LKR Kulmbach
Terroranschlag

Urlauber im Kulmbacher Land: Fast alle Tunesien-Buchungen sind storniert

Genau das wollten die Terroristen erreichen: Mit Anschlägen auf Urlauber die wichtigste Säule der tunesischen Wirtschaft - den Tourismus - zerstören. Auch im Kulmbacher Land hat die schreckliche Tat eine Welle von Reise-Stornierungen zur Folge.
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Ein Absperrband umgibt den Strandbereich des Imperial Marhaba Hotels. Mindestens 39 Menschen starben bei einem Terroranschlag im tunesischen Badeort Sousse - größtenteils Urlauber. Foto: Andreas Gebert/dpa
Ein Absperrband umgibt den Strandbereich des Imperial Marhaba Hotels. Mindestens 39 Menschen starben bei einem Terroranschlag im tunesischen Badeort Sousse - größtenteils Urlauber. Foto: Andreas Gebert/dpa
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39 Menschen hatte ein 23-jähriger, später selbst getöteter Attentäter am Freitag in der Nähe der Hafenstadt Sousse brutal erschossen, 39 verletzte er zum Teil lebensgefährlich. Ein Bekennerschreiben des "Islamischen Staates" pries ihn als Soldaten des Kalifats. Die Bilder vom Tatort gingen um die Welt.

Über 5000 Briten, 2000 Belgier und 200 Deutsche sind inzwischen von den Reiseveranstaltern ausgeflogen worden, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Eine Katastrophe für die Tourismusindustrie des Landes, in der 470 000 Menschen direkt im Urlaubsgeschäft arbeiten, was knapp 14 Prozent aller Beschäftigten entspricht. Und das genau zu Beginn der Hauptsaison.

Für komplette Saison gültig

Obwohl die Regierung in Tunis inzwischen eine Touristenpolizei zum Schutz der Hotels und der Urlauber ins Leben gerufen hat, ist das Vertrauen der Gäste in die Sicherheitsvorkehrungen zerstört.

Claudia Hoffmann vom Tui Travel Star Reisebüro in Untersteinach hatte sich nach dem Attentat sofort mit den Reiseveranstaltern in Verbindung gesetzt und die Mitteilung erhalten, dass Umbuchungen und Stornierungen kostenlos möglich sind. "Und zwar für die ganze Saison bis in den September hinein."

In der Zwischenzeit hatte Claudia Hoffmann bis auf eine Ausnahme mit allen ihrer rund 20 Tunesien-Reisewilligen Kontakt. Ergebnis: Nahezu alle haben mit neuem Ziel umgebucht.

Ägypten hingegen, so die Fachfrau, ist trotz der Anschläge und der seit Jahren gültigen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes "nach wie vor ganz beliebt", vor allem bei Tauchern. Was dort aber zu beobachten ist: Die Zahl der Buchungen von Ausflügen ins Landesinnere geht merklich zurück.

Stefan Goller vom gleichnamigen Reisebüro in Stadtsteinach ("Tunesien ist bei uns jetzt nicht unbedingt ein Mega-Renner") hat ebenfalls im Kundenauftrag einen Großteil der Tunesienbuchungen storniert oder andere Reiseziele vermittelt.

"Die Kunden suchen sichere Ziele", sagt er und bedauert es, dass der tunesische Tourismus nach einer spürbar besseren Nachfrage im vergangenen Jahr nun einen solchen Rückschlag hinnehmen muss. Vor diesem Hintergrund ist es für ihn auch verständlich, dass Marokko oder Ägypten bei ihm kaum mehr nachgefragt werden.

Kreuzfahrten ohne Tunesien-Stop

Trotz der schrecklichen Ereignisse hat Goller "einige wenige Kunden", die am Reiseziel Tunesien festhalten. Diejenigen, die sich im Zuge einer Kreuzfahrt auf Tunesien gefreut hatten, werden wohl von den Veranstaltern enttäuscht: "Viele Gesellschaften steuern das Land nun von sich aus nicht mehr an."
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