Laden...
Kasendorf
Prozess

Schaufel-Angriff: Totschläger leistet Erste Hilfe

Vor Gericht schweigt der Angeklagte, der sich für den Tod eines Kasendorfers verantworten muss. Aber nach der Tat hat er sich bei der Polizei geäußert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Am Montag begann vor dem Landgericht Coburg der Prozess gegen einen Pflasterer, der im Streit einen 55-jährigen Bauarbeiter aus Kasendorf erschlagen hat. Hier der Angeklagte zusammen mit seinem Verteidiger Till Wagler aus Kronach.  Foto: Stephan Tiroch
Am Montag begann vor dem Landgericht Coburg der Prozess gegen einen Pflasterer, der im Streit einen 55-jährigen Bauarbeiter aus Kasendorf erschlagen hat. Hier der Angeklagte zusammen mit seinem Verteidiger Till Wagler aus Kronach. Foto: Stephan Tiroch
+2 Bilder
Der Angeklagte wird mit Fußfesseln aus der JVA Kronach vorgeführt. An der Seite seines Verteidigers Till Wagler betritt er am Montag den großen Sitzungssaal am Landgericht Coburg, wo ein großes Presseaufgebot und zahlreiche Zuschauer auf ihn warten. Der Mann mit der Kurzhaarfrisur trägt eine auffällige rote Brille und ein Kurzarmhemd, so dass man seine muskulösen Arme sieht. "Sie machen einen trainierten Eindruck", sagt Vorsitzender Richter Christoph Gillot. Ja, räumt der Angeklagte ein, er habe früher regelmäßig im Fitnessstudio trainiert, "aber seit ein paar Jahren nicht mehr".


"Ein ruhiger Typ"

Als Pflasterer übt er einen Beruf aus, der Kraft erfordert. Doch der Mann, der im sächsischen Döbeln aufgewachsen ist und seit ein paar Jahren mit seiner Frau im Landkreis Passau lebt, hat nicht den Ruf, gewalttätig zu sein. Ein Arbeitskollege und Zeuge sagt über den 38-jährigen, der bisher auch nicht vorbestraft ist: "Er ist ein ruhiger Typ. Deswegen hat es mich so gewundert."

"Es" ist die Tat - der tödliche Schlag mit der Schaufel auf der Baustelle der neuen Firmenzentrale der Max Carl KG in Großheirath. Das Ende eines Streits, dessen Ursache die 1. Große Strafkammer zunächst nicht aufklären kann. Zu verworren sind die Aussagen der Zeugen. Keiner hat zunächst so genau hingeschaut und hingehört, als sich der Pflasterer und der 55-jährige Kasendorfer in die Haare geraten sind. Auf einer Baustelle geht es eben etwas derber zu, heißt es immer wieder.

Aber dieses Mal hört das Geschrei nicht auf. Und dann geht es ganz schnell. Bis jemand eingreifen kann, liegt der Kasendorfer schon am Boden, in seinem Blut. "Er ist wie ein gefällter Baum umgefallen und mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufgeschlagen", sagt ein Kollege: "Er war mein Capo. Wir haben den ganzen Platz asphaltiert und waren gerade fertig."


Beschreibungen unterschiedlich

Was der getötete Vorarbeiter für ein Typ gewesen sei, will das Gericht wissen. "Er hat sich schon durchgesetzt. Und wenn es sein musste, ist er auch mal lauter geworden. Aber er war immer korrekt. Tätlich geworden ist er nie", sagt der Zeuge weiter.

Der Kollege des Täters, ein kerniger Niederbayer, schildert den Kasendorfer an jenem Unglückstag jedoch als "ziemlich aggressiv". Er habe ihn und die Fahrerin des Betonmischers angeschrien, "wie blöd wir sind".

Zur Sache macht der Pflasterer am Montag keine Angaben und lässt seinen Anwalt reden. Wagler versucht, das Unerklärliche zu erklären. Sein Mandant habe zugeschlagen. Aber: "Er hat nicht registriert, was geschehen war. Er stand völlig neben sich."


Überreaktion und Notwehr

Gleich nach der Tat äußert sich der Mann, der einen zwölfjährigen Sohn hat, gegenüber der Polizei. Er habe überreagiert, zitiert der Zeuge den 38-Jährigen. Und: "Scheiße, es war eine Kurzschlussreaktion. Es tut mir leid." Er habe von Notwehr gesprochen und sich auch mit um den Schwerstverletzten gekümmert. Der Totschläger leistet Erste Hilfe.

Nach der Verhandlung wird der Angeklagte, der in den Pausen mit seiner Frau reden darf, in die JVA Kronach zurückgebracht. Am Mittwoch in einer Woche soll der Prozess mit den Plädoyers und dem Urteil beendet werden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren