Kulmbach
Geschichte

Vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan

Das Kulmbacher Kapuziner-Bier hat eine lange Tradition.
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Teure Werbung konnte sich die Kapuzinerbräu nicht leisten. Ein einfaches Blechschild mit Schriftzug und Bayernraute musste genügen. (Schild Sammlung Münch-Kasendorf).
Teure Werbung konnte sich die Kapuzinerbräu nicht leisten. Ein einfaches Blechschild mit Schriftzug und Bayernraute musste genügen. (Schild Sammlung Münch-Kasendorf).
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Es hat prominente und fachkundige Vorfahren: Mönche, die das Brauhandwerk in Klöstern gepflegt und weiterentwickelt haben. Das Kapuziner-Bier aus der Kulmbacher Brauerei. Der Ursprung dieser bekannten Marke liegt im benachbarten Mainleus. In dem damals kleinen Dorf gab es einst zwei Brauereien. Unter der Hausnummer 1, die Brauerei Stößlein, später Häublein. Sehr viel älter ist der zweite Braubetrieb. Der dortige Klosterhof, eine Dependance des mächtigen Zisterzienserklosters Klosterlangheim, hatte wie jedes andere Kloster auch Braurecht. Der Klosterhof wird bereits im Besitzrechtsverzeichnis von 1728 aufgeführt und war auch berechtigt, eine Wirtschaft zu betreiben, der spätere Gasthof Heinkelmann.
Die Säkularisation im Jahre 1803 war das Ende des Klosters Langheim und somit auch des Klosterhofes in Mainleus. Der Besitz fiel an den Bayerischen Staat, und der versilberte es. Wer als erster den Braubetrieb erwarb, ist nicht bekannt. Mitte des 19. Jahrhunderts taucht Friedrich Schultheiß als Eigentümer auf. Die Brauerei an der heutigen Hauptstraße muss schon anfangs der 1880er Jahre eine respektable Größe aufgewiesen haben. Als Adam Hofmann die Braustätte übernahm, nannte er sie schon "Dampfbrauerei", was soviel bedeutete, dass bereits mit Dampfkraft gearbeitet wurde. Lang konnte sich Hofmann an der technischen Neuerung nicht erfreuen; im Juni 1884 musste er Konkurs anmelden.


Ein Name musste her

Nun kam die große Zeit von Christian Viandt. Der nunmehrige Brauereibesitzer war ein Visionär. Schon damals sah er, dass für sein Unternehmen ein zugkräftiger Name gebraucht wurde. Da eignete sich der Bezug zu einem Kloster oder zu Mönchen besonders gut. Der frühere Klosterhof, das wars. Dass dieser zum Zisterzienserorden gehört hatte, interessierte ihn nicht. Hauptsächlich Mönche. Und "Kapuziner" war geläufiger und leichter auszusprechen. Ob ihm bewusst war, dass dies ein franziskanischer Bettelorden in der römisch-katholischen Kirche war, ist nicht bekannt. Viandt nannte seine neue Errungenschaft "Exportbierbrauerei zum Kapuzinerbräu".
Sie machte schon was her, die neue "Kapuzinerbräu" an der Hauptstraße in Mainleus. Das Bild oben zeigt von rechts das "Comtoire", also das Verwaltungsgebäude, dann das alte Wirtshaus, der frühere Klosterhof, daneben die heutige "Braugasse", dann den Sudhauskomplex und die Mälzerei. Die Abbildung, Ausschnitt aus einer Postkarte, entstand zur Gründung der AG im Jahre 1897. Zu dieser Zeit verließen 15 000 Hektoliter pro Jahr die Sudkessel. Die Brauerei platzte aus allen Nähten. Das zur Vergrößerung und Modernisierung benötigte Kapital musste durch die Gründung einer Aktiengesellschaft beschafft werden. Gründungsmitglieder derselben waren Brauereibesitzer Christian Viandt, Braumeister Hans Wegener, Tobias Hammon, Wirtschaftspächter Paulus Häublein, alle Mainleus, und der Kaufmann Richard Heymann aus Leipzig. Aber wer kannte schon Mainleus in der großen weiten Bierwelt? Man musste nach Kulmbach. Bereits im Dezember 1898 wurde der Sitz der Gesellschaft in die Bierstadt Kulmbach verlegt. Der Gerstensaft wurde aber weiterhin in Mainleus gebraut. Das änderte sich erst, als die nunmehrige Kulmbacher Kapuzinerbräu die in Konkurs gegangene Brauerei Eberlein im Schießgraben übernahm. Somit konnte nun auch der Braubetrieb von Mainleus nach Kulmbach verlegt werden. Das war im Jahr 1906.


Für den Export

Die in Mainleus oder Kulmbach gebrauten Hektoliter konnten natürlich nicht im Heimatraum verkauft werden. Es wurde exportiert. Belegt sind Absatzstätten der Kapuzinerbräu in Berlin (eigenes Depot), Leipzig, Hamburg, Halle an der Saale und Schlesien. Finanziell war die Brauerei nie auf Rosen gebettet. Immer wieder mussten finanzielle Sanierungen beschlossen werden. Mehrere Jahre erfolgten keine Dividendenzahlungen oder sie bewegten sich nur knapp über Null.
Der Ausstoßrückgang in den Kriegsjahren, die strenge Malzkontingentierung und das ohnehin angegriffene Finanzpolster bedrohten die Kapuzinerbräu in ihrer Existenz. Ein Firmenzusammenbruch einer Kulmbacher Brauerei hätte dem Ruf der Bierstadt erheblich geschadet. Deshalb übernahmen die anderen Kulmbacher Brauereien Belegschaft, materielle und immaterielle Werte der maroden Brauerei. Dass sich die Mönchshofbräu, selbst mit einem Kuttenträger im Emblem, den Firmennamen "Kapuziner" kaufte, lag auf der Hand.
Am 1. Oktober 1919 wurde der Braubetrieb eingestellt und am 1. September 1920 beschloss die Generalversammlung die Auflösung der Brauerei.
Was machten nun die Mönchshofoberen mit dem neuen, dazu gekauften Emblem? Es verschwand in der Schublade. Der mickrige Kapuziner-Ordensbruder, den es zudem in verschiedenen Ausführungen gab, hatte keine Chance gegen den wohlgenährten, selbstzufriedenen Mönch der Brauerei. Nur sporadisch wurde das Schriftzeichen "Kapuziner" eingesetzt. Etwa für den Bierexport nach Frankreich. Viel schlimmer noch. Der Mönch als Abbildung, als Wiedererkennung, verschwand ganz. An seine Stelle trat ein stehender Ziegenbock im Frack mit einer Batterie von Biergläsern in den Armen. Dabei fand das neue Logo nicht nur für Bockbier, sondern für alle Biersorten Verwendung.
Über 60 Jahre vegetierte der Markenname "Kapuziner" armselig vor sich hin. Dann fusionierten im Jahre 1984 die Reichel- und die Mönchshofbräu. Ein wichtiger Punkt des Übernahmevertrages war die Produktion eines gemeinsamen Weißbieres. Mit dem "Sandler-Weizen" der Reichel konnte ohnehin kein großer Staat gemacht werden. Reichel-Vorstandsvorsitzender Gert Langer entschied allein und vorbei an der blassen Marketing-Abteilung: "Kapuziner", so sollte das künftige gemeinsame Weizenbier heißen. Schon im Geschäftsjahr 1984/85 klebten die neuen schmucken Kapuziner-Etiketten auf den schlanken NRW-Flaschen.


Heute 200 000 Hektoliter

Die Erfolgsstory konnte beginnen. Im Jahr 2008 erfolgte die Umstellung auf die Bügelverschlussflasche. Heute werden von der Kulmbacher Brauerei acht verschiedene Sorten des obergärigen Bieres abgefüllt. Der Jahresausstoß liegt bei beachtlichen 200 000 Hektolitern.


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