Bayreuth
Gerichtsverhandlung

Sind die Rocker auch Totschläger?

Grave Diggers gegen Free Easy Riders: Im Prozess am Landgericht Bayreuth geht es um Gebietsstreitigkeiten, Bikes und Patches - und um "Uncle Sam als Knochenmann". Sechs Männer sind wegen versuchten Totschlags angeklagt, nachdem der Präsident des feindlichen Clubs verprügelt worden war.
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Um solche Aufnäher auf den "Kutten" ging es in dem Streit zwischen den Motorradclubs. Foto: Symbolbild Daniel Karmann/dpa
Um solche Aufnäher auf den "Kutten" ging es in dem Streit zwischen den Motorradclubs. Foto: Symbolbild Daniel Karmann/dpa
Sie heißen Juster, Cisco oder Doley, tragen Kutten aus schwarzem Leder und schlagen sich um große Aufnäher im DIN-A4-Format, so genannte Patches: die Motorradclubs der Free Easy Riders aus Goldkronach und der Grave Diggers Bayreuth/Wunsiedel. Am 10. September 2010 war der Streit eskaliert. Vor dem Vereinsheim der Free Easy Riders in Goldkronach wurde deren Präsident herausgelockt, verprügelt und lebensgefährlich verletzt. Schuld daran sollen sechs Mitglieder der Grave Diggers sein. Sie müssen sich nun wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bayreuth verantworten.

Bruch des Halswirbels

Am mittlerweile 4. Verhandlungstag hatten ausschließlich Zeugen das Wort. Je nach Zugehörigkeit zu den verschiedenen Lagern wird dabei einmal die Glaubwürdigkeit des Opfers, ein anderes Mal die Glaubwürdigkeit der Angeklagten in Frage gestellt.
In der Anklageschrift von Oberstaatsanwältin Juliane Krause ist davon die Rede, dass die sechs Männer im Alter zwischen 26 und 53 Jahren aus Bayreuth, Erbendorf, Kirchenlamitz, Röslau und Thierstein ihr Opfer um ein Haar totgeprügelt hätten. Von einem Bruch des Halswirbels ist die Rede, von Rippenfrakturen, vielen Prellungen und Wunden. Allein wegen der Wirbelverletzung sollen mehrere schwerere Operationen nötig gewesen sein. Viele Wochen war das Opfer arbeitsunfähig krankgeschrieben.

"Lupenreines Image"

Ein Zeuge, ein vom Motorradteam Marktredwitz-Wölsau zu den Grave Diggers gewechselter 50-Jähriger Biker, berichtete beispielsweise, dass er das vermeintliche Opfer nur zwei Tage nach dem angeblichen Vorfall in einem Verbrauchermarkt getroffen habe. Von einer Auseinandersetzung habe er keinerlei Spuren gesehen. Im Gegenteil, der Mann habe mit seiner Frau gescherzt und gelacht. Das Image der Grave Diggers beschrieb der Zeuge als "lupenrein". Wenn etwas anderes in der Zeitung stehe, dann müsse man dies nicht unbedingt glauben.

Das würde gegen die Aussage des Opfers, ein 51-jähriger Außendienstmitarbeiter mit Wohnsitz in Wunsiedel, sprechen. Der Mann hatte nicht nur von Faustschlägen und Tritten gegen Kopf und Körper gesprochen, sondern auch von einem Halswirbelbruch. "Es hing alles am seidenen Faden. Ich kann wirklich von Glück sprechen, dass ich nicht im Rollstuhl gelandet bin", hatte das Opfer berichtet. Richtig Fuß fassen konnte der Mann beruflich seitdem nicht mehr. Er muss unter anderem mit einer Stahlplatte zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel leben, seine Frau ist seit dem Überfall psychisch beeinträchtigt.

Vier Wochen vorher gewarnt

Auf der anderen Seite berichtete eine 30-jährige Frau aus Marktschorgast - sie ist die Freundin des Sohnes des Opfers -, dass sie schon vier Wochen vor dem Übergriff gewarnt worden sei. Irgendetwas werde passieren, hieß es im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen um den Aufnäher. Ernst genommen habe das damals aber niemand.

Die Frau hatte am Tag nach dem Überfall einige der Grave Diggers eindeutig auf deren Homepage identifiziert.
Kurz daraus soll die Seite aus dem Netz genommen worden sein.
Das 24 Zentimeter große Abzeichen trägt die Aufschrift "Easy Riders Germany" und zeigt "Uncle Sam als Knochenmann". Dieses Abzeichen sollen die Angeklagten ihrem Opfer praktisch als Trophäe abgerissen haben.

Neue Ermittlungen

Aber auch über Gebietsstreitigkeiten wird gemunkelt. Was nun wirklich war, ist bislang unklar, denn die Angeklagten haben sich entschieden, zu schweigen. Nur einer der Männer sagte aus, aber der will gar nicht dabei gewesen sein.Der Grund dafür, dass die Verhandlung knapp fünf Jahre nach der Tat stattfindet, ist, dass es bereits eine Verhandlung gegen einen Teil der Angeklagten vor dem Amtsgericht gegeben hat. Damals wurde der Prozess aber wieder ausgesetzt und an das Landgericht verwiesen. Dann fanden neue polizeiliche Ermittlungen statt, und so sitzen mittlerweile sechs Männer auf der Anklagebank. Die Verhandlung wird fortgesetzt.
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