Melkendorf

So schmeckt die Kerwa

In Melkendorf wird tüchtig Kerwa gefeiert. Das bunte Treiben gefällt auch Pfarrer Klaus Spyra.
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Ein kräftiger Schluck aus dem Sprenger - das gehört auch in Melkendorf zur Tradition. Fotos: Horst Wunner
Ein kräftiger Schluck aus dem Sprenger - das gehört auch in Melkendorf zur Tradition. Fotos: Horst Wunner
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Da hat das Wort Kirche in den zwei Silben Kerwa noch die richtige Bedeutung: In Melkendorf liegt der Platz zum Beisammensein ganz nah an der Gotteshaustür von "St. Aigidius", da wird vier Tage gefeiert, die weiß-violette Fahne auf dem 30 Meter hohen Kirchturm verkündet das weit ins Land.

Und darüber freut sich auch der Geistliche Klaus Spyra, vor dem Pfarrhaus tanzt er eifrig mit einem hübschen Madla. "Es ist ein Fest der Jugend, es verläuft immer alles friedlich und harmonisch, da geht einem das Herz auf", sagt er. Die zehn Pärla seien alle im Gottesdienst gewesen. "Das gefällt mir", fährt er fort und hat noch einen netten Spruch parat: "Die Predigt muss kurz, die Bratwurst lang und der Maßkrug voll sein - das ist das Rezept für eine gescheite Kerwa."


Sogar Wein wird kredenzt

Draußen auf der Straße dann der Marsch durch die alte Siedlung, voraus die
Dorfmusik Rugendorf, der Bollerwagen mit dem Fäßla Bier, der Mann mit der Gießkanne voller Gerstensaft, von dem man gegen einen Obolus kosten darf. Sogar ein Mundschenk ist dabei, der den zuschauenden Damen fränkischen Wein kredenzt, für eine oberfränkische Kerwa eher ungewöhnlich.

Juchzer und Kerwa-Sprüchla im Refrain erfüllen die Luft, die Zuschauer applaudieren. Halt wird auch vor der "Petersburch" gemacht, dem einzigen Wirtshaus im Ort. Den Wirt Peter fordert ein Kerwa-Madla zum Tanzen auf, er dreht eine Runde, und später kehren sie bei ihm ein. "Ich habe das Gasthaus jetzt fünf Jahre, bin zufrieden", sagt er. "Wenn dir was gehört, klappt's". Er will die Wirtshauskultur in dem Kulmbacher Stadtteil weiterhin hochhalten.

Am Straßenrand steht die 43-jährige Melkendorferin Antje, die selbst längere Zeit Kerwa-Madla gewesen ist. "Es hat sich schon Einiges geändert", erinnert sie sich, "wir hatten früher drei Wirtshäuser, vor denen getanzt wurde. Da war noch mehr los und die Dorfgemeinschaft enger."

Dass die Tradition trotzdem aufrecht erhalten wird, ist auch dem Kerwaverein zu verdanken. Vorsitzender Frank Stübinger, langjähriger Ortsbursch bis heute: "Die Organisation erfordert schon Arbeit. Aber mit einem guten Team macht's Spaß." Einen Wunsch hat er noch: Junge Leute aus dem Ort und der Umgebung sollen sich bei ihm melden: "Wir brauchen Nachwuchs". Er habe jedoch keine Bedenken, dass es die Melkendorfer Kerwa ohne Ortsbum und Ortsmadla einmal nicht mehr gibt.
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