Schimmendorf
Bürgerversammlung

Stromtrasse rückt weg von Schimmendorf

Der Netzbetreiber Tennet stellt im Mainleuser Ortsteil die Neubaupläne für den Ostbayernring vor. Und Bürgermeister Dieter Adam gibt Unterricht im Fach Demokratie und Kommunalpolitik - dazu ein Kommentar.
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Sie werden die Stromtrasse vermissen: Am Fundament kann man sich so schön kratzen. Foto: Stephan Tiroch
Sie werden die Stromtrasse vermissen: Am Fundament kann man sich so schön kratzen. Foto: Stephan Tiroch
Die Stromtrasse mit zwei Höchstspannngsleitungen, die jetzt in unmittelbarer Nähe an Schimmendorf vorbeiführt, wird weiter vom Ort wegrücken. Die Neubaupläne des Netzbetreibers Tennet sehen vor, dass die künftige Leitung mindestens 65 Meter von der jetzigen Trasse entfernt ist.

Zweimal 380 Kilovolt

"Wir sind in einem frühen Stadium der Planung und noch sehr flexibel", erklärte Mark Sprung von der Tennet TSO GmbH, Bayreuth, bei der Schimmendorfer Bürgerversammlung am Mittwochabend. Der Ostbayernring von Redwitz bis Schwandorf, der Oberfranken und die Oberpfalz mit Strom versorgt, sei in den siebziger Jahren gebaut worden. Die 180 Kilometer lange Leitung müsse an die heutigen Erfordernisse angepasst werden. Man werde von jetzt 220 und 380 Kilovolt auf künftig zweimal 380 Kilovolt aufrüsten.

Nach den Worten des Projektleiters wird die neue Leitung parallel zur bestehenden Trasse gebaut und anschließend die alte Leitung zurückgebaut. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, sei Tennet bestrebt, den größtmöglichen Abstand zur Wohnbebauung einzuhalten. Die neue Leitung mit 45 bis 65 Meter hohen Masten werde geringfügig - vier bis fünf Meter - höher sein als die bestehende.

Baubeginn frühestens 2018

Im jetzigen frühen Planungsstadium können laut Sprung Wünsche und Vorschläge der betroffenen Bürger geprüft und berücksichtigt werden. Bei Tennet geht man davon aus, dass 2017 das Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird. Das heißt, dass frühestens 2018 gebaut werden kann.

Für Schimmendorf bedeutet dies, dass die südwestlich des Ortes verlaufende Stromleitung ein Stück wegrückt. Dabei sind zwei Varianten im Gespräch: Von der Kirchleuser Platte kommend könnte die neue Leitung die alte beim Veitenhof kreuzen, bevor sie Gärtenroth erreicht. Die zweite Möglichkeit - noch weiter von Schimmendorf entfernt - wäre eine Trasse, die zwischen Flurholz und Veitenhof verläuft.

Der Anregung von Ortssprecher Siegfried Münch, die Leitung auf der Kirchleuser Platte am künftigen Windpark vorbei und über den Spitzberg um Schimmendorf herumzuführen, gibt man bei Tennet wenig Chancen. "Wir sind aufgrund gesetzlicher Vorgaben gehalten, uns an der bestehenden Trasse zu orientieren", so Sprung.

Thema Milchhäusla

Nach dem Bericht von Bürgermeister Dieter Adam schnitt Horst Fischer das Thema Buswartehäuschen an. Dazu sagte Adam, dass sich der Bauausschuss das alte Milchhäusla angeschaut habe und der Meinung sei, dass es nicht unbedingt abgebrochen werden muss, sondern renoviert und als Bushaltestelle genutzt werden könnte. Es sei als markanter Punkt in der Dorfmitte erhaltenswert. Das letzte Wort habe aber der Gemeinderat, betonte Adam und ließ in der Versammlung abstimmen. Dabei gab es nur noch eine knappe Mehrheit für den Abbruch und einen Neubau.


Kommentar: So geht Bürgernähe nach Mainleuser Art

Vielleicht wäre Dieter Adam ( was wir nicht wissen) gerne Lehrer geworden. Nun ist er zwar Bürgermeister, aber trotzdem erteilte er den Schimmendorfern bei der Bürgerversammlung Unterricht im Fach Demokratie und Kommunalpolitik. Mit mehr als der Hälfte des Mainleuser Gemeinderats im Schlepptau, darunter seine potentiellen Nachfolger Robert Bosch (CSU), Jürgen Karg (SPD) und Günter Stenglein (FW), bekannte sich Adam ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit zu Bürgernähe und Bürgerbeteiligung.

O-Ton Adam: "Wir wollen die Bürger hautnah unterrichten." Und: "Bei einer späteren Entscheidung tut man sich leichter, wenn man vorher die Meinung der Bürger kennt."

Dass er es damit ernst meint, konnte man gleich sehen. Die Bürger duften nämlich sagen, ob sie das alte Milchhäusla renovieren und behalten oder ein neues Unterstellhäuschen haben möchten. Nun ist die Gestaltung einer Bushaltestelle durchaus kein ganz unwichtiges Thema. Aber auch über Windräder, wie sie nächstes Jahr auf der Kirchleuser Platte gebaut werden, hätte man doch mal diskutieren können.

Aber beim Unterrichtsfach Meinungsbildung haben Adam und die Gemeinderäte wohl selbst nicht aufgepasst. Zum umstrittenen Windpark wurden die Schimmendorfer nicht befragt. Dennoch wusste der Bürgermeister am 6. August 2012, als der Gemeinderat das Projekt einstimmig abnickte, genau, "wie klar die Bürger den Windpark wollen" (Zitat inFranken.de-Bericht). Vielleicht hat er "Grundstückseigentümer" und "Bürger" verwechselt.

Da war's mit den eigenen Grundsätzen nicht weit her. Welche Note sollen wir jetzt Bürgermeister und Gemeinderat im Fach Demokratie und Kommunalpolitik geben?
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