Blaich
Open Air

Von Bach bis Bond: Brass im Blaicher Biergarten

Blasmusik-Profis und -Amateure begeistern das Publikum im Mönchshofgarten und locken am Sonntag mehrere hundert Besucher an.
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Hier spielen Profis und Laien gemeinsam: Die No-Name-Brass-Band stellt im Mönchshofgarten das Ergebnis des Meisterkurses für Blechbläser im Haus Marteau in Lichtenberg vor. Foto: Stephan Herbert Fuchs
Hier spielen Profis und Laien gemeinsam: Die No-Name-Brass-Band stellt im Mönchshofgarten das Ergebnis des Meisterkurses für Blechbläser im Haus Marteau in Lichtenberg vor. Foto: Stephan Herbert Fuchs
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Blasmusik im Biergarten, so ungewöhnlich ist das nicht. Das Konzert, das am Sonntagmittag mehrere hundert Besucher bei freiem Eintritt in den Mönchshofgarten lockte, hatte allerdings eine ganz andere Dimension: Blasmusik auf allerhöchstem Niveau, wie man sie sonst nur im Konzertsaal geboten bekommt.

Zu erleben waren die international renommierte Formation Rekenzze Brass aus Hof, das Ithaca College Brass Quintett aus der Nähe von New York, die Concordia College Brass Band aus Moorhead in Minnesota, die amerikanische Spitzenmusikerin Deanne Swoboda sowie Teilnehmer von Meisterkursen, zu denen in den vergangenen Tagen zahlreiche Laien und Profis in den Frankenwald gekommen waren.
Kurzum: ein internationales Happening, wie es Trompeter Peter Knudsvig von Rekkenze Brass ausdrückte.

Seit 2001 in Haus Marteau

Es hat fast schon Tradition, das kleine Festival "Brass im Frankenwald", das der Bezirk Oberfranken mit seiner Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau seit dem Jahr 2001 veranstaltet. Die Kurse selbst finden in der Villa des einstigen Stargeigers Henri Marteau in Lichtenberg statt. Neben dem Abschlusskonzert im Garnlager der dortigen Firma Liros gehört der Blaicher Mönchshofgarten seit sechs Jahren zur festen Spielstätte. Aus dem Kulmbacher Kulturkalender ist die Blasmusikmatinee jedenfalls nicht mehr wegzudenken.

Prominenteste Musikerin der Matinee war Deanne Swoboda. Sie ist Assistant Professor für Musik an der Arizona State University und Dozentin für Tuba, Euphonium und Kammermusik.

Es gibt kaum eine Instrumentengattung, die für das Miteinander von Profis und Amateuren besser geeignet ist, als die Blasmusik, waren sich sämtliche Dozenten einig. Und wahrscheinlich gibt es auch kein Ensemble, das wie Rekkenze Brass schon immer für seine Grenzgänge zwischen E- und U-Musik bekannt ist. Das Blechbläserensemble mit Rene Jamben, Benjamin Sebald, Peter Knudsvig und Rainer Streit, diesmal verstärkt durch den Amerikaner Nat Dickey, begeisterte das Publikum unter anderem mit Mozart und Bach.

"Unser Ziel ist es, die Grenzen zwischen Amateuren und Profis aufzuheben", sagte Verwaltungsleiter Ulrich Wirz von der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau. "Brass im Frankenwald" möchte drei musikalische Leistungsebenen zusammenführen: die der Laien und Amateure, der Musikstudenten und der Profis mit einem Solisten der Weltspitze wie Deanna Swoboda.

Alles Musiker werden zum No-Name-Ensemble

Das Konzert in Kulmbach machte dabei deutlich, dass dieses Ziel einmal mehr erreicht worden ist, vor allem im zweiten Teil des Konzerts, wenn sich die festen Formationen unter die Kursteilnehmer mischen, zum No-Name-Ensemble werden, wie die Musikerin Anne Müller erläutert. Da gibt es Bach-Choräle ("Jesu bleibet meine Freude"), Unbekanntes wie die "Hymne an die Musik" vom fränkischen Benediktinerkomponisten Valentin Rathgeber arrangiert für Sprecher und Blasorchester, aber auch Jazz-Standards oder ein Scott-Joplin-Medley.

Wunderbar hat Peter Knudsvig Roy Orbisons Schlager "Crying" oder das "James-Bond-Theme" arrangiert. Und das Ensemble, das sich erst vor einer knappen Woche kennengelernt hat, spielt mit einer Exaktheit, die kaum zu übertreffen ist. Natürlich darf John Philipp Sousa, der amerikanische Marschmusikkönig, nicht fehlen, ebenso Fritz Kreislers "Liebesleid", das Deanne Swoboda kurzerhand zu einem Stück für Blasorchester und Solotuba umfunktioniert. Welche herausragenden Entertainer-Qualitäten die US-Amerikanerin hat, zeigt sie auch bei einer Solo-Zugabe, als sie auf Tuchfühlung zum Publikum geht und die Zuhörer zum begeisterten Mitmachen animiert. Stephan Herbert Fuchs

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