Kulmbach
Flüchtlinge

Saheel ist in Kulmbach zurück

Die Anschläge in Kabul haben dafür gesorgt, dass der 25-jährige Afghane, der wegen seiner Abschiebung Schlagzeilen machte, in letzter Minute freikam.
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Saheel Smeekeil (25) steht mit traurigem Blick vor der Heizungs- und Sanitärfirma in der Blaich. Er hofft noch immer darauf, dort seine Ausbildung fertig machen zu dürfen. Foto: Sonny Adam
Saheel Smeekeil (25) steht mit traurigem Blick vor der Heizungs- und Sanitärfirma in der Blaich. Er hofft noch immer darauf, dort seine Ausbildung fertig machen zu dürfen. Foto: Sonny Adam
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"Hallo Cheeeef, ich bins sageel, die haben mich entlassen" - diese schnell dahingeschriebene Nachricht, die vor lauter Aufregung sogar Tippfehler im eigenen Namen enthielt, endete mit drei lachenden schwitzenden Smilies. Der afghanische Flüchtling Saheel Smeekeil hatte sie am Mittwochabend an den Chef der Kulmbacher Heizungs- und Sanitärfirma Alexander Meile geschickt: seinen Chef, der ihm einen Start in ein neues Leben ermöglichen wollte. Es folgte eine weitere schnell dahingeschriebene Message: "Ich komme zurück nach Hausse". Keine Minute zögerte Saheel Smeekeil. Er trat die Heimreise an.

"Nach Hause, das ist für mich Kulmbach. Kulmbach und alle, die hier wohnen, sind für mich eine Familie", sagt Saheel Smeekeil. Der 25-Jährige hat nur einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd - die Kleidung, die er am Leib trägt. In der Hand trägt er einen blauen Leitzordner mit all seinen Unterlagen. Alle anderen persönlichen Dinge waren in seiner Wohnung. Im Gefängnis trug er Haftkleidung, erzählt er.

Als in Afghanistan der Anschlag passierte, sollte Saheel Smeekeil schon auf dem Weg nach Kabul sein. Doch wegen der schrecklichen Ereignisse wurde der Rückflug in letzter Minute abgesagt. Erst wurden sechs von 13 inhaftierten afghanischen Flüchtlingen entlassen, Saheel Smeekeil war nicht dabei. Dann kam auch er frei - abends um 18 Uhr. "Sie haben nur gesagt, ich soll mich bei der Regierung von Oberfranken melden." Die Rückreise von Mühldorf am Inn nach Oberfranken musste Saheel Smeekeil auf eigene Faust organisieren. Mit seinem letzten Geld, das er bei der Haftentlassung natürlich wieder bekommen hat.

Allerdings gestaltete sich die Rückkehr nach Hause nicht ganz so einfach. Denn ausgerechnet in diesen Tagen zieht die Zentrale Ausländerbehörde in Bayreuth, die für den Flüchtling zuständig ist, um und ist aus diesen Gründen nicht erreichbar.


Wieder ins Asylbewerberheim

Saheel Smeekeil wird in den nächsten Tagen und Wochen im Asylbewerberheim untergebracht werden, hat sich sein Chef Alexander Meile kundig gemacht. Die Regierung von Oberfranken bestätigt dies. "An dem Status, den Saheel Smeekeil nach seiner Freilassung hat, hat sich nichts geändert", betonte die Regierung auf Nachfrage.
Die Wohnung, in der Saheel Smeekeil vorher gelebt hat, wurde durchsucht, das Schloss wurde ausgetauscht. "Mein Schlüssel passt nicht mehr. Ich war schon da. Ich wollte einfach nur duschen", sagt Saheel Smeekeil traurig. Die Polizei bestätigt, dass das Schloss ausgetauscht wurde.

Der Grund: Die Wohnung wurde durchsucht, so der Leiter der Polizeiinspektion, Alexander Horn. Nach ausgiebiger Prüfung des Einzelfalles ist der junge Afghane schon seit Januar 2013 ausreisepflichtig. Dieser Verpflichtung sei er jedoch nicht nachgekommen. Inzwischen wurde auch die Duldung widerrufen. Grund war, dass Saheel Smeekeil wegen mehrerer Straftaten oberhalb der Bagatellgrenze verurteilt worden ist. Saheel Smeekeil gibt die Körperverletzung, die ihm die Strafe von 130 Tagessätzen beschert hat, unumwunden zu. Er weiß auch, dass er außerdem wegen Diebstahls belangt werden sollte, war jedoch nicht beim Gericht. "Da ging es um eine Schachtel Zigaretten, aber ich habe nicht gestohlen", sagt der junge Afghane.

Zum Körperverletzungsdelikt erklärt Saheel Smeekeil selbst, dass er eigentlich in Bayreuth feiern wollte, weil er am nächsten Tag eine Ausbildungsstelle antreten sollte. "Ich war so glücklich. Ich war in der Diskothek", erzählt der junge Afghane. Doch dort gab es Stress mit einem anderen Ausländer. "Er war betrunken, hat überhaupt nicht deutsch sprechen können. Er ist mir immer wieder auf die Füße getreten", erzählt Saheel Smeekeil offen. Und dann hat er dem anderen eine Ohrfeige gegeben. "Er hat mich mit der Faust auf den Kopf geschlagen. Ich wollte das nicht. Ich habe ihm eine Schelle gegeben. Ich würde das nie mehr machen. Ich wollte keinen Stress", sagt er heute und würde alles tun, den Vorfall ungeschehen zu machen.


Suizidversuch mit Seife

"Ich bin verzweifelt. Als ich die Bilder aus Afghanistan gesehen habe, habe ich geweint. Ich kann nicht mehr dorthin zurück", erzählt der 25-Jährige und hofft noch auf eine Wendung. In den letzten Tagen war der 25-Jährige so verzweifelt, dass er sich umbringen wollte. "Aber ich hatte kein Messer, ich habe einfach Shampoos und Seife getrunken. Aber das hat nicht geklappt", sagt Saheel Smeekeil.

Die Sanitärfirma Meile kann den jungen Afghanen nicht weiter beschäftigen. Der Zoll hat dies schon kontrolliert. "Wir haben einen Anwalt eingeschaltet, der Bayerische Flüchtlingsrat kümmert sich und die Bundesregierung", sagt Alexander Meile, sichtlich gerührt über das Schicksal seines Schützlings.

"Alles, was ich mir wünsche, ist es, dass ich eine Chance bekomme. Ich habe acht Jahre lang gekämpft, jetzt habe ich langsam keine Kraft mehr", sagt Saheel Smeekeil.
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