Kulmbach
Interview

Ur-Saxofonist von ABBA mit Coverband auf Tournee

Wie schafft es eine Cover-Band von ABBA, verflixt nahe ans Original heranzureichen? Sie lädt sich Original-Musiker ein.
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UIf Andersson spielt das Saxofon-Intro zu "I do I do I do", daneben die Sängerinnen Katja Nord und Camilla Dahlin. Der 75-jährige Schwede hat mit dem Original-Abba-Vierer musiziert, steht nun mit der "Abba Tribute Show" auf der Bühne. Foto: Semmel Concerts/Herbert Schulze
UIf Andersson spielt das Saxofon-Intro zu "I do I do I do", daneben die Sängerinnen Katja Nord und Camilla Dahlin. Der 75-jährige Schwede hat mit dem Original-Abba-Vierer musiziert, steht nun mit der "Abba Tribute Show" auf der Bühne. Foto: Semmel Concerts/Herbert Schulze
Bei der "Abba Tribute Show", die als beste der Welt gilt, ist das der Saxofonist der ersten Stunde, Ulf Andersson. Wer den Namen Ulf Andersson im Internet sucht, stößt - auf einen Schachspieler. Ein Musiker? Fehlanzeige.


Bei "Fernando" an der Querflöte


Dabei ist Saxofonist Ulf Andersson alles andere als nur ein Tönchen in der Bläser-Riege: Er hat für Abba das berühmte Intro bei "I do I do I do" eingespielt und die Querflöte in "Fernando". Der Original-Vierer ist seit 1982 Geschichte - aber mit der "Abba Tribute Show" erlebt der Schwede eine Art Déjà-vu.

Wir haben den 75-Jährigen vor dem Auftritt in der Hofer Freiheitshalle am 28.
Februar gefragt, warum selbst eine Milliarde Dollar Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid nicht zu einer Comeback-Tour zu motivieren vermochte, wie er die legendäre Australien-Tour 1977 erlebte und warum vor allem die Rückansicht einer Blondine down under Aufsehen erregte.

Herr Andersson, Sie gehörten zur Original-Band von Abba. Stimmt es, dass es Ihr Namensvetter Benny Andersson war, der sie am Telefon fragte, ob Sie bei der Gruppe einsteigen wollen?
Ulf Andersson: Es war im Jahr 1975, ist also mehr als 40 Jahre her. Damals hat mich, wenn ich mich richtig erinnere, nicht Benny angerufen, sondern Björn Ulvaeus. Er fragte mich, ob ich ins Metronome Studio in meiner Heimatstadt Stockholm kommen kann. Es stand damals die Aufnahme von "I do I do I do" an. Alles war fertig an dem Song - nur der Saxofon-Part musste noch eingespielt werden.

Wie darf man sich die Aufnahme im Tonstudio vorstellen? Björn und Benny können ja, man glaubt es kaum, keine Noten lesen. Haben Sie Notenpapier mitgebracht?
Ja, ich sollte Notenpapier mitbringen, um die Saxofonparts niederzuschreiben. Benny saß am Klavier und zeigte mir Note für Note, was ich spielen sollte. Er spielte ein paar Takte und ich schrieb die Noten dazu auf. Nach ein paar Minuten war meine Arbeit getan. Ich erinnere mich, wie fasziniert und beeindruckt ich davon war, dass Benny das gesamte Arrangement im Kopf hatte. Das war die Art und Weise, wie Björn und Benny arbeiteten. Sie waren nicht vertraut mit der Notation, stattdessen benutzten sie ein kleines Aufnahmegerät, um ihre Ideen für neue Kompositionen festzuhalten. Mein Beitrag zu "I do I do I do" war in nicht einmal einer Stunde hinzugefügt. Ich war noch an Titeln beteiligt wie "Ring Ring", "Voulez vous" oder "The Man in the Middle".

Sie gehörten auch zur Band, als Abba 1977 ihre unglaublich erfolgreiche Tournee durch Australien absolvierten. Die Begeisterung dort findet bis heute in dem Ausdruck "Abba Mania" ihren Niederschlag. Tausende Fans empfingen die Schweden schon am Flughafen, sogar ein dokumentarischer Spielfilm entstand über die Tour. Welche Erinnerungen haben Sie an die Tage "down under"?
Australien war in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Der Erfolg in Europa war schon großartig, aber die öffentliche Aufnahme der Band auf dem fünften Kontinent war gigantischer, als jeder von uns damals erwarten konnte. Massen vor allem junger Leute schrien vor unseren Hotels "We want Abba", belagerten uns wegen Autogrammen. Die Menschen reihten sich auf den Bürgersteigen entlang der Straßen, an denen wir entlangfuhren zu den Auftritten. Unsere beiden Eröffnungskonzerte in Sidney verfolgten über 50 000 Besucher. Sogar massive Regenfälle konnte die Menge nicht in ihrer Begeisterung bremsen.

Eine der erstaunlichsten Diskussionen jener Tage entspann sich über über Agnethas durchaus opulent zu nennenden Po. Vor allem australische Journalisten fanden die Rückansicht der Blondine wunderbar. Und Sie?
Es war offensichtlich, dass die Journalisten Agnethas Hinterteil wunderbar fanden. Wir Jungs in der Band, die wir ja immer hinter ihr standen, hatten daran ohnehin keinen Zweifel. Aber um die Musik korrekt zu spielen, taten wir unser Bestes, uns nicht ablenken zu lassen und uns auf unsere Arbeit zu konzentrieren.

Wie würden Sie das Verhältnis der Musiker zu den vier Abba-Mitgliedern beschreiben?
In den Vorbereitungen und den Proben zu den Tourneen arbeiteten wir eng und auf einer freundlichen Basis zusammen, vor allem mit Björn und Benny. Sie hatten als Komponisten ja die Hauptverantwortung für das endgültige musikalische Ergebnis zu tragen. Während der Tourneen waren wir Musiker in anderen Hotels untergebracht und hatten auch andere Reisearrangements. So kamen wir dann lediglich auf der Bühne zusammen.

Abba wurde nach dem - übrigens nie offiziell verkündeten - Ende der Band eine Milliarde Dollar angeboten, wenn sie nochmals für 100 Konzerte zusammen kommen. Das war 2014, also 40 Jahre nachdem Grand-Prix-Sieg mit "Waterloo". Die Gruppe lehnte ab. Bedauern Sie, dass es nicht zu einer Reunion gekommen ist?
Es gab viele Fragen und Spekulationen darüber. Ich glaube, die Erklärung dafür ist: Abba existiert nicht mehr als Gruppe. Sie könnten sich nicht mehr in der professionellen Art und Weise auf solche Auftritte vorbereiten, wie sie es ihrem eigenen Anspruch schulden. Zudem sind Björn und Benny mit anderen Projekten betraut, unter anderem arbeiten beide an eigenen Musicals.

Sie stehen nun seit einigen Jahren mit "Abba the Tribute Show" auf der Bühne. Wie fühlt es sich an, Abba-Songs zu spielen mit zwei Männern und zwei Frauen, die ähnlich aussehen und fast so singen wie Björn, Benny, Agnetha und Anni-Frid?
Es gibt so viele Hits, die Abba produziert haben, und ich genieße es, sie im Rahmen einer Tribute-Show zu spielen. Ich mag viele der Songs, sie haben einen ganz eigenen Sound, der auch heute noch funktioniert und bei den Menschen ankommt.

Apropos Hits: Was ist Ihr persönlicher Abba-Favorit?
Wenn ich einen Titel herausgreifen soll, dann "Dancing Queen".

Das Gespräch führte
Jochen Nützel.

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