Neuenmarkt

Tagesmütter - der Bedarf wächst

Professionelle Kindererziehung ist wichtig. Deshalb steigt auch der Bedarf an Tagesmüttern. Doch ohne Ausbildung geht das nicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Natalie Schoberth aus Neuenmarkt ist Tagesmutter und arbeitet - zu Hause. Unser Bild zeigt sie mit dem neun Monate alten Lawrence und ihrem Sohn Jonas. Foto: Katharina Müller-Sanke
Natalie Schoberth aus Neuenmarkt ist Tagesmutter und arbeitet - zu Hause. Unser Bild zeigt sie mit dem neun Monate alten Lawrence und ihrem Sohn Jonas. Foto: Katharina Müller-Sanke
+1 Bild
Nachmittags ist im Hause Schoberth in Neuenmarkt ganz schön was los. Fünf Kinder tummeln sich dort. Denn Natalie Schoberth ist Tagesmutter mit Leib und Seele. Zwei eigene Kinder hat sie, und als ihr Sohn in den Kindergarten kam und sich die Frage stellte, ob sie in ihren Job als Altenpflegerin zurückkehren sollte, entschied sie sich für einen anderen Weg. "Mein Mann arbeitet im Schichtdienst. In der Altenpflege ist das nicht anders, das ist mit Kindern schwierig. Da habe ich bei meiner Schwester zufällig den Beruf der Tagesmutter kennen gelernt und gleich gewusst: Das ist das Richtige für mich."

Bisher führen Tagesmütter vielerorts noch ein Schattendasein, doch der Bedarf wächst. Im Landkreis Kulmbach soll nun in diesem Bereich noch einmal deutlich aufgerüstet werden. Am 23.
Februar beginnt ein neuer Kurs, in dem Frauen, aber auch Männer, die Lust haben, als Tagesmutter oder -vater tätig zu sein, ihre Kompetenzen erwerben können.


Nur vier Eltern vermittelt

Knapp 40 Anfragen sind im vergangenen Jahr im Landratsamt von Eltern eingegangen, die einen Pflegeplatz bei einer Tagesmutter ergattern wollten. Nur vier davon konnten tatsächlich vermittelt werden, berichtet Daniela van der Meer, die den Bereich Tagespflege im Jugendamt im Herbst übernommen hat. Die vielen weiteren, die sich mit Tagesmüttern persönlich in Verbindung gesetzt haben, sind bei den genannten Zahlen noch gar nicht mitgerechnet.

Sechs aktive Tagesmütter gibt es derzeit im gesamten Landkreis Kulmbach. Natalie Schoberth ist eine von ihnen. Und sie ist jeden Tag wieder froh, dass sie sich vor zwei Jahren für den Kurs angemeldet hat. "Die Arbeit mit den Kindern macht mir riesig Spaß, und ich bin zu Hause, wenn meine eigenen Kinder da sind."

Vormittags kümmert sie sich um den Haushalt, den Einkauf und was sonst noch zu erledigen ist. Nachmittags holt sie die Tageskinder aus dem Kindergarten oder der Krippe ab. "Da muss ich mich dann um nichts anderes mehr kümmern als um um die Kinder."

Es wird gespielt und zusammen gegessen, auch Spaziergänge stehen auf der Tagesordnung - alles im familiären Umfeld. Und das ist einer der Punkte, der Eltern bei Tagesmüttern gefällt. "Bei der Tagesmutter erleben die Kinder ein normales Familienleben. Die Bezugsperson bleibt gleich. Gerade für kleine Kinder ist das ein großer Pluspunkt", weiß Daniela van der Meer vom Jugendamt.


Individuelle Vereinbarungen

Manche Kinder kommen nur zweimal die Woche, eines übernachtet auch. Manche Kinder kommen nach der Krippe, manche gehen nur zu Natalie Schoberth. "Die Vereinbarungen sind ganz individuell, je nachdem was eine Familie braucht. Wir haben zu allen Tageskindern und ihren Familien ein enges und gutes Verhältnis", schildert Natalie Schoberth die Vorteile.

Die 33-Jährige bemüht sich auch, auf jedes einzelne Kind einzugehen. Maximal fünf auf einmal dürfte sie betreuen. Derzeit hat sie drei, und das sei im Moment auch genug, meint sie. Sie entscheide das nicht nach einem festgelegten Schlüssel, sondern nach Gefühl, dem Alter und den Eigenheiten der Kinder.

Natalie Schoberth kann das auch, schließlich ist sie selbstständig. Als Tagesmutter hat sie keinen Chef, muss dafür aber ihre Abrechnungen selbst machen. Hat sie weniger Kinder, verdient sie auch weniger. Sind es mehr Schützlinge und bleiben diese länger, ist es mehr. Dann jedoch wird es - zumindest nach derzeitiger Regelung - für die Eltern auch ziemlich teuer. Denn noch müssen die Kosten der Tagesmutter von den Eltern komplett übernommen werden. Der Stundensatz liegt um die vier Euro. Zumindest in Kulmbach bleiben die Eltern derzeit in der Regel auf diesen Kosten sitzen.


Betreuungsformen gleichgestellt

Nach geltendem Recht ist die Tagespflege der Betreuung in einer Kindertagesstätte jedoch gleichgestellt. Früher oder später werden die Elternbeiträge für beide Formen - Kindergarten/-krippe und Tagesmutter angeglichen. Damit beides gleichwertig nebeneinander steht, muss in der Tagespflege wie auch in der Kindertagesstätte die Qualität stimmen. Die wird durch mehrere Säulen gesichert. Zum einen brauchen die Tagesmütter eine Pflegeerlaubnis (siehe Infobox), des Weiteren werden die Räumlichkeiten regelmäßig kontrolliert. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs und Versicherungen müssen nachgewiesen werden.

Hört sich nach Bürokratie an, doch Natalie Schoberth, die den Kurs vor knapp zwei Jahren absolviert hat, winkt ab: "Für mich war das kein Problem. Wer sich gerne mit Kindern beschäftigt und wessen Wohnung ohnehin auf Kinder ausgerichtet ist, erfüllt die Auflagen oft ganz von selbst."

Und wenn die Tagesmutter einmal krank ist? Im Moment schauen Eltern noch in die Röhre. Änderung ist aber in Sicht: Das Jugendamt arbeitet mit Hochdruck daran, eine flächendeckende Ersatzbetreuung in Einrichtungen zu organisieren.

Für Tagesmütter bedeutet das: Sie werden schon bald der institutionellen Einrichtung gleichgestellt sein. Eine Liste der aktuellen Tagesmütter ebenso wie alle Informationen für alle, die sich selbst für den Beruf der Tagesmutter interessieren, gibt es im Kulmbacher Jugendamt.


Tagesmutter/-vater

Voraussetzungen Wer ein Kind mehr als 15 Stunden pro Woche und länger als drei Monate betreuen will, braucht eine Pflegeerlaubnis. Diese kann mit einem entsprechenden Kurs erlangt werden. Er dauert rund neun Monate (ein Mal pro Woche, 172 Unterrichtsstunden, Kosten 130 Euro).

Kontrolle Tagesmütter/-väter müssen regelmäßige Fortbildungen nachweisen und werden kontrolliert. Damit soll die Qualität gesichert werden. Bis zu fünf Kinder dürfen gleichzeitig betreut werden. Eltern mit geringem Einkommen können eine Bezuschussung beim Jugendamt beantragen.

Kurs Der nächste Lehrgang beginnt am 23. Februar. Wer Interesse hat, kann sich bei Daniela van der Meer im Jugendamt unter der Nummer 09221/707236 anmelden. kms

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren