"Komm. Greif zu!" Mit dieser Einladung wollen die freiwilligen Helfer der Thurnauer Kleiderkammer Menschen erreichen, die in finanzieller Hinsicht nicht vom Glück gesegnet sind. Am Dienstag wurde die Einrichtung in den ehemaligen Büroräumen der Mobelfabrik Greifzu in der Berndorfer Straße feierlich eingeweiht.


Die Verantwortlichen sind stolz auf das Erreichte


Die Räume sind kaum wiederzuerkennen. Eine ansprechende Verkaufstheke im Eingangsbereich, ein Gemeinschaftsraum, der zu Gesprächen einlädt und natürlich jede Menge Verkaufsständer in den verschiedenen Räumen - die Verantwortlichen sind zu Recht stolz auf das, was sie hier geschaffen haben.

Verkauft werden Kleidungsstücke für Damen, Herren und Kinder und vieles mehr - alles gespendet von Thurnauer Bürgern. Susan Müller hat die Aktion angestoßen. "Wir hatten einen Elternabend in der Schule, da haben die Lehrer für die Asylbewerber in Thurnau um Sachspenden gebeten. Viele der Flüchtlingskinder sind damals ohne Schultaschen, teilweise ohne Jacken und tagelang mit der gleichen Kleidung in die Schule gekommen."

Susan Müller ist aktiv geworden, hat die Asylsuchenden in ihren Unterkünften besucht, Spenden gesammelt, sortiert, koordiniert und verteilt. Schnell wurde klar: Es wird mehr Raum benötigt, um die vielen Spenden zu sammeln und richtig zu verteilen. In den jetzigen Räumen sind die Bedingungen optimal: Es ist genug Platz, der Zugang ist diskre, und Eigentümer Hubertus Elster verlangt keine Miete.


Viele Unterstützer und eine "Mäuse-Spende"


Auch sonst hat das Projekt viele Unterstützer: Dutzende Menschen haben Spenden abgegeben, die nun zu günstigen Preisen verkauft werden können. Die Berndorfer Kirchenmäuse haben in einer Sondervorstellung Geld für die Kleiderkammer eingespielt. Dietmar Hofmann konnte am Dienstag zu den bereits gespendeten 500 Euro weitere gut 900 Euro übergeben. Auch die Schützen, die Firma Kuni Meisel, die Sparkasse und viele weiteren haben direkt oder indirekt geholfen.

Und nicht zuletzt haben viele helfende Hände mit angepackt, sortiert und eingeräumt. Nun müssen nur noch die Kunden kommen. In der Kleiderkammer können Asylbewerber einkaufen, aber auch alle anderen, denen ihr Geld nur schwer reicht, wie Hartz-IV-Empfänger, von Altersarmut Betroffene, Allein-Erziehende und kinderreiche Familien - verlangt werden nur symbolische Beträge.

Mit-Initiator Günter Schölzky betonte, dass gerade in Zeiten von Gruppen wie Pegida das Engagement der Thurnauer besonders hoch zu schätzen sei. Bürgermeister Martin Bernreuther sagte, dass Thurnau stolz auf die Einrichtung sei.


Ökumenische Andacht zur Einweihung


Dekan Hans Roppelt und Pfarrerin Evelyn Leupold gaben der Einrichtung und allen, die darin arbeiten und einkaufen, in einer ökumenischen Andacht den kirchlichen Segen.

Und wenn der große Ansturm Hilfsbedürftiger ausbleibt? Susan Müller ist sich sicher, dass das Engagement so oder so nicht verloren ist. "Die Schar von Menschen, die ungefragt und wie selbstverständlich mit angepackt haben, das hat uns alle, die wir mit gearbeitet haben, so eng zusammen geführt", sagte sie sichtlich gerührt. "Es ist unbeschreiblich, was da passiert ist. Wir haben schon gewonnen!"


Die Öffnungszeiten


Die Kleiderkammer in der Berndorfer Straße (direkt neben dme Netto-Markt) hat für Kunden ab sofort jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Waren können an jedem letzten Freitag im Monat ebenfalls von 16 bis 18 Uhr direkt in der Einrichtung abgegeben werden.