Kulmbach
Bauwerke

Unkraut sprießt aus allen Ritzen

Am Prunkportal des Christiansturms auf der Kulmbacher Plassenburg sind erhebliche Schäden zu erkennen. Die Bayerische Schlösserverwaltung will nun die Kosten für eine Sanierung ermitteln.
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Auch das Reiterstandbild am Christiansportal weist Schäden auf. Ein Netz soll Tauben fernhalten und Besucher schützen. Foto: Holger Peilnsteiner
Auch das Reiterstandbild am Christiansportal weist Schäden auf. Ein Netz soll Tauben fernhalten und Besucher schützen. Foto: Holger Peilnsteiner
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Dem aufmerksamen Betrachter ist im Kasernenhof der Plassenburg nicht verborgen geblieben, dass das einem Triumphbogen ähnelnde Christiansportal und der nach ihm benannte Turm deutlich sichtbare Schäden aufweisen. An vielen Stellen haben sich Gräser, Büsche und sogar kleine Bäume in den offenen, mörtellosen Fugen des Mauerwerks eingenistet.
An einigen Stellen klaffen Löcher, Teile der Figuren sind abgebrochen. Gefahr für die Besucher der Plassenburg besteht nicht, da weite Bereiche des Portals von Netzen umhüllt sind, die Vögel von einer Besiedelung abhalten und das Herabfallen von abgebrochenen Teilen verhindern sollen.
Als herrschaftliches Zeichen und künstlerischen Abschluss der Bauarbeiten zum Bollwerk "Hohe Bastei" ließ Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach von 1606 bis 1608 den nach ihm benannten Christiansturm errichten. Das massige Bauwerk entstand an der Nordwestecke der "Hohen Bastei" und diente vorrangig als Treppenturm zum oberen Gewölbe der Bastei sowie zur Verbindungsmauer zur "Kleinen Bastei" im Norden.
Geplant wurde das Bauwerk wohl von Albrecht von Haberland, die baukünstlerische Ausgestaltung lag in den Händen von Hans Werner, der maßgeblich für das Prunkportal in manieristischen Formen verantwortlich war. Das künstlerisch außerordentlich bedeutsame Werk diente zur Verherrlichung des Markgrafen Christian als Bauherrn, der seine finanzielle und militärische Potenz jedem Besucher demonstrieren wollte und seinen Anspruch auf den Titel und die Rechte eines Burggrafen von Nürnberg öffentlich präsentierte.
Vier breite Stufen führen zu dem zweistöckigen Portal, das vor allem von zehn Löwen geschmückt wird. Sechs Löwenköpfe mit aufgerissenem Maul zieren die Sandsteinpostamente, auf denen sich die das eigentliche Tor einrahmenden und die Figurengruppe tragenden Säulen erheben. Drei dieser Großkatzen haben deutliche Schäden erlitten, zweien fehlt der ganze Unterkiefer. Auch der auf das hölzerne Portal von einem unbekannten Künstler überlebensgroß gemalte, aufsteigende Löwe hat wohl schon bessere Tage erlebt. Während des ganzen Jahres Wind und Wetter ausgesetzt, verblasst er immer mehr, und an einigen Stellen blickt das Holz durch die Farbschichten. Es ist die Darstellung des Burggrafenlöwen von Nürnberg, die den Anspruch der Familie Hohenzollern auf das Burggrafenamt zu Nürnberg versinnbildlicht.
Noch hält der den Schlussstein des Torbogens zierende Löwe die vergoldete Sandsteinkugel fest in seinen Reißzähnen, aber wie lange noch?
Die Säulen des Portals sowie der auf ihnen ruhende Architrav werden von einem Eierstabfries geziert, der an einigen Stellen ausgebrochen erscheint und eine ganze Reihe seiner Eier verloren hat, was sich vor allem über den Gold hinterlegten Bauinschriften bemerkbar macht.
Das zentrale Reiterstandbild zeigt den Markgrafen in Rüstung auf einem steigenden Pferd, das einen Teil der steinernen Muskulatur seines linken Vorderlaufs verloren hat. Er wird flankiert von zwei Kriegern in antik anmutender Kleidung, deren Schilde einst die Aufschrift "SPOR" (Senatus Populusque Romanus - übersetzt der Senat und das Römische Volk) trugen, einen Hinweis auf den Markgrafen als Fürsten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Leider sind nur noch Teile der Buchstaben vorhanden und deutlich zu lesen. Über dem Markgrafen steht in einem gesprengten Giebel die Göttin Minerva, die für Weisheit und Kriegsführung steht, umgeben von kriegerischen Attributen und umwuchert von verschiedensten Pflanzen. Ihr Helm sowie ihr Schild weisen sichtbare Verwitterungsspuren auf.
Auch die Postamente der beiden mit Fratzen und goldenen Kugeln geschmückten Obelisken werden von Löwenköpfen geschmückt, die leider auch schon gefährlicher ausgesehen haben mögen. Bedauerlich ist auch, dass die einst prachtvolle Wetterfahne des Turms den Stürmen der letzten Jahre zum Opfer gefallen ist.
Laut Schlösserverwaltung wird der Christiansturm in den kommenden Monaten genauestens untersucht. Der in der Bauabteilung der Schlösserverwaltung zuständige Referent Peter Seibert teilte mit, dass eine solche Grundermittlung der Schäden für eine kommende Restaurierung unabdingbar ist, um den Umfang der Arbeiten und der Kosten abschätzen zu können. "Wir sind sehr darauf bedacht, dieses kunsthistorisch außerordentlich bedeutende Prunkportal für uns und unsere Nachwelt zu erhalten", so Seibert.
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