Pölz
Hochwasser

Umweltminister Huber gibt Pölzer Deich frei

Immer wieder wurde der Mainleuser Ortsteil Pölz von den Main-Fluten bedroht. Mit dem Bau eines 2,2 Millionen Euro teuren Walls ist das vorbei. Umweltminister Marcel Huber übergab das Bollwerk am Freitag seiner Bestimmung.
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Den Schlüssel zum Pumpwerk überreichte am Freitag Umweltminister Marcel Huber unter großem Medieninteresse an den Mainleuser Bürgermeister Dieter Adam. Im Hintergrund der inzwischen begrünte Deich. Fotos: Jürgen Gärtner
Den Schlüssel zum Pumpwerk überreichte am Freitag Umweltminister Marcel Huber unter großem Medieninteresse an den Mainleuser Bürgermeister Dieter Adam. Im Hintergrund der inzwischen begrünte Deich. Fotos: Jürgen Gärtner
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Sieglinde Escher hatte über die Jahre hinweg ihre ganz eigene Methode entwickelt, um das Hochwasser einschätzen zu können. Wenn die braunen Fluten kamen, steckte sie Stöcke in die Erde. An ihnen orientierte sie sich, ob der Pegel stieg oder fiel. Die gebürtige Pölzerin wuchs mit dem regelmäßig wiederkehrenden Hochwasser auf. "Aber in den vergangenen Jahren ist es intensiver geworden", hat sie beobachtet.

Die Zeiten, dass der kleine Mainleuser Ortsteil regelmäßig unter Wasser stand, dürften nun endgültig vorbei sein. Gestern wurde der Deich um das Dorf vom bayerischen Umweltminister Marcel Huber eingeweiht.
Ob der Bau wirklich so hoch sein musste, da hat Sieglinde Escher zwar ein bisschen Zweifel, weil das Bollwerk in unmittelbarer Nähe ihres Hauses verläuft und jetzt den Blick auf die Mainauen versperrt. "Aber wir haben uns dran gewöhnt", sagt die Frau von Gemeinderat Siegfried Escher.
Und der Damm sei ja auch beruhigend, weil er vor den Fluten schütze.

Mehr extreme Wetterereignisse

Das unterstrich Umweltminister Marcel Huber beim Festakt in Pölz vor zahlreichen Bürgern, Vertretern von Behörden und Kommunalpolitikern. Huber zufolge sei der Klimawandel inzwischen auch in Deutschland spürbar. Extreme Wetterereignisse würden zunehmen.

Um die Menschen in Bayern künftig vor Hochwasser zu schützen, sei das Aktionsprogramm 2020+ aufgelegt worden. Insgesamt 3,4 Milliarden Euro stünden zur Verfügung, 1,6 Milliarden seien schon verbaut worden. Auch für den Deich in Pölz. "Das ist heute ein Festtag für den Ort", betonte der Minister mit Blick darauf, dass damit Ärger, Schmutz, Mühe und Gestank durch das Hochwasser künftig der Vergangenheit angehören. "Und das ist ein Grund zum Feiern."

Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Hof, Benno Strehler, wies darauf hin, dass nicht nur die 200 Menschen
in Pölz von dem rund 1,5 Kilometer langen Schutzdeich profitieren, sondern auch die Natur. Der Fließweg des Mains sei um 260 Meter verlängert worden, indem eine in den 1930er Jahren verfüllte Flussschleife wieder hergestellt wurde. 30 000 Kubikmeter Ausbreitungsflächen für das Wasser seien neu geschaffen worden.
Ein Altwasserarm sei zusätzlich ausgehoben worden. An drei weiteren Stellen wurden Altwasser miteinander verbunden. Zur Unterstützung der Tierwelt in den Biotopen wurden Nistkästen für Fledermäuse, Wasseramseln, Stare und Wildtauben angebracht.

Insgesamt werden von dem 2,2 Millionen Euro teuren Bauwerk 15 Hektar Land umschlossen. 40 Prozent der Kosten trägt der Markt Mainleus, 50 Prozent die Europäische Union, zehn Prozent der Freistaat.

Landrat Klaus Peter Söllner erinnerte an den 28. Mai 2006, als wegen des Hochwassers Katastrophenalarm ausgelöst werden musste. Damals sei man auch Dank der Helfer glimpflich davon gekommen. Mit dem Deich könnten sich die Pölzer nun entspannt zurücklehnen.

Als Dank für die Unterstützung bat Bürgermeister Dieter Adam den Minister darum, sich ins Goldene Buch des Marktes Mainleus einzutragen.
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