Und jeder, der ihn an der Strippe hat, kann sicher sein: Sein Müll ist durchaus korrekt getrennt. Selbst wenn er anderes behauptet. Und wenn nicht, dann weiß es zumindest noch keiner.

Was ist passiert? Schon länger treibt im Landkreis Kulmbach ein Unbekannter sein Unwesen - und behauptet, dass er Mülltonnen durchsucht hat und der Müll nicht richtig getrennt sei. Sonja Adam, Mitarbeiterin der Bayerischen Rundschau, hat's beispielsweise erwischt. Oder den Kulmbacher Abfallberater Detlef Zenk. Auch sie hatten den Anruf mit unterdrückter Nummer eines Herrn Tropelmann entgegengenommen. Der Mann behauptet, dass er es als seine Bürgerpflicht ansieht, Mülltonnen zu durchforsten - und dass er Verstöße festgestellt habe: gegen die Landesverordnung DIN A 5 über Mülltrennung. Auch Briefe habe er aussortiert, selbst der Nachbar habe nicht richtig getrennt. Dazwischen Husten und Prusten, die der Anrufer mit den Worten. "Danke, wird schon" immer wieder selbst kommentiert. Stets betont der vermeintliche selbsternannte Gesetzeshüter, dass er "wegen die Mülltrennung" anrufe und dass er die Tage "nochma' kontrolliert".

Solche Anrufe halten die Behörden natürlich auf Trab - wegen der Nachfragen: Das Landratsamt Kulmbach, Sachgebiet Abfallwirtschaft, hat schon mehr als 20 Anrufe von Bürgern bekommen, die sich über Herrn Tropelmann informieren. Abfallberater Zenk ist darüber natürlich alles andere als erfreut.

Doch was steckt dahinter? Es ist ein selbsternanntes Telefonspaßportal im Internet namens Marcophono. Die Aktionen können dort von jedem losgetreten werden, der dazu Lust hat: Einfach eine Telefonnummer eingeben, über den PC und die Internetverbindung dann dem Angerufenen zuhören - und per Mausklick reagieren. Je nachdem, was der Angerufene sagt, klickt man auf die Sätze, die man hören will. Beispielsweise auf "Jaa... Tropelmann. Ich ruf an wegen die Mülltrennung." Oder "Das find ich einfach nich' gut!"

Auf Nachfrage betonte die Polizei Stadtsteinach, dass man gegen solche Anrufe eigentlich nicht vorgehen könne: Es sei nur Unfug und gehöre insofern eigentlich auch nicht zur Kategorie Amtsanmaßung. Doch eins kann jeder tun, der von Herrn Troppelmann behelligt wird: einfach auflegen - und schon ist Schluss mit lustig. Der Anbieter hat für jede Nummer eine dreiwöchige Sperre eingebaut.

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