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Objekt des Monats

Schmuckstück für den Schnupftabak

Im Armeemuseum Friedrich der Große auf der Plassenburg ist eine Tabatiere aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) ausgestellt. Sie gehört zu den wertvollsten Exponaten.
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Die Klosterbrüder des Klosters Marienfelde hatten wohl schlecht über den König geredet und wurden von den wohl schon stark alkoholisierten Husaren gezwungen, einen Toast auf den ungeliebten König von Preußen auszubringen. Fotos: Bernd A. Windsheimer
Die Klosterbrüder des Klosters Marienfelde hatten wohl schlecht über den König geredet und wurden von den wohl schon stark alkoholisierten Husaren gezwungen, einen Toast auf den ungeliebten König von Preußen auszubringen. Fotos: Bernd A. Windsheimer
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Zu den wertvollsten Objekten, die das Armeemuseum Friedrich der Große auf der Plassenburg im Jahre 2012 erwerben konnte, gehört eine Tabatiere aus der Zeit des Siebenjährigen Kriegs (1756-1763). Tabatieren waren Behältnisse aus Messing oder mit Emaille überzogendem Kupfer, die zur Aufnahme von Schnupftabak dienten. Je nach finanzieller Möglichkeit konnten Emaille-Tabatieren aufwendig bemalt sein. Dazu gehört das vorliegende Stück.
Es stammt von dem berühmten Berliner Kupferstecher und Maler Daniel Chodowiecki (1726-1801), der durch seine Bilder zu Leben und Taten Friedrichs des Großen nicht unwesentlich zu dessen Popularität beigetragen hat. Besonders seine Darstellung des vom Alter gebückten Friedrich zu Pferd bei der Potsdamer "Wachtparade" wurde zur Ikone des "Alten Fritz" bis heute.
Ab 1754 machte er sich mit seinem Bruder Gottfried in Berlin als Emaillemaler selbstständig und erlangte mit seinen Illustrationen weit über die Grenzen Preußens hinaus Berühmtheit.
Einer seiner Kupferstiche behandelt ein Ereignis aus dem Jahre 1758: Angeblich hatten die Mönche des Klosters Marienfelde "übel von dem König von Preußen" gesprochen. Der in der Nähe lagernde Herzog von Braunschweig, ein sehr erfolgreicher Heerführer Friedrichs, schickte einen Trupp Husaren vom schwarzen Regiment von Ruesch zum Kloster, um den Mönchen einen Denkzettel zu verpassen. Sie holten die gesamten Weinvorräte aus den Kellern und zwangen die eingeschüchterten Mönche, auf das Wohl des preußischen Königs zu trinken. Interessanterweise erschien die radierte Vorlage unter dem Pseudonym "P. B. del. A. Marienfeld 1758" und "I. Vogel fecit A.V." in Augsburg, wo unter dem Signum A. V." viele Radierungen Chodowieckis entstanden sind.


Auftrag aus dem Königshaus

Zwei Jahre später übertrug Chodowiecki diesen Kupferstich auf den Außendeckel einer emaillierten kupfernen Tabaksdose - wahrscheinlich ein Auftag aus dem Königshause. Sie zeigt im Zentrum auf einem halben Fass stehend den Anführer der Truppe, evt. Generalmajor von Ruesch, wie er in der rechten Hand die Filzmütze mit dem Totenkopf, in der linken Hand den vollen Becher hält und auf das Wohl seines Königs trinkt: "Es lebe der Cönig von Preissen!", wie am oberen Rand des Deckels steht.
Um ihn herum knien die eingeschüchterten Klosterbrüder und werden von den wohl schon stark alkoholisierten Husaren gezwungen, ebenfalls einen Toast auf den ungeliebten König auszubringen. Links unten scheint ein Säbel schwingender Husar dieser Aufforderung bei einem verstockten Mönch mit der gezückten Waffe Nachdruck zu verleihen: "Drinck, oder...". Man braucht nicht viel Phantasie, um diesen geschriebenen Satz auf der Tabatiere zu ergänzen.
Es sei dahin gestellt, ob die Interpretation eines zeitgenössischen Autors stimmt, wenn er schreibt: "Die in der Szene dargestellte Einschüchterung spiegelt das protestantische Triumphgebaren der preußischen Soldaten wider, da die österreichisch-preußische Rivalität weithin als Auseinandersetzung zwischen Katholizismus und Protestantismus wahrgenommen wurde".
Weniger dogmatisch belegt ist die Deckelinnenseite, welche ein Halbportrait von Friedrich, dem Großen in der Uniform seines Garderegiments No. 15 mit Feldherrnstab und Stern des Schwarzen Adlerordens zeigt.
Kupferemaildosen aus Berlin stellten im 18. Jahrhundert eine Spezialität dar, die überregionale Anerkennung fand. Oftmals wurden sie vom Königshaus erworben und an verdiente Militärs verschenkt.


Verhaltene Farben

Emaillearbeiten Chodowieckis lassen sich bis 1765 nachweisen. Seine frühen Arbeiten, wie diese Dose, zeichnen sich durch eine verhaltene Farbigkeit aus, die von Grün-, Braun- und Grautönen bestimmt wird. Seine meisterhaft feinst abgestufte, leicht impressionistische Malerei lässt ihn bereits in dieser Frühphase eine führende Position unter den damaligen Berliner Emaillemalern einnehmen.
Eine fast identische Dose befindet sich heute im Museum Haus Doorn in den Niederlanden, dem Exil des letzten preußischen Königs und Deutschen Kaisers seit 1918.

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