Kulmbach
Kunst

Tote Legenden sind sein Leben

Andreas Ole Ohlendorff bannt verstorbene Musiker auf Leinwand. 117 Porträts hat er inzwischen geschaffen. Reproduktionen davon sind bis Ende Februar im Möbelhaus Reiner Wohnsinn in der Pestalozzistraße zu sehen.
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Andreas Ole Ohlendorff vor dreien seiner Bilder. Foto: Sonja Adam
Andreas Ole Ohlendorff vor dreien seiner Bilder. Foto: Sonja Adam
Andreas Ole Ohlendorff ist ein echter Typ. Norddeutsch, hart, aber nicht wortkarg. Zur Vernissage seiner Dead Rock Heads (Tote Rock-Köpfe) kommt er mit cooler Stern-Beanie und Erdmann-Lederjacke. Seine weiße lange Haarmähne trägt er zusammengebunden.
Locker fläzt er sich auf ein Sofa im Wohnstudio von Reiner Späth in der Pestalozzistraße und plaudert mit seinem Bekannten Roland Hermsdörfer, der ihn nach Kulmbach gebracht hat.

Understatement pur

Seine Lederjacke ist Understatement pur. Denn genau solch eine Lederjacke trug er einst in seiner Funktion als Polizist. Nur, dass das Innere des Kleidungsstücks jetzt eines seiner Kunstwerke schmückt - Jimi Hendrix.
Ohlendorff war von 1975 bis 1981 Polizeibeamter in Hamburg. "Ich war auf der weltberühmten Davidwache, auch auf der Reeperbahn", erzählt Ohlendorff und muss heute darüber schmunzeln.

Die Polizei war nichts für ihn

Denn schnell fand er heraus, dass der Polizeiberuf ihm wohl nicht die Erfüllung auf Lebenszeit schenken würde. Andreas Ole Ohlendorff ging auf Weltreise, tourte als Roadie durch die Lande - mit einer Schützenfestband. Er verdiente sein Geld als Koch, als Werftarbeiter.

Dann wurde Andreas Ole Ohlendorff freischaffender Künstler. Seit 1996 malt er unglaubliche Porträts von Rock- und Poplegenden. "Aber ich habe auch Bach, Beethoven und Brahms gemalt", verrät der Künstler.

Mittlerweile hat er 117 großartige Porträts erschaffen - jedes für sich ist ein Meisterwerk, das so viel mehr zeigt als nur das Gesicht des Künstlers. Ohlendorff malt mit Dispersions- oder Ölfarbe auf Leinwand. Er verwendet Strukturpaste, Goldbronze, oder er fertigt Collagen. Manchmal bereichert er seine Werke mit Brandspuren oder mit Silber. Ziemlich häufig kommt "Winsener Erde" zum Einsatz bei der Gestaltung seiner Kunstwerke.

Kein Ende in Sicht

Besonderheiten sind seine Werke alle. Denn er bildet die Künstler, die allesamt Legenden sind, nicht nur ab, sondern setzt sie in einen Kontext. Alle Großen der Pop- und Rockgeschichte faszinierten Ohlendorff - und ein Ende seines Zyklus ist nicht in Sicht.
Die Palette derjenigen, die er schon auf Leinwand verewigt hat, reicht von Janis Joplin über Brian Jones von den Rolling Stones und Jim Morrison bis hin zu Marc Bolan oder Jimi Hendrix. Bob Marley hat er auf einer Hanfleinwand verewigt.

Die Leinwand beschossen

Bei der Realisierung des Porträts von Kurt Cobain hat er die Leinwand mit Schrot beschossen. Als er sich Amy Winehouse widmete, hat er sich für einen Mix aus Kohle, Öl und Collage entschlossen. Das Porträt von Sid Vicious von den legendären Sex Pistols ist auf Sperrholz gemalt.

In Kulmbach allerdings zeigt der Künstler aus der Nähe von Hamburg keine Originale, sondern Reproduktionen. "Das Feuer weiterreichen" ist das Motto.

Die Drucke, die zu erschwinglichen Preisen gekauft werden können, sind allesamt handsigniert. 27 Drucke zeigt Ohlendorff bis Ende Februar in dem Möbelhaus Reiner Wohnsinn in der Pestalozzistraße.
"Ich habe eigentlich als Kind schon immer gerne gemalt. Und Porträts haben mich schon immer gereizt", erzählt Ohlendorff aus seinem Leben.

Für die Vernissage spielte Hecy aus Bayreuth die passende Musik der alten Legenden.
Beeindruckt zeigten sich Bürgermeister Stefan Schaffranek und stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Denn immerhin ist die Ohlendorff-Ausstellung die erste Dead Rock-Ausstellung in Süddeutschland.

Rosina Heumann gewinnt

Bei der Eröffnung wurden Spenden für den Hospizverein Kulmbach gesammelt. Und eine Tombola gab es außerdem. Rosina Heumann gewann dabei den Hauptpreis - sie erhielt ein Bullfrog-Sofa.
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