Kulmbach

Terror trifft die Tourismusbranche

Auch die Kulmbacher sind nach den Terroranschlägen in aller Welt verunsichert und zögern bei der Urlaubsbuchung. Neben Ägypten wird die Türkei Touristen verlieren, sagen die Reisebüros.
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Wohin geht die Reise? Eine Frage, die auch viele Kulmbacher in Zeiten des Terrors beschäftigt. Foto: Alexander Hartmann
Wohin geht die Reise? Eine Frage, die auch viele Kulmbacher in Zeiten des Terrors beschäftigt. Foto: Alexander Hartmann
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Türkei-Urlaub? Der kommt für Katharina Sattler 2016 nicht in Frage. "Dabei sind wir immer gerne in die Türkei geflogen", sagt die Burghaigern, die heuer mit einem unguten Gefühl in den Urlaubsflieger Richtung Riviera steigen würde.

Tote Touristen in Istanbul, Paris, Tunesien, Ägypten und - erst gestern - in Indonesien : Der Terror regiert die Welt und trifft mehr und mehr die Tourismus-Branche. Es sei die schwierigste Phase in den 30 Jahren, die sie ihr Reisebüro nun schon leitet, sagt Brita Ziegler vom "Holiday Land" am Marktplatz. Ziegler weiß, dass viele Kulmbacher in diesen Tagen die Reisekataloge wälzen und sich dabei fragen, wo man sich noch sicher fühlen kann. Doch die absolute Sicherheit wird nirgends garantiert.

Auf die Hotels in den türkischen Urlaubsregionen kommen schwere Zeiten zu.
Davon ist Brita Ziegler überzeugt, auch wenn sich der jüngste Anschlag viele 100 Kilometer von den Stränden entfernt in der Hauptstadt ereignet hat. Die unsichere politische Lage im ganzen Land zeige Wirkung. Erst am Montag hatte das Auswärtige Amt die Reisehinweise verschärft. Die Nachfrage nach den All-inclusive-Urlauben wird weiter nachlassen, glaubt Brita Ziegler.


Schwerer Schlag

Der Renner bei Frühbuchern sind in ihrem Reisebüro das spanische Festland und die Kanaren. Mehr und mehr in den Hintergrund rücke ein Urlaubsland, das sich nach dem Arabischen Frühling etwas erholt hatte: Ägypten. Der jüngste Angriff auf ein Hotel in Hurghada werde der Tourismusbranche weiter zusetzen. Dabei müsse jeder für sich abwägen, ob er dort Urlaub machen wolle. Sie selbst sei noch im Dezember beruflich in Hurghada gewesen. "Mein Mann wollte mich nicht fliegen lassen. Ich hatte aber null Angst."


Die Suche nach Alternativen

Wie sich die jüngsten Anschläge auf die Zahl der Buchungen auswirken wird, vermag Stefan Schaffranek vom gleichnamigen Reisebüro am Zentralparkplatz nicht abzuschätzen. Auch er weiß, dass viele Kunden, die bis dato regelmäßig in die Türkei geflogen sind, nach Alternativen Ausschau halten. "Da ist eine deutliche Verunsicherung zu spüren." Dabei sei die Türkei in Sachen Preis-Leistungsverhältnis kaum zu toppen. Für die dortigen Hotels könnte es eine schwere Zeit werden, nachdem russische Reiseveranstalter das Land ohnehin boykottieren - eine Reaktion auf den Abschuss einer Militärmaschine durch die türkische Luftwaffe.


Mit Buchung nicht lange warten

Wie im Reisebüro am Markplatz ist auch bei Schaffranek 2016 mehr denn je Spanien gefragt. Aber auch Griechenland und Portugal würden gebucht. Wer sich für diese Länder interessiert, sollte nicht allzu lange warten, rät Stefan Schaffranek: "Denn dort werden die Hotels aufgrund der großen Nachfrage relativ bald voll sein."
Claudia Hoffmann vom Reisebüro in Untersteinach hat, was Istanbul-Reisen betrifft, noch keine Umbuchungen vornehmen müssen. Sie kennt Türkei-Fans, die sich auch vom jüngsten Anschlag nicht abschrecken lassen. Und Taucher, die es weiter nach Ägypten ziehe. "Ob man in solchen Ländern Urlaub machen will, muss jeder mit sich selbst ausmachen." Es seien Länder, in denen man als Tourist vom Hotelpersonal mehr denn je auf Händen getragen werde. "Denn wenn wir nicht kommen, ist der Tourismus dort am Ende."


Mit dem Auto nach Italien

Eine weitere Folge des Terrors: Die Urlaubsreise mit dem Auto in vermeintlich sichere Regionen liegt im Trend. Südtirol, aber auch die Adria würde vermehrt angefahren, sagt Brita Ziegler. Fernreisen und Kreuzfahrten werden stark gebucht, teilt Stefan Schaffranek mit. Was Städtreisen betrifft, wirkten die Anschläge von Paris nach. Schaffranek: "Wir wollten mit einer Reisegruppe nach Paris, mussten die Fahrt mangels Nachfrage aber absagen."

Früher sind Terroranschläge meist relativ schnell in Vergessenheit geraten. Nach wenigen Monaten waren die Hotels oft wieder voll. Doch in Zeiten des Terrors könnte sich das Angstgefühl verfestigen, befürchtet Stefan Schaffranek.


Keine Flugreise

Eine Befürchtung, die auch Katharina Sattler hat. Die Burghaigerin bleibt 2016 mit ihrer Familie auf jeden Fall am Boden. Eventuell geht es mit dem Auto nach Italien, sagt die junge Mutter, für die eine Flugreise aufgrund der vielen Terroranschläge auf Touristenorte in der ganzen Welt heuer nicht in Frage kommt.

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