Laden...
Kulmbach
Innenstadt

Stadt Kulmbach lässt sich Optik was kosten

Glas, Stahl und Licht statt blanker Beton: Der Stadtrat entscheidet sich, wie von Bürgern gewollt, für ansprechend gestaltete Zugänge zur Tiefgarage.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kein Vergleich mit dem ursprünglich geplanten Betonkoloss: Durch eine Glas-Stahl-Konstruktion soll die Zu- und Abfahrt der Tiefgarage an der Ecke Sutte/Webergasse aufgewertet werden. Grafik: Architekturbüro H2M
Kein Vergleich mit dem ursprünglich geplanten Betonkoloss: Durch eine Glas-Stahl-Konstruktion soll die Zu- und Abfahrt der Tiefgarage an der Ecke Sutte/Webergasse aufgewertet werden. Grafik: Architekturbüro H2M
+3 Bilder
Blanker Beton wäre zweckdienlich gewesen - und kostengünstiger. Aber an der geplanten Billigvariante für die Zufahrt und die Treppenhäuser zur sanierten Tiefgarage hat es Kritik aus der Bevölkerung gegeben. Davon lässt sich die große Mehrheit des Stadtrats am Donnerstag leiten und lässt sich die Optik des neugestalteten Zentralparkplatzes etwas kosten: Für rund 400 000 Euro Mehrkosten werden die Treppenabgänge - einmal behindertengerecht mit Aufzug - und die Zufahrt mit Glas, Stahl und Licht aufgewertet.

"Das wird Kulmbach schmücken. Und das schafft Akzeptanz bei der Bevölkerung", erklärt Oberbürgermeister Henry Schramm.


SPD sperrt sich gegen Mehrkosten

Allerdings - ganz ohne Widerstand geht es nicht: Die SPD sperrt sich gegen Mehrkosten und möchte das Projekt bei 13,5 Millionen Euro deckeln. "Wie viele Kostensteigerungen kommen noch?", fragt SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Lehmann.

Die neue Planung des Architekturbüros H 2 M ist erst diese Woche fertig geworden. Johannes Müller stellt die Details des bei der vorherigen Stadtratssitzung in Auftrag gegebenen Entwurfes vor. Demnach bekommt der Aufzug an der Ecke Klostergasse/Grabenstraße einen neuen Standort. Dies eröffnet die Möglichkeit, das Treppenhaus bei der Altstadtpassage durch eine Glaskonstruktion großzügiger und filigraner zu gestalten. Bei dem Gebäude gegenüber der "Alten Feuerwache" schafft man ebenfalls durch viel Glas Transparenz. Die Behindertentoilette wird in die Tiefgarage verlegt.

Etwas limitiert ist man bei der Zu- und Abfahrt zur Tiefgarage an der Ecke Sutte/Webergasse. Zur bestehenden Bebauung sind die Brandschutzvorschriften einzuhalten. Aber mit einer Glas-Stahl-Konstruktion wird eine enorme optische Aufwertung erreicht.

Müller beziffert die Kosten für die ursprünglich geplanten (und nun nicht mehr gewollten) Betonhäuschen auf 138 000 Euro. Die Optimallösung kommt auf 507 000 Euro, eine abgespeckte Variante mit Beton und hinterleuchteter Glasverkleidung auf 452 000 Euro.


Noch mal 60 Prozent Förderung

Die Mehrkosten bleiben allerdings, wie OB Schramm mitteilt, nur zum kleineren Teil an der Stadt hängen. Es sei in den vier Wochen seit der vergangenen Sitzung gelungen, zusätzlich zur 80-prozentigen Spitzenförderung des Freistaats für die Gestaltung noch mal eine Sonderförderung von 60 Prozent zu bekommen. Der Eigenanteil der Stadt für die große Lösung beläuft sich also auf 148 000 Euro. Kulmbach erhält als Modellkommune für die behindertengerechte Innenstadtgestaltung, so Schramm, "mehr Städtebauförderung als der gesamte Regierungsbezirk Oberbayern zusammen".

Zudem sei die Ausschreibung für die Abbrucharbeiten - die gleich nach dem Bierfest beginnen werden - mit knapp 500 000 Euro äußerst positiv verlaufen. Bei kalkulierten Kosten von 755 000 Euro habe man nun ein Polster.

"Sehr modern, tolle Elemente, der Platz bekommt Charakter" - Bürgermeister Stefan Schaffranek (WGK) ist überzeugt, dass sich die Neuplanung gelohnt hat. So erreiche man Akzeptanz bei den Bürgern.
Die neue Planung sei eine Symbiose aus Funktionalität, offener und moderne Gestaltung - mit einer optimalen Finanzierung, betont Jörg Kunstmann (CSU). "Die Bürgerbeteiligung hat etwas gebracht, jetzt wird der Platz auch schön gestaltet."


Durchstich risikobehaftet?

Die SPD-Fraktion stört sich an der weiteren Kostenerhöhung auf nunmehr 13,9 Millionen Euro. Die Dimensionen passen nicht mehr, meint Simon Moritz (SPD). Überdies ist nach Ansicht von Hans Werther (SPD) der Durchstich und damit die Verbindung der beiden Tiefgaragen risikobehaftet.

Gegen sechs SPD-Stimmen macht die Stadtratsmehrheit (CSU 11, WGK 7, Grüne 1 und FDP 1) den Weg frei für die gestalterische Optimallösung.


Stadtrat kurz & bündig

Kindergarten I: Ohne Diskussion genehmigt der Stadtrat den Neubau des Paul-Gerhardt-Kindergartens, der vergangenes Jahr komplett abgebrannt ist. In dem Gebäude an alter Stelle, Friedrich-Schönauer-Straße 17, werden drei Gruppen untergebracht und eine Kinderkrippe mit zwölf Plätzen im Obergeschoss.

Kindergarten II: Auch der Neubau des viergruppigen Blaicher Kindergartens für 1,68 Millionen Euro kann beginnen. Mit dem TC Rot-Weiß hat sich die Stadt geeinigt, dass drei bisher genutzte Tennisplätze an die Stadt zurückgegeben werden. So kann eine eingeschossige Lösung realisiert werden.

Altstadtfest: Für das Altstadtfest am ersten Juli-Wochenende gelten folgende Musik- und Ausschankzeiten: Freitag 14 bis 2 Uhr, Samstag 10 bis 2 Uhr und Sonntag 10 bis 23 Uhr.

Nassauskiesung: Die Einwendungen der Stadt zur Erweiterung des Kiesabbaus östlich von Mainleus seien weitgehend berücksichtigt worden, so OB Schramm. Unter anderem werde der Lkw-Verkehr in der Pillauer Straße auf täglich 40 Fahrzeugbewegungen reduziert - das sind 20 Prozent weniger. Daher werde man von einer Klage absehen.
Verwandte Artikel

Kommentare (5)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren