Kulmbach
Klassik-Open-Air

Vivaldi trifft Piazzolla auf der Kulmbacher Plassenburg

Senta Berger und die Münchner Kammerphilharmonie gastierten zum Schluss der Konzertreihe auf der Kulmbacher Plassenburg. Die Gegenüberstellung der "Vier Jahreszeiten" der beiden Komponisten Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla meisterten die Musiker souverän.
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Die Münchner Kammerphilharmonie interpretierte am Sonntagabend im Schönen Hof der Plassenburg die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und die gleichnamige Komposition von Astor Piazzolla. Fotos: Stephan Herbert Fuchs
Die Münchner Kammerphilharmonie interpretierte am Sonntagabend im Schönen Hof der Plassenburg die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und die gleichnamige Komposition von Astor Piazzolla. Fotos: Stephan Herbert Fuchs
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Eine hübsche Idee: Die "Vier Jahreszeiten" des Barockkomponisten Antonio Vivaldi und die Werke des zeitgenössischen Tango-Königs Astor Piazzolla an einem Abend zu spielen. Freilich, andere haben das auch schon gemacht, aber lange nicht in einem solch stimmungsvollen Umfeld wie dem Schönen Hof der Plassenburg. Mit "Klassik auf der Burg" sind gleichzeitig am Sonntagabend die Plassenburg-Open-Airs 2015 zu Ende gegangen - und zum Schluss zeigte das Wetter dann doch noch einmal seine Unberechenbarkeit.

Wind und Regentropfen

Immer wieder fielen einige Tropfen, immer wieder kamen starke Winde auf, und am Ende wurde es tatsächlich kühler. Schon bei dem ersten kleinen Schauer noch vor der Pause kam Unruhe auf, Schirme wurden aufgespannt, einige suchten Unterschlupf in den Arkaden oder zogen den Regenschutz über.

Senta Berger nahm's gelassen und ging souverän mit dem Wetter um: "Ich sehe, Sie sind tapfer", sagte sie einmal, "Regnet es? Mein Gott, was mach' ma denn jetzt?", ein anderes Mal."

Dabei hatten die Musiker der Kammerphilharmonie da capo München unter der Stabführung ihres Dirigenten Franz Schottky interessante Kompositionen im Gepäck. Nicht nur geographisch, auch historisch unterscheiden sich beide Werke fundamental. Hier Venedig, dort Buenos Aires, hier frühes 18. Jahrhundert, dort späteres 20. Jahrhundert.

Um es gleich vorwegzunehmen: die Musiker der Kammerphilharmonie bewältigten diesen Spagat hervorragend, auch wenn nicht jeder Tempowechsel in sich logisch war und man sich die eine oder andere stärkere dynamische Differenzierung gewünscht hätte.

Die Musiker, allen voran der kroatische Violinsolist Mario Korunic, lassen die jeweils dreisätzigen Violinkonzerte Vivaldis atmosphärisch erklingen. Die Stärke des Solisten liegt in diesem Fall in der Lust des sinnlichen Auskostens von Kontrasten, in der artikulatorischen und agogischen Gestaltung. Dazu kommt ein ausgeprägter Sinn für die eminente Bildlichkeit von Vivaldis musikalisierten Jahreszeiten-Impressionen, etwa in den Wetterphänomenen wie Sturm, Wind, Blitz und Donner, im Rufen der Vögel, in der Ernte oder in der Jagd.

Ganz anders, und doch irgendwie ähnlich ist die Musik von Astor Piazzolla. Der argentinische Komponist gilt, indem er Elemente der Klassik, der argentinischen Folklore, der Neuen Musik und auch des Jazz in den Tango einfließen ließ, als großer Erneuerer des Tango. Ein beeindruckendes Beispiel für dieses Verfahren sind die zwischen 1967 und 1970 entstandenen "Cuatro Estaciones", in denen sich Piazzolla auf vielfältige Weise auf Vivaldi bezieht. Sein Frühling klingt strahlend und hell ganz wie bei Vivaldi.

Vivaldi-Simmer, Piazolla-Winter

Der Sommer ist in besonderer Weise geprägt von der Verbindung von Tango und Barockzitaten. Den Sommer Vivaldis aber zitiert Piazzolla im Winter, beginnt dieser in Argentinien doch, wenn in Venedig der Sommer Einzug hält. Auch hier beweist sie Münchner Kammerphilharmonie und der Geiger Mario Korunic eindrucksvoll, zu welch variablen klangfarblichen Möglichkeiten die Musiker fähig sind.

Die verschobenen Akzente in der Melodik, das Pulsieren der Musik, all das macht Piazzollas Komposition aus und die Musiker geben das an diesem Abend überaus transparent und mit hörbar großer Lust am Musizieren wider.

Und dann ist da noch Senta Berger, die weltberühmte Schauspielerin, die den Abend mit einer ganzen Reihe stimmiger Texte bereichert. Man lernt die Lebensläufe von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla kennen, Vivaldis Sonette liest Senta Berger zunächst auf Italienisch, dann auf deutsch.
Vivaldi hatte diese Sonette seinem Werk als eine Art Inhaltsangabe beigestellt. Aber auch Tango-Texte werden von Senta Berger interpretiert.
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