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Hegnabrunn
Theater

Theater in der Kneipe: Gelungener Auftakt in Hegnabrunn

Das Theater in der Kneipe (TIK) unter der Regie von Jürgen Peter feierte mit dem Stück "Passion" eine gelungene Premiere in Hegnabrunn.
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Mit deutlichen Blessuren kehren die beiden Händler, Petrus und Judas, vom Besuch einer benachbarten Theatergruppe zurück. Von links: Nicolas Peter, Michael Lehner, Walter Richter und Andreas Gebel.
Mit deutlichen Blessuren kehren die beiden Händler, Petrus und Judas, vom Besuch einer benachbarten Theatergruppe zurück. Von links: Nicolas Peter, Michael Lehner, Walter Richter und Andreas Gebel.
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Die Premiere der fränkischen Dorfposse über eine geistliche Theaterprobe hielt das, was man sich bereits im Vorfeld von ihr versprochen hatte. Die Besucher erlebten am Samstagabend nicht nur eine professionelle Inszenierung von TIK-Regisseur Jürgen Peter, sondern auch tolle Schauspieler, die von der ersten Minute an begeisterten.

Die dem Theater in der Kneipe eigene, gemütliche Wirtshausatmosphäre war ideal für das Stück "Passion" aus der Feder von Gerhard Loew. Die Besucher konnten für zwei Stunden einen Blick hinter die Kulissen einer Probe werfen, und am Ende war klar, wie nah Theater und Realität beieinander liegen. Die für Sonntag, 15. November, geplante zweite Vorstellung ist bereits ausverkauft.


Witz und Hintergründigkeit

Jürgen Peter präsentierte mit seinem TIK wieder eine Komödie in der heimischen, fränkischen Mundart, die zugleich eine Verbindung vom traditionellen Volkstheater mit aktuellen literarischen Bezügen herstellte. Der Autor versteht es, mit gescheitem Witz und Hintergründigkeit gegen das sonst übliche "Depperlspiel kalauernder Prospektbayern" anzuspielen und der heimischen Mundart als Bühnensprache wieder zu ihrer unverblümten Deftigkeit und zugleich auch spielerischen Lyrik zu verhelfen. Die Probe, die die Akteure um Spielleiter Oskar (Michael Lehner) darstellten, hätte sich auch im richtigen Leben abspielen können.

Eine kleine Ortschaft - irgendwo in Franken - blickt voller Neid auf den Nachbarort, der wie viele andere Dörfer im regionalen Umfeld durch sein Passionsspiel berühmt geworden ist. Letzteres lockt - wie in Oberammergau oder Tirschenreuth - viele Touristen an, die Schauspieler genießen hohes Ansehen. Da war klar: Von diesem Kuchen will man jetzt auch ein Stück abhaben. So versteigen sich die Bewohner in die haarsträubende Idee, ein eigenes Passionsspiel aus dem Boden zu stampfen. Getreu dem Motto: Was Oberammergau kann, können wir auch.

Sehr schnell wird aber deutlich, dass mit Geldgier, Eifersüchteleien und kleinen Liebeleien ein Passionsspiel nicht gelingen kann, denn die individuellen Interessen der Darsteller stehen weit über den religiösen Motiven und gefährden den Erfolg des ambitionierten Projekts.

Die Besucher erleben am Samstag etwa die fünfte Probe, in der natürlich noch nicht alles rund läuft. So hat der eine oder andere Darsteller noch "Hänger" beim Text, es gab erst wenige Kostüme, die Organisation steckte in den Kinderschuhen, und die verschiedenen Marotten der dilettantischen Darsteller machen nicht nur dem Spielleiter, der zugleich auch den Pilatus verkörpern muss, das Leben schwer. Eine Probe wie im richtigen Theaterleben.
Das Chaos wird noch größer, als sich die beiden Händler Petrus und Judas - trefflich dargestellt von Nicolas Peter und Andreas Gebel - entscheiden, sich bei der benachbarten Theatergruppe weitere Ideen zu holen. Das geht aber gründlich schief, blutend und mit deftigen Blessuren kommen sie zurück.
Keine Frage, das TIK hat sich von Ideen des Autors inspirieren lassen, und Jürgen Peter hat sogar brandaktuelle und zugleich polarisierende Elemente bis hin zu einer Großdemo satirisch in der Handlung lebendig werden lassen.


Nur Drei beim Abendmahl

Vieles läuft nicht nach dem Plan von Spielleiter Oskar. Etwa, dass es zum Abendmahl Weißwürste mit Kraut geben soll und er plötzlich feststellt, dass viele Akteure bei der Probe fehlen: "Ich kann doch ein Abendmahl nicht nur mit zwei Aposteln und einem Christus proben."

Man gerät sich in die Haare, als es darum geht, ob Maria (Patricia Wagner) tatsächlich von einer echten Sünderin im Dorf gespielt werden kann oder gar muss: "So eine Rolle spielt doch nur eine, die auch eine Sünderin ist." Der Judas will ein guter Judas sein, und schon ist ein richtiger Streit und Zickenkrieg ausgebrochen. Alfons (Walter Richter), der in das Gewandt des Kaiphas schlüpft, bringt es auf den Punkt: "Wir müssen klaa onfanga, langsam hiewachsen und dann drüber nauswachsen."

Irgendwann ist aber auch der Jesus beleidigt. Florian Popp passt nicht nur äußerlich für diese Rolle hervorragend.

Die weiteren Darsteller: Magdalena (Mona-Isabelle Peter), Annie, die Wirtin (Inge Peter) und ein "Störtebeker" mit Alfred Wruck ein echtes "Nordlicht" von der Waterkant. Mit Eric Idles Lied "Always Look on the Bright Side of Life" stimmt Nicolas Peter als Petrus auf die Kreuzigung an, zugleich das Ende der Probe.

Unter den Gästen ist auch der Vizepräsident des Verbandes Bayerischer Amateurtheater, Kurt Rodehau, der auch kurz mitspielen darf: "Glückwunsch zur Darstellung eurer eigenwilligen Passion. Heute haben wir etwas erlebt, wenn auch in einem übertriebenen Maß, wie es eigentlich wirklich hinter den Kulissen zugeht. Dies darzustellen, das habt ihr hervorragend rüber gebracht, dabei in der einmaligen Kulisse einer Gaststätte."

Auch Bürgermeister Siegfried Decker gratuliert Regisseur Jürgen Peter und seinem Team zu de gelungenen Theaterabend.
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