Untersteinach

Verlässt Röttgen die Gemeinde Untersteinach?

Der Omnibus- und Kfz-Handel Mario Röttgen trägt sich mit den Gedanken, den Firmensitz zu verlagern. Röttgen braucht mindestens 30 000 Quadratmeter Fläche.
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Mario Röttgen - hier mit Verkaufsleiter Torsten Spörl - hat ein insolventes Busunternehmen aus der Nähe von Frankfurt aufgekauft. Dazu gehörten allein 96 Busse. Jetzt will der Untersteinacher Unternehmer weiter expandieren. Fotos: Sonja Adam
Mario Röttgen - hier mit Verkaufsleiter Torsten Spörl - hat ein insolventes Busunternehmen aus der Nähe von Frankfurt aufgekauft. Dazu gehörten allein 96 Busse. Jetzt will der Untersteinacher Unternehmer weiter expandieren. Fotos: Sonja Adam
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Der Abstellplatz direkt an der Bundesstraße in Richtung Stadtsteinach quillt vor Bussen förmlich über. Überall stehen die riesigen Gefährte - fahrtauglich, auch optisch in einwandfreiem Zustand. "Wir haben den Mega-Deal des Jahrzehnts gemacht", sagt Unternehmer Mario Röttgen und lacht. Denn seine Firma, der Omnibus- und Kfz-Handel Mario Röttgen - kurz OMR- hat ein insolventes Busunternehmen aus der Nähe von Frankfurt aufgekauft. Ein Millionending, an das sich deutschlandweit niemand herangewagt hatte. Röttgen hat das Geschäft abgewickelt - komplett. "Aber das ging nur, weil wir mit den Sparkassen eine sehr enge und gute Zusammenarbeit pflegen und weil sie sich darauf eingelassen haben, das ganze Paket zwischenzufinanzieren."


96 Busse in drei Tagen geholt

Zu dem Unternehmen gehörten alleine 96 Busse. "Wir mussten diese innerhalb von drei Tagen nach Untersteinach holen", erzählt Röttgen vom größten Geschäft in der Unternehmensggeschichte. Mit einem einzigen Bus hatte er 2005 in der Tradgasse in Untersteinach angefangen. Seitdem kauft er Busse, setzt sie instand und veräußert sie weiter. Auch mit den Fahrzeugen aus den insolventen Verkehrsbetrieben wird er es so handhaben. "Das Geschäft läuft. Mehr als die Hälfte ist schon wieder verkauft", sagt Röttgen.

OMR hat sich inzwischen zum größten Omnibus- und Kfz-Handel in Deutschland hochgearbeitet. Mario Röttgen beschäftigt derzeit fünf Fahrer auf Minijob-Basis, fünf Mitarbeiter im Büro und zehn Mechaniker. "Wir haben jetzt schon Kontakte mit einem rumänischen Arbeitsvermittler geknüpft, weil ich einfach keine Arbeitskräfte in der Region finde", klagt der Unternehmer.

Derzeit sucht er händeringend nach neuen Flächen. "Wir haben das Gelände in der Tradgasse, einen Abstellplatz an der Bundesstraße, im Industriegebiet und Richtung Ludwigschorgast. Wir sind ständig mit vier oder fünf Autos unterwegs, um Kunden von Platz zu Platz zu fahren und ihnen die Busse zu zeigen - das geht so nicht mehr", so Röttgen, der aber zuversichtlich ist, im Landkreis ein geeignetes Gelände zu finden.

"Wir verkaufen die Busse nicht nur, wir vermieten sie auch, allerdings ohne Fahrer", erklärt Mario Röttgen. Auch diese Geschäftsidee ist erfolgreich, schon wegen der vielen Asylbewerber. Schon 30 Busse hat Röttgen nur wegen der Flüchtlinge an den Mann gebracht. "Allein in Berlin fahren sechs Busse von uns Asylbewerber von den Erstaufnahmeeinrichtungen zu den Unterkünften." Die dortigen Firmen scheuen sich natürlich, eigens wegen der Asylbewerber Busse zu kaufen, weil niemand weiß, wie sich die Lage entwickelt. Und ein Bus kostet immerhin ab 240 000 Euro. In Berlin sind die Busse bis Oktober gebucht.


Gasthaus "Lindengarten" gekauft

A propos Flüchtlinge: Von der Öffentlichkeit unbemerkt, hat Röttgen das Gasthaus "Lindengarten" in Untersteinach gekauft. "Ich habe es saniert und mit Duschen ausgestattet. Es sind jetzt Betten drin, und eigentlich könnten sofort Asylbewerber einziehen. Aber ich habe schon mehrfach beim Landratsamt nachgefragt, ich bekomme einfach keine", so Röttgen, der nicht so recht nachvollziehen kann, woran sein Angebot scheitert. Bis zu 40 Asylbewerber könnte er sofort im "Lindengarten" unterbringen. Doch immer hört er die Antwort: Kein Bedarf. Mario Röttgen wäre allerdings nicht der Unternehmer, wie man ihn kennt, wenn er keinen Plan B hätte. "Wenn ich keine Asylbewerber bekomme, nutze ich das Anwesen für die Unterbringung von Fahrern"


Auch Textilwerke erworben

Außerdem hat Röttgen die Textilwerke Kufner in Tannenwirtshaus erworben. "Aber das ist alles schon wieder vermietet. In einem Teil ist der Windpark Münchberg und lagert dort Kabelrollen und andere Ausstattung. In der Halle ist Lochner Elektrik. Außerdem habe ich dort auch einen Platz für Omnibusse", sagt Röttgen. Nicht zu vergessen sein Mega-Wohnmobil: Der 18 Meter lange, 2,50 Meter breite und vier Meter hohe 28-Tonnen-Koloss steht ebenfalls in Tannenwirtshaus.

"Wir fahren jetzt nach Norwegen, um dort einige Busse zu verkaufen. In diesem Jahr sind wir auch in Belgien, in der Türkei und in China auf der Messe", kündigt Röttgen an und unterstreicht sein Ziel: weiter expandieren, weiter wachsen. Derzeit führt Röttgen bereits mit einem Grundstückseigentümer Verhandlungen. Eines ist aber sicher: Dem Landkreis Kulmbach will er treu bleiben.


Gemeinde hat kein Grundstück

"Ich weiß, dass OMR nach weiteren Flächen sucht", sagt Bürgermeister Volker Schmiechen. "Es wäre natürlich nicht gut, wenn ein so großes Unternehmen Untersteinach verlassen würde. Aber die Gemeinde hat kein Grundstück in dieser Größenordnung, das wir anbieten könnten", sagt Schmiechen.

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