Kulmbach
Aufruf

Tierschutzverein sagt: "Keine Fellnase als Weihnachtsgeschenk"

Nicht selten landen lebende Weihnachtsgeschenke im Tierheim. Der Verein "Franken helfen Franken" und die BR wollen die Arbeit unterstützen.
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O du fröhliche? Von wegen - vom Regen in die Traufe! Auch wenn die Kulmbacher Tierheim-Mitarbeiter froh sind um jede Fellnase, die sie in gute Hände vermitteln können, warnen sie: Kein Lebewesen gehört als Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Dafür wirbt auch die Tierschutzorganisation PETA. Foto: PETA
O du fröhliche? Von wegen - vom Regen in die Traufe! Auch wenn die Kulmbacher Tierheim-Mitarbeiter froh sind um jede Fellnase, die sie in gute Hände vermitteln können, warnen sie: Kein Lebewesen gehört als Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Dafür wirbt auch die Tierschutzorganisation PETA. Foto: PETA
Sie hat in ihren 20 Jahren als Tierheimleiterin alles gesehen. "Ein Buch könnt' ich schreiben", sagt Susanne Schilling. Dann zählt sie das Grauen auf. Da gab es den Cockerspaniel-Rüden, der sechs Kilogramm verfilztes Fell am Körper kleben hatte und sich kaum noch rührte. Das Kaninchen, das nicht mehr laufen konnte, weil die Krallen sechs Zentimeter lang waren "und keiner auf die Idee kam, sie zu kürzen". Dazu die vielen Katzenkinder, die Augen verklebt vom Katzenschnupfen, das Fell übersäht mit Flöhen, die Ohren dicht von Milben, der Darm voller Würmer. Und nicht zu vergessen: all die durch Misshandlungen von ihren Besitzern schwer traumatisierten und verhaltensgestörten Geschöpfe.


Leben, das den Namen verdient

Tierleid ist ein fester Bestandteil im Leben der 48-Jährigen. Aber auch die Hoffnung, einer ausgemusterten Fellnase oder dem überdrüssig gewordenen Käfiginsassen nach all der Pein ein neues, ein besseres Leben zu vermitteln. Eines in Würde und bei Menschen, denen Tiere mehr bedeuten als kurzfristigen Spaß. Die sie als Lebewesen sehen, nicht als Sache (wie, leider auch, der Gesetzgeber).

Die "Ware Tier" landet nicht selten im Tierheim. Unterm Christbaum zauberte der fluffige Wuschel als Überraschung noch ein Leuchten in die Augen des (meist jungen) Beschenkten - schon ein paar Wochen später fiel die Fellnase in Ungnade, weil sie regelmäßig (!) umhegt, ihr Areal gereinigt oder sie draußen bei Wind und Wetter bewegt wer den musste. Die Entzückung nahm ab; die Pflichten (und Kosten) blieben. Der Neuzugang wurde lästig - und abgegeben.

"Wer sich ein Tier holt, sollte sich im Klaren sein, dass er, zum Beispiel bei Hunden oder Katzen, für zehn Jahre und mehr die Verantwortung trägt", betont Susanne Schilling. Sie wiederholt das bei jedem Gespräch mit Interessenten, weist Mantra-artig auf die Folgen hin, die die Anschaffung eines Tieres mit sich bringt. "Sie wollen versorgt, erzogen und beschäftigt werden - auch in der Urlaubszeit muss das alles gewährleistet sein."

Die Last der Betreuung einem Kind zu überlassen, ist fahrlässig, sagt die 48-Jährige. "Erwachsene müssen wissen, dass sie im Fall der Fälle die Dinge zu richten haben. Insofern sollten ausnahmslos alle Familienmitglieder die Entscheidung bejahen, dass ein Tier einzieht." Stehen nicht alle dahinter, sollte man die Finger davon lassen.

Übrigens auch aus Tiersicht betrachtet: Sich an immer neue Menschen und Umgebungen gewöhnen zu müssen, hin- und hergerissen zu werden, bedeutet Stress pur für Hund, Katze & Co. Die Beispiele für den hinkenden Vergleich, dass "gut gemeint" nicht gleichbedeutend ist mit "gut gemacht", sitzen zuhauf in den Auffangstationen.

Die Kosten für die Versorgung gehen dann zwangsweise auf den Tierschutzverein über. Allein die Arztrechnungen summieren sich auf 30 000 Euro pro Jahr, in gleicher Höhe kommen Ausgaben für Futter dazu, sagt Vorsitzender Wolfgang Hain. Spendengelder machen einen wichtigen Baustein in der Finanzierung aus. Insofern wissen Hain und Schilling die Aktion "Franken helfen Franken" sehr zu schätzen und danken jedem Gönner herzlich - vor allem im Namen der Tiere.

Spendenaktion Die BR und "Franken helfen Franken" möchten den Tierschutzverein Kulmbach und Umgebung unterstützen und bitten um Spenden. Bitte geben Sie als Verwendungszweck "Tierschutz Kulmbach" an.

Kostenlos Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken, zu der die BR gehört. Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie nutzen, um Hilfsbedürftige und Hilfsorganisationen zu unterstützen. Seit der Gründung im Jahr 2009 wurden bislang annähernd 300 000 Euro weitergereicht. Mehr Infos und weitere Kontaktdaten finden Sie unter der Adresse www.franken-helfen-franken.de.

Spendenkonto Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01
BIC: BYLADEM1SKB red


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