Kulmbach
Letzte Ruhe

Sterben in Kulmbach wird teurer

Der Stadtrat hebt die Gebühren für die Friedhöfe drastisch an. Aber nicht freiwillig, "sondern weil wir mussten", erklärt OB Schramm.
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Der Stadtrat hat die Friedhofsgebühren in Kulmbach und Burghaig drastisch angehoben.  Foto: Stephan Tiroch
Der Stadtrat hat die Friedhofsgebühren in Kulmbach und Burghaig drastisch angehoben. Foto: Stephan Tiroch
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Wenn ein Angehöriger stirbt, müssen die Hinterbliebenen den menschlichen Verlust verkraften. Und in Kulmbach neuerdings auch noch tiefer in die Tasche greifen. Denn: Der Stadtrat hat - einstimmig - die Friedhofsgebühren und die Kosten für die letzte Ruhestätte drastisch erhöht. Allerdings nicht freiwillig, wie OB Henry Schramm (CSU) versichert, "sondern weil wir mussten".

Stadtrat Michael Stübinger (SPD), zuständiger Verwaltungsrat und Bestatter von Beruf, kann die Gebührenerhöhung nachvollziehen. "Die Friedhöfe tragen sich nicht mehr. Sie sollten sich selber finanzieren, sind aber oft ein Draufzahlgeschäft für Kommunen und Kirchengemeinden", erklärt er.


Veränderte Bestattungskultur

Warum dies so ist? "Weil sich die Bestattungskultur geändert hat", sagt er. Das normale Reihengrab ist aus der Mode gekommen.
Nach seinen Worten gibt es vermehrt Urnen- oder anonyme Bestattung. Und es werden kleinere Gräber gekauft. Also nehmen in den Friedhöfen die Brachflächen zu, "die nicht mehr belegt werden, aber trotzdem gepflegt werden müssen", so der Bestatter. Ferner wird oft auf eine Trauerfeier verzichtet, so dass für die Kapellebenutzung keine Gebühr anfällt.

Zusammen mit dem Verwaltungsrat für die Friedhöfe haben wir drei Beispiele gerechnet: Was kostet nach der neuen Satzung, die für die Friedhöfe in der Stadt und in Burghaig gilt, die Beisetzung im Einzelgrab, im Urnengrab oder inder Urnenstele? Ausgaben für Bestatter, Pfarrer und Organist sind nicht enthalten.


Erdbestattung

Bisher: Für die Erdbestattung eines Erwachsenen im Einzelgrab sind bisher 618 Euro angefallen. Darin enthalten sind: Öffnen und Schließen des Grabes (318 Euro), Grabmatte (30 Euro), Benutzung Leichenhalle (110 Euro) und Kapelle (60 Euro) sowie Verwaltungskosten (100 Euro). Dazu kommt der Grabplatz, der in Kulmbach 438 Euro für 15 Jahre kostet und in Burghaig 390 Euro für 20 Jahre.
Neu: Erdbestattung mit Öffnen und Schließen des Grabes, Grabmatte 708 Euro; Benutzung Kapelle 82 Euro, Leichenhalle 70 Euro - zusammen 860 Euro. Für den Grabplatz in Kulmbach fallen 581 Euro für 15 Jahre an, in Burghaig 775 Euro für 20 Jahre.


Urnengrab

Bisher: Für die Urnenbeisetzung mit Feier in der Kapelle werden 258 Euro berechnet (ohne Kapelle 198 Euro). Die Nutzung der Leichenhalle kostet 35 Euro, das Urnengrab 216 Euro für 25 Jahre. Zusammen 474 Euro.
Neu: Für die Urnenbeisetzung mit Öffnen und Schließen des Grabes (47 Euro), Benutzung von Kapelle (82 Euro) und Leichenhalle (70 Euro) fallen 199 Euro an. Das Urnengrab kostet 699 Euro für 25 Jahre (zehn Jahre 277 Euro). Zusammen 898 Euro.


Urnenstele

Bisher: Die Urnenbeisetzung schlägt mit 293 Euro zu Buche, der Platz für zwei Urnen auf 25 Jahre mit 1200 Euro. Zusammen 1493 Euro.
Neu: Der Urnenplatz kostet künftig 1216 Euro für 25 Jahre (zehn Jahre 487 Euro); dazu kommen 199 Euro für die Beisetzung. Zusammen 1405 Euro - das ist eine leichte Preissenkung von 5,8 Prozent.


Prüfer wollte noch mehr

Laut OB Schramm hat der Kommunale Prüfungsverband beanstandet, dass der Deckungsgrad der städtischen Friedhöfe nur bei 63 Prozent liegt. Die Stadt müsse nach dem Kommunalabgabengesetz ihre Gebühren anheben, um ihre Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen und eine 100-prozentige Kostendeckung zu erreichen. In der Tat, so der Oberbürgermeister, sei seit 2005 in Kulmbach und seit 2004 in Burghaig keine Erhöhung mehr erfolgt, um die Bürger nicht zu belasten. "Wir mussten also etwas machen", so Schramm. Mit der jetzigen Mischkalkulation erreiche man einen Deckungsgrad von 80 Prozent. "Wir hätten noch mehr erhöhen müssen. Aber wir argumentieren damit, dass die Friedhöfe Parkcharakter haben und Orte der Stille sind. Wir hoffen, dass wir damit durchkommen", sagt er und beruft sich auf das Selbstverwaltungsrecht einer Kommune.


Zum Vergleich die kirchlichen Friedhöfe im Stadtgebiet

Mangersreuth Einzelgrab 400 Euro (20 Jahre); Öffnen und Schließen des Grabes 387 Euro; Leichenhalle 300 Euro; zusammen 1087 Euro. Urnengrab 300 Euro (20 Jahre); Öffnen und Schließen des Grabes 200 Euro;
Leichenhalle 300 Euro; zusammen 800 Euro. Gebühren vor fünf Jahren erhöht.

Melkendorf Gebühren wie Mangersreuth, vor zwei Jahren erhöht. "Wir wollen keine Konkurrenz haben", so Pfarrer Klaus Spyra, der zu den städtischen Gebühren sagt: "Im Landesvergleich immer noch günstig."

Lehenthal Beerdigung 50 Euro; Einzelgrab 107 Euro (20 Jahre); Urnengrab 70 Euro (20 Jahre); Öffnen und schließen des Grabes erledigt die Stadt, mit der auch die Abrechnung erfolgt.

Kirchleus Gebühren für Erdgrab und Urnengrab gleich: 500 Euro (20 Jahre); Benutzung Leichenhalle 80 Euro, Verwaltungsgebühr 60 Euro, Kasualgebühr 60 Euro.

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