Kulmbach
Jubiläum

Seit 1987 "On Air"

Die Akademie für Neue Medien in Kulmbach ist seit 30 Jahren Schmiede für Nachwuchsjournalisten. Studienleiter Thomas Nagel blickt mit uns zurück.
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Journalistenschüler Ende der 80er Jahre: Schreibmaschine statt Laptop.Foto:Archiv/Akademie für neue Medien
Journalistenschüler Ende der 80er Jahre: Schreibmaschine statt Laptop.Foto:Archiv/Akademie für neue Medien
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Wir sitzen mit Thomas Nagel in der Akademie für neue Medien, genau dort, wo vor knapp 30 Jahren seine Laufbahn als Journalist begann. Als einer der ersten Absolventen nahm er 1988 das neu geschaffene Kursangebot der Akademie wahr. Der Kompaktkurs Radiojournalismus startete in einem winzigen Studio mit Bandmaschinen und vorsintflutlichen Aufnahmegeräten.

700 Teilnehmer in 2016

Mittlerweile ist Thomas Nagel Studienleiter, und Angebot und Ausstattung der Medienakademie sind gewachsen. Im vergangenen Jahr wurden 700 Teilnehmer in den Bereichen Print-, Radio- und Online-Journalismus ausgebildet. Relativ neu, aber auf dem aufsteigenden Ast, sind Inhouse-Schulungen für Unternehmen und Wirtschaftsakteure.

Was sich so verändert hat in den letzten 30 Jahren? Natürlich die Technik, sagt Thomas Nagel. Aber er betont: "Technik ist für uns nach wie vor nur Hilfsmittel, im Mittelpunkt stehen die journalistischen Inhalte." Alleinstellungsmerkmal der Akademie ist die kompakte Form der Ausbildung: "In 88 Tagen zum Broadcaster", verspricht ein Kurs. Keine andere Journalistenschule bietet eine solche komprimierte Ausbildung an. Eine weitere Stärke erläutert Thomas Nagel: "Aus dem jüngsten Kurs haben wir tatsächlich jeden einzelnen in Lohn und Brot gebracht." Im Durchschnitt liege die Vermittlungsquote bei 80 bis 90 Prozent.

Wenn man sich in der bayerischen Radiolandschaft umhört, gibt es viele Stimmen, die in Kulmbach geschult wurden. Christian Jungwirth, Wettermann bei Bayern 1, und Arno Siegemund, Redakteur bei Antenne Bayern, gehören zu den Alumi, ebenso wie die Moderatorinnen Sina Peschke und Nina Heck. Nagel selbst war viele Jahre im Team von Radio Plassenburg.

Vom Hörfunk ins Internet


Doch Hörfunk ist nur der Anfang. 1991 gewinnt Kulmbach die Akademie der Bayerischen Presse als Partner, seitdem bildet man bildet neben Radiojournalisten auch für das klassische Print-Lager aus. Seit Mitte der 90er ebenfalls mit im Boot: der Bayerische Rundfunk als erster öffentlich-rechtlicher Sender.

2003 sollte der Sprung in den Online-Bereich gelingen, doch der Start in den Journalismus 2.0 war holprig. "Das war eine schwierige Zeit mit den Online-Kursen", erinnert sich Thomas Nagel. Viele Online-Redaktionen schossen aus dem Boden, wurden nach kurzer Zeit allerdings wieder eingestampft.

Stichwort "Crossmedia"

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten gelangt der Umschwung: Mittlerweile umfasst das Kursangebot nicht nur Online-Journalismus, Crossmedia ist das Stichwort. "Die Inhalte verschmelzen immer mehr miteinander", erklärt Nagel und legt gleich nach: "Auch wenn die Verbreitungswege sich geändert haben, ist das journalistische Handwerkzeug gleich geblieben." Und das lernt man in Kulmbach - zumindest den Teil, den man sich aneignen kann. Ein gewisses Grundtalent muss gegeben sein, so Nagel. "Man muss Journalismus leben", erklärt er, und für ihn sei es nach wie vor der schönste Job, den es gibt.

Vor allem "On Air" sei Talent wichtig. Aufgrund der Musik schalte fast niemand mehr das Radio ein, zu groß sei da das Angebot. Den Unterschied machten heute sympathische Moderatoren und gute journalistische Beiträge. Nagel wünscht sich mehr Mut zu längeren Beiträgen. Radio könne, wenn es gut gemacht sei, Bilder im Kopf entstehen lassen. Gerade im Sport, erklärt Nagel, schaffe man mit guter Sprache unglaubliche Spannung, das Fernsehbild fehle da niemandem. So gar kein Fan ist er von Radiocomedy a la "Jogi's 11". "Mit Comedy im Radio ist es das gleiche wie mit der Ironie in der Zeitung - das funktioniert selten", so Nagel. Eine Ausnahme ist in seinen Augen das "Eich der Woche" auf Radio Plassenburg. Comedian Stefan Eichner ist auch Absolvent der Akademie und wird morgen im Landratsamt zu Gast sein, um das 30-jährigen Bestehen zu feiern.

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