Gebläse, das der Zettlitzer vor den Fahrersitz montiert hat und das ihm die Sicht frei bläst.
Ob denn der Claas nach 48 Jahren noch ordentlich funktioniert? "Der ist sparsam im Verbrauch und drischt gut", sagt der 83-Jährige. "Das einzige, was ich am Claas bemängeln muss, ist die Fußbremse. Die Wirkung passt nicht ganz zum Gewicht", erklärt Willi Hohlweg, der die Maschine trotzdem auf den Zentimeter genau zum Stehen bringt.
Dass der Zettlitzer mit dem Claas Mercur Baujahr 1964 ein ganz besonderes Arbeitsgerät benutzt, hat sich vor einigen Jahren sogar bis nach Westfalen rumgesprochen. Die Herstellerfirma Claas, die am Stammsitz Harsewinkel seit 1936 Mähdrescher herstellt, hat Willi Hohlweg 2006 eine Urkunde ausgestellt. Darin wird ihm die gute Pflege des Mercur mit der Seriennummer 202089 bescheinigt und zur langen Lebensdauer gratuliert. Hoffentlich haben sich die Claas-Chefs damals das Datum notiert, damit sie das Doppeljubiläum in zwei Jahren nicht verpassen: Dann wird der Mercur 50 und Willi Hohlweg 85.

Im Sitzen kein Problem


Auch wenn Willi Hohlweg nach diversen Operationen inzwischen nicht mehr so gut zu Fuß ist, arbeitet er weiter gerne in der Landwirtschaft mit. "Sitzende Tätigkeiten sind kein Problem, fahren kann ich noch", erzählt der Zettlitzer. Und so lange er das machen kann, ist er "wunschlos glücklich".
Also sitzt er auch in diesen Tagen wieder drei, vier oder fünf Stunden auf dem Claas Mercur, erntet Getreide und zieht mit seinem Oldtimer-Mäher so manchen neugierigen Blick auf sich. Wie sagt sein Schwager Kurt Schuberth doch immer? "Wenn der Willi auf dem Mähdrescher sitzt, dann ist er gesund."

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