Trebgast
Laientheater

Vierte Premiere an der Naturbühne ist gelungen

Mit den "Geschichten aus dem Wiener Wald" feierte die Naturbühne Trebgast ihre vierte Premiere.
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"Selbstverständlich ohne andere unmoralische Gedanken": Gesundheitsübungen in fast unbeobachteter Natur. Foto: Klaus Klaschka
"Selbstverständlich ohne andere unmoralische Gedanken": Gesundheitsübungen in fast unbeobachteter Natur. Foto: Klaus Klaschka
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Man sollte sich vom Titel "Geschichten aus dem Wiener Wald" nicht täuschen lassen: Es gibt es keine Walzer-Glückseligkeit, kein Wiener Schmäh oder Küss-die-Hand-gnä-Frau. Ödön von Horváths Volksstück mit dem Titel die beschwingten Strauss-Walzers ist nicht einmal ein Volksstück; am Ende löst sich nicht alles in Wohlgefallen auf. Es ist Realität; bittere Realität - bedrückend-schön für die Naturbühne Trebgast inszeniert von Jasmin Sarah Zamani.

Wie bereits im vergangenen Jahr beim Volksstück "Die drei Eisheiligen" hat die gebürtige Wienerin Zamani auch Horváths Stück aus dem Jahr 1931 näher an die Gegenwart gerückt, ohne dabei alberne Modernismen zu verwenden. Im Prinzip geschieht dies durch die Zwischenmusiken, angefangen bei den Beatles (All You Need Is Love), über Samuel Barbers "Agnus Dei" bis Janis Joplin. Die Handlung selbst lässt sie unverändert in der Zeit.


Versprochen und verlobt

Im Stück selbst geht es, wie bei den meisten Volksstücken, darum, ob sie sich nun kriegen oder nicht. Marianne, Tochter eines Spielwarenhändlers, ist von ihrem Vater an den saturierten Metzger Oskar versprochen, sozusagen auch schon verlobt.

Sie ist jedoch Feuer und Flamme für Alfred, der ihren Jungmädchen-Träumen schön tut. Was sie aber nicht wahrnimmt, ist, dass Alfred, ein bequemer Taugenichts ist. Zumindest verweigert Marianne dem Vater die Heirat mit Oskar, brennt mit Alfred durch und bekommt von ihm ein Kind, das Alfred an sich nicht haben wollte. Für Marianne hat sich auch durch das Leben mit Alfred nichts geändert. War sie für ihren Vater nur die Dienende, so ist sie das auch nach kurzer Zeit bei Alfred: Bedienung und Objekt der Begierde.

Doch als bei Alfred die Begierde nachlässt, vermittelt er Marianne über einen zwielichtigen Freund an eine Baroness, die Marianne zur Tänzerin auszubilden vorgibt. Schließlich landet Marianne in zwielichtigen Etablissements.

Alfred selbst versucht inzwischen sein Glück in Frankreich - "selbstverständlich nicht" wegen der dortigen Frauen. Nach kurzer Zeit ist er wieder zurück, und man trifft sich auf einem Fest, wobei sich die Gesellschaft zum Höhepunkt des Festes entschließt, noch ein gewisses Etablissement zu besuchen. Und trifft dort durch arrangierten Zufall auf Marianne, die sämtliche moralische Vorhaltungen über sich ergehen lassen muss.


Alle Schauspieler stets präsent

Jasmin Sarah Zamani glückt in ihrer Inszenierung auf dem Wehlitzer Berg ein bestechender Coup: Sämtliche 19 Schauspieler des Trebgaster Ensembles sind während der gesamten Aufführung permanent auf der Bühne. Wer allerdings gerade nicht direkt mit dem Spiel der Handlung befasst ist, den steckt sie in schwarze lange Mäntel und verteilt sie weit- und engräumig um die Handlung. Stumm die Szene beobachtend: Die schweigende Masse? Die Hüter der Moral und der Konventionen?

Wenn in der Szene aber die Scheinheiligkeit der Moralen offenbar wird, dann wenden sich die stummen Beobachter ab, als wollten sie davon nichts wissen oder sie verlassen in Gruppen die Szene in den hinteren Raum der Bühne. Die an sich wild-romantische Kulisse wird dadurch fast unheimlich, so als ob hinter jedem Baum die allumfassende Moral nicht nur wacht sondern droht - ein dramaturgisches Ereignis, das man vielleicht weniger in den vorderen, wohl aber in den mittleren und hinteren Reihen intensiv erleben kann.

Die ganze Inszenierung ist eine Ensembleleistung. Einzelne Rollen fallen selten aber nicht eklatant heraus. Selbst die Figur der Marianne - für Melanie Eheim ihre erste tragende Rolle - bleibt ein fast statisches Teil im Ensemble.
Und gerade diese völlig homogene Ensembleleistung bestach in diesem Jahr bei der vierten Premiere auf der Trebgaster Naturbühne.

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