Kulmbach
Triathlon-Selbstversuch

Vom Ringen um die Motivation

Die Kulmbacher Triathlon-Neulinge haben ihre ersten Trainingseinheiten absolviert. Aller Anfang ist schwer, doch in der Gruppe fällt das Durchhalten leichter. Und es gibt eine Menge guter Gründe, am Ball zu bleiben.
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Fitness-Parcours im Gelände: Die steile Treppe fordert und fördert Kraft und Ausdauer. Foto: Andreas Hunger
Fitness-Parcours im Gelände: Die steile Treppe fordert und fördert Kraft und Ausdauer. Foto: Andreas Hunger
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Draußen regnet's. Es ist längst hell, aber im Bett noch so gemütlich. Jetzt aufstehen und laufen? Oder ins Schwimmbad, wo es um diese Zeit nachweislich nicht nur nass, sondern auch noch recht kalt ist? An manchen Tagen springe ich aus den Federn und mach' es einfach, an anderen fällt es mir unglaublich schwer, mich zu aufzuraffen. Lässt sich das ändern?
Seit dem Start meines Selbstversuchs "Jeder kann Triathlon - ich auch?" kreist das Thema Motivation in meinem Kopf. Vor einer Woche habe ich mit den anderen 27 Teilnehmern der Aktion des ASV Triathlon zum ersten Mal trainiert. Inzwischen haben wir jede der drei Sportarten einmal gemeinsam getestet.
Wir sind alle mehr oder weniger Anfänger, doch die individuelle Leistungsfähigkeit ist sehr unterschiedlich.
Es gibt begeisterte Rennradler, die nicht gut schwimmen können, Läufer, die so lange nicht mehr auf dem Fahrrad saßen, dass sie gar kein eigenes besitzen, und Schwimmer, die beim Laufen nach einem Kilometer schon fix und fertig sind. Und doch wollen wir alle den Jedermann-Triathlon am 20. Juli in Kulmbach schaffen. Und Spaß machen soll das Ganze auch noch.
Geht das überhaupt? Sind wir alle kleine Masochisten, die Spaß daran haben, sich zu quälen? Für die Mehrheit wäre das wohl eine eher schwache Motivation.

Der Blick in den Spiegel

Also: Warum machen wir es trotzdem? Ich habe einige Mitstreiter und Trainer darauf angesprochen und aufschlussreiche Antworten bekommen. "Eitelkeit!" Spontan kommt dieses Schlagwort von Stefan Schmidt vom Fit'n Fun, wo wir einmal pro Woche Kraft und Koordination trainieren. Kurzes Nachdenken und zustimmendes Nicken der Umstehenden. Ja, so simpel kann es tatsächlich sein! Wir wollen gut aussehen, wenn wir uns im Spiegel betrachten, blicken ärgerlich auf Speckröllchen und schlaffes Gewebe, wünschen uns straffe Muskeln, einen knackigen Po.
Aber es gibt noch mehr Gründe: "Man fühlt sich einfach gut dabei - und auch noch lange danach", sagt Bernd Roßberg, der die Idee zu dem Trainingsprojekt hatte. "Für mich ist das sehr wichtig. Ich kann mir ein Leben ohne Sport gar nicht mehr vorstellen."
So selbstverständlich ist für die meisten von uns der bewegte Alltag (noch) nicht. Aber uns gut fühlen und gut aussehen - das wollen wir alle! Ob es die Spuren der letzten Schwangerschaft sind, die wir loswerden wollen, oder die Folgen der fatalen Kombination Fastfood plus Couch, das spielt im Ergebnis nur eine untergeordnete Rolle.
Und wie sieht es mit meiner eigenen Motivation aus? Für mich hat das Thema Gesundheit einen hohen Stellenwert: Die Diagnose Brustkrebs im Jahr 2009 war nicht nur psychisch ein Schock, sondern auch körperlich ein Einschnitt, der nicht leicht zu verkraften war. Die Therapie durchzustehen, ist anstrengend, hat Nebenwirkungen - und sie kostet bis heute relativ viel Zeit, die für andere Dinge fehlt. Der Sport ist dabei immer mehr auf der Strecke geblieben.
Dabei ist Ausdauersport gerade für Krebs-Patienten eine wertvolle Therapie-Unterstützung. Zahlreiche Studien belegen, dass regelmäßiges Ausdauer-Training das Risiko senkt, erneut zu erkranken. Für mich ist das eine starke Motivation!
Eine Krebserkrankung ist immer mit einem Gefühl der Ohnmacht verbunden. Im Verborgenen hat sich ein mutierter Zellhaufen zu einer Bedrohung entwickelt. Man spürt das aber nicht und kann folglich nichts dagegen tun. Glücklich ist, wer die Gefahr rechtzeitig entdeckt.

Ein gutes Gefühl

Zu wissen, dass ich durch einen sportlichen Lebensstil und gesunde Ernährung der Krankheit etwas entgegensetzen kann, gibt mir die Chance, Stärke zu zeigen und positiv Einfluss zu nehmen, statt dem Schicksal hilflos ausgeliefert zu sein. Ein gutes Gefühl!
Wenn ich morgen früh wach werde und das Wetter nicht so toll ist, wie ich es mir wünsche, werde ich mich daran erinnern, aufstehen und Sportsachen anziehen. Der Schweinehund kann derweil ja gerne noch eine Runde an der Matratze horchen.
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