Kulmbach
Verkehrsverbund Nürnberg

VGN-Beitritt ist derzeit nicht finanzierbar

Der Anschluss an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg wäre für den Landkreis Kulmbach ein sehr kostspieliges Unterfangen. Der Kreistag, der diesen bereits 2013 abgelehnt hatte, hofft auf ein staatliches Förderprogramm.
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Bahnkarten kann man in Kulmbach lösen, aber nicht die Tickets des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg.
Bahnkarten kann man in Kulmbach lösen, aber nicht die Tickets des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg.
Bis zu sechs Personen, darunter maximal zwei Erwachsene, die für 18 Euro durch das ganze Gebiet des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) fahren dürfen - ein attraktives Tagesticket, das Kulmbachern aber vorenthalten bleibt. Denn VGN-Tickets wird man aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren im Landkreis nicht lösen können.

Der Beitritt zum Verkehrsverbund in der Metropolregion Nürnberg wird vom Kreis zwar weiter angestrebt, ist finanziell aber nach wie vor nicht darstellbar. 908 000 Euro hätte der Anschluss im Jahre 2014 gekostet, jeweils über 400 000 Euro wären in den Folgejahren fällig gewesen. Im April 2013 hatte sich der Kreistag daher einstimmig dafür ausgesprochen, dem VGN-Beitritt erst näher zu treten, wenn es neue Rahmenbedingungen gibt.


"Ein Zeichen geben"

Gestern stand das Thema erneut auf der Tagesordnung.
Hermann Anselstetter hatte für die SPD in einem Antrag gefordert, dass die Beitrittsbemühungen forciert werden. Auch die Finanzierungsgespräche mit der Staatsregierung sollten intensiviert werden, damit der Beitritt durch Fördergelder oder Infrastruktur-Beihilfen abgefedert werden könne. Anselstetter sieht den Landkreis in der Pflicht, dem VGN ein Zeichen zu geben. "Wir brauchen eine Beitrittsstrategie und keine Abwartetaktik", sagte er.


"Kein Zeitdruck"

Dass sich die Rahmenbedingungen seit 2013 nicht grundsätzlich geändert haben, stellte der ÖPNV-Beauftragte des Landkreises, Michael Beck, fest. Beck machte deutlich, dass der VGN dem Landkreis eine mögliche Neuberechnung der Ausgleichszahlungen für den Zeitraum 2016 bis 2019 zugesichert habe. Zeitdruck bestehe nicht.


Chancen im Freizeitverkehr

Laut Beck liegen die Chancen einer Mitgliedschaft im Verkehrsverbund vor allem im Ausbau des Freizeitverkehrs. Davon könnte etwa der Tourismus profitieren. Die Zahl der Pendler, die von günstigeren Tarifen einen Nutzen ziehen würden, sei dagegen gering. 500 bis 600 Fahrten nach Nürnberg fänden täglich statt.
"Es gäbe Vorteile für wenige, aber Kosten für viele", sagte Kulmbachs OB Henry Schramm (CSU) und führte an: "Für das Geld, das wir für den Beitritt aufbringen müssten, könnten wir jeden FCN-Fan mit dem Taxi nach Nürnberg fahren." Der Beitritt wäre auch mit Preiserhöhungen im Kulmbacher Stadtbusverkehr verbunden. "Und die will ich vermeiden."

CSU-Sprecher Gerhard Schneider machte deutlich, dass seine Fraktion der SPD-Forderung nicht folgen werde. "Wir wollen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Steuergeldern. Deshalb lehnen wir den Beitritt unter den jetzigen Bedingungen wie 2013 ab", sagte Schneider. Eine Einschätzung, die die Freien Wähler teilen, wie Klaus Förster bestätigte.


Pöhlmann: Aufgabe der Politik

"Es geht nicht um Zustimmung oder Ablehnung", sagte Veit Pöhlmann (FDP). Die Anbindung des ländlichen Raums an die Metropolregion sei eine politische Aufgabe, deren Kosten nicht die Kommunen, sondern der Freistaat tragen müsse. Pöhlmann forderte eine Resolution, mit der die Staatsregierung aufgefordert werden sollte, ein Finanzierungsprogramm aufzustellen. Man sollte gemeinsame Sache mit anderen Kommunen machen, die sich den VGN-Beitritt nicht leisten können.
Wie Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) ausführte, führen derzeit Wunsiedel, Tirschenreuth, Neustadt an der Waldnaab und die Stadt Weiden Beitrittsverhandlungen. Ob dort der Anschluss erfolge, sei mit Blick auf die Kosten fraglich.


Kreis sucht Gespräch mit VGN

Über die Forderung der SPD wurde in der gestrigen Sitzung nicht abgestimmt. Die Kreistagsmitglieder kamen überein, Anfang 2016 erneut das Gespräch mit der VGN-Geschäftsführung sowie heimischen Verkehrsunternehmern zu suchen.
Das günstige VGN-Tagesticket bleibt im Landkreis Kulmbach vorerst weiter ein Wunschtraum.
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