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Kulmbach
Glosse

So duftet es auf Reisen

Manche Reise wird zum Erlebnis für alle Sinne - im Positiven wie im Negativen.
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Foto: Archiv/Katrin Geyer
Foto: Archiv/Katrin Geyer
Kürzlich war ich verreist. Diese Tatsache allein wäre nun nicht der Rede wert. Erstens, weil so etwas öfter einmal vorkommt. Und zweitens, weil es eigentlich eine ganz private Geschichte war, die in der Zeitung nichts zu suchen hat.
Bemerkenswert ist diese Reise dennoch. Weil sie ein Erlebnis war für alle Sinne. Meine Reisebegleiterinnen und ich haben nicht nur alte Gemäuer und moderne Architektur gesehen und tolle Musik gehört. Wir haben auch auf einem Ausflugsschiff den Wind in den Haaren und nach langen Fußmärschen die brennenden Fußsohlen gespürt, haben in einem schönen Lokal ein gutes Essen geschmeckt, in einem netten Hotel kuschelige Betten gefühlt.
Als wir wieder zuhause waren, haben wir das schließlich gerochen. Spätestens dann nämlich, wenn man nach einer langen Fahrt aus dem Zug steigt und vom Bahnsteig aus die Treppe zur Unterführung hinab geht, kann man dem ekligen Gestank von Urin und Erbrochenem nicht entkommen. Und weiß: Das muss der Kulmbacher Bahnhof sein!
Diesen letzten, bleibenden Sinneseindruck einer schönen Reise hätte ich mir gerne erspart. Da hilft es auch nichts, wenn ich ganz, ganz fest an die blühenden Kastanien und den duftenden Jasmin in dem großen Park von Sanssouci am Tag zuvor denke.
Nächste Woche fahre ich nämlich schon wieder mit dem Zug. Und mir graust es jetzt schon vor der Bahnhofs-Unterführung.
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